Landwirte aus der Region protestieren

Nach 15 Stunden Fahrt: Bio-Bauern bei Demo dabei

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Mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund: die Bio-Landwirte aus der Region in Hofgeismar in Berlin. 

Sie waren 400 Kilometer mit ihren Schleppern unterwegs: Bio-Bauern aus der Region Hofgeismar haben bei einer Großkundgebung in der Bundeshauptstadt mitgemacht. 

Die Landwirtschaft ist zu einem Thema ersten Ranges geworden. Mit dazu tragen auch die Bauern aus Region bei: die konventionell wirtschaftenden Betriebe mit ihren Treckerdemos in Wiesbaden, Bonn und Berlin sowie Mahnfeuern und grünen Kreuzen auf den Äckern, die Biobauern mit ihrem Einsatz für eine nachhaltige, naturschonende Kreislaufwirtschaft.

Am Samstag waren sie es, die im Fokus standen. Gemeinsam mit Naturschützern, Verbraucherinitiativen und Klimaaktivisten veranstalteten sie eine Großdemo in Berlin. Sie steht unter dem Motto „Wir haben es satt“ und fand zum inzwischen zehnten Mal zum Auftakt der Grünen Woche statt, der weltweit größten Landwirtschaftsmesse. Mit 27 000 Teilnehmern und 200 Treckern war es die bisher größte Demo dieser Art.

Schon zum achten Mal dabei

Für die Biobauern der Region ist die Teilnahme zur Tradition geworden. Georg Tolle aus Fürstenwald war am Samstag bereits zum achten Mal dabei, Sohn Nils zum fünften Mal. Diesmal hatten sie nicht nur ihren Trecker dabei, sondern auch einen Anhänger. Auf dessen Seitenwänden hatten die Tolles ein Martin-Luther-King-Zitat gemalt: „Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott allein sich darum kümmert“.

Es sei notwendig, dass die Agrarwende endlich angepackt werde: kein Glyphosat- und Pestizideinsatz mehr, Stopp des Artensterbens sowie Schutz von Klima und Grundwasser, sagt Tolle. Dass sich etwas ändern muss, ist mittlerweile auch in der großen Politik angekommen. Das machte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner klar, als sie zu den Biobauern noch vor Demostart am Brandenburger Tor sprach. Laut Klöckner muss die Agrarpolitik grüner werden, indem ökologische Maßnahmen auch honoriert werden.

"Für enkeltaugliche Landwirtschaft"

„Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ stand auf dem Schild, das Dana Preiß-Tamm aus Frankenhausen an ihrem Trecker montiert hatte. Die gelernte Landwirtin war ebenfalls das achte Mal in Berlin dabei. Sie spürt, dass sich inzwischen „etwas bewegt hat. So viel Sympathie und Beifall, wie uns heute vonseiten der Berliner entgegengebracht wird, sind schon toll“. In der Tat: Auf dem gesamten Weg, den der Treckerkonvoi durch die Straßen der Hauptstadt zurücklegte, winkten Zuschauer und hoben die Daumen.

Für Günter Rüddenklau war es die erste Wir-haben-es-satt-Demo. Der Westuffelner tritt für eine bäuerlich geprägte Landwirtschaft ein. Es müsse Schluss sein, mit der Forderung des Bauernverbandes und der Politik nach immer weiterem Wachstum. Das habe nur agrarindustrielle Strukturen gefördert, das Artensterben beschleunig, Umwelt und Klima geschädigt „und vielen Landwirten die Existenz gekostet“.

Christian Heinemann von der Willy-Brandt-Schule in Kassel und Lehrer der FOS für Landwirtschaft und Gartenbau ist zuversichtlich, dass auch in der Region ein Umdenken stattfindet. „Den Menschen wird zunehmend bewusst, dass nur eine nachhaltige und naturschonende Nahrungsmittelproduktion gesunde Lebensmittel hervorbringt.“ Nun müssten die EU sowie die Bundesregierung die Weichen dafür stellen, sagt er.

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