Herkunft ist schwer zu ermitteln

Münze mit Hakenkreuz beim Einkaufen als Wechselgeld bekommen

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Brandenburger Tor mit Hakenkreuz: Solche selbstgemachten Markierungen auf Münzen tauchen immer wieder in Deutschland auf. Jetzt auch in Hofgeismar. Die einzelnen Balken wurden offenbar laienhaft mit einem Schraubenzieher hineingehämmert. Die Polizei stellte das 50-Cent-Stück sicher.

Hofgeismar. Als Eberhard Bräuer aus Hofgeismar bei einem Restaurantbesuch zahlen wollte, wurde er stutzig: Denn auf einer 50-Euro-Cent-Münze, entdeckte er ein Hakenkreuz.

Das verfassungsfeindliches Symbol aus der Hitler-Zeit war auf der Rückseite. Was tun damit?

Gegenüber unserer Zeitung erklärte er, dass er zuvor in mehreren Hofgeismarer Supermärkten eingekauft hatte und dabei die so markierte Münze als Wechselgeld erhalten hatte. Wo, konnte er nicht sagen. „Ich habe das Wechselgeld zwar jedes Mal abgezählt, aber nicht jede Münze umgedreht“, berichtet Bräuer. Ob so etwas im Alltag auffalle oder nicht, liege daran, welche Seite der Münze gerade oben liege.

Für den ehemaligen Polizisten war klar, dass er die Münze nicht behält. Denn der Besitz ist zwar nicht strafbar, doch das Hantieren damit in der Öffentlichkeit ist strafbar und die Polizei geht vorsorglich von einer Straftat aus. Gerichte haben zu Münzen mit Hakenkreuzen schon sehr unterschiedliche Urteile gefällt (siehe Hintergrund).

Keine Seriennummern 

Bei Münzgeld ist es schwierig, die Herkunft und den Weg zu verfolgen, weil sie, anders als Geldscheine, keine Seriennummern aufweisen. In Deutschland geprägte Euromünzen tragen unter der Jahreszahl lediglich noch den Buchstaben für den Herstellungsort. Bräuer überlegte, die Münze zu einer Bank zu bringen, wo derart veränderte, aber sonst unbeschädigte Geldstücke problemlos umgetauscht werden. Verschwunden ist sie jetzt auf jeden Fall: Bräuers 50-Cent-Münze wurde von der Polizei zur Beweissicherung und weiteren Recherche sichergestellt.

Offensichtlich Straftat 

Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz ist dies offenbar der erste seit langem bekannt gewordene Fall von Hakenkreuzen auf aktuellem Münzgeld im Bereich des Polizeipräsidiums Kassel. Auf Geldscheinen seien solche Symbole dagegen leichter anzubringen und öfter zu finden. Auf jeden Fall müsse die Polizei eingeschaltet werden, da es sich offensichtlich um eine Straftat handele, wenn es um die Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen in der Öffentlichkeit gehe. „Wenn man es bei sich trägt, ist es keine Straftat, aber wenn man damit bezahlt, ist es eine Straftat“, klärt er auf.

Eventuell Entschädigung 

50 Cent lassen sich noch verschmerzen. Wenn es aber um größere Mengen und größere Münzen geht, könnte mancher unerwartete Besitzer solcher Geldstücke Bedenken vor der Rückgabe haben. Doch bei der Polizei abgegebene Geldstücke gelten zunächst als sichergestellt und damit nicht dauerhaft enteignet. Im verschärften Fall können sie vorläufig und dann endgültig eingezogen werden, was dann aber auch eine Entschädigung nach sich ziehen könnte, wie Polizeisprecher Mänz sagte. Darüber entscheide ein Richter.

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