Die letzten Bewohner plädieren mit Erbpacht für Belebung der Stadt

Nach Auszug der Flüchtlinge: Beberbeck gleicht einer Geisterstadt

+
Verlassen: Ungepflegt wirken die Grundstücke an der Hombresser Straße, da sich seit geraumer Zeit niemand mehr darum kümmert. Fast alle Mieter sind weggezogen, nachdem sie vergangenen Sommer die Kündigung bekommen haben.

Beberbeck. Fenster ohne Gardinen, Vorgärten, die lange keine Pflege hatten und Fassaden, an denen die Farbe bröckelt: Wie eine Geisterstadt kommt Beberbeck daher.

Denn nur noch wenige Menschen leben in dem kleinen Ort. Vor einigen Monaten sah das noch ganz anders aus, mehrere Hundert Flüchtlinge lebten dort, brachten Leben in die verlassenen Straßen.

 An die Flüchtlinge erinnert nur noch ein Zelt neben der ehemaligen Unterkunft. Auch der Müll, den sie aus den Fenstern geworfen hatten, wurde beseitigt.

Ingolf Reuß ist einer der Wenigen, die noch immer hier verharren. „Und so soll es auch bleiben“, sagt der 66-Jährige. Auch er bekam vergangenes Jahr die Kündigung seines Mietvertrages zugeschickt, sollte eigentlich bis Mai dieses Jahres sein Haus verlassen. „Da die Häuser inzwischen unter Denkmalschutz stehen, sehe ich die Sache erstmal gelassen.“ Leider hätten die meisten aus der Hombresser Straße Angst bekommen und seien ausgezogen.  

Wie eine Oase wirkt das Grundstück von Alexander Bienemann, welches inmitten von Brennnesseln und Gestrüpp durch seine Gepflegtheit auffällt. Auch er bewohnt mit seiner Frau noch immer eines der Häuser des Landes Hessen. „Es ist schon eine seltsame Atmosphäre hier – als ich 2000 hier einzog, war jedes Haus belegt und wir hatten eine tolle Nachbarschaft“, bemerkt der Schreiner.

Das könne alles wieder so sein, wenn das Land auf ihren Vorschlag einginge. Und der lautet Erbpacht. Darin sehen die letzten Bewohner die einzige Chance die Beberbecker Häuser zu retten. „Wir würden dann investieren, da ja nichts verloren gehen kann und zudem einen gewissen Abtrag zahlen“, erklärt Reuß. Die Alternative sei, dass die Häuser immer mehr vergammeln würden, was ja nicht sein könne.

Die beiden letzten Akteurehoffen nun auf Unterstützung der Stadt Hofgeismar. „Das wird wohl in nächster Zeit entschieden und dann kann dieser Vorschlag nach Wiesbaden gehen“, meinen die Beberbecker. Beide sind sich sicher, bei einer Erbpachtregelung sich viele Interessenten für die Häuser fänden. Neben ihnen lebt nur noch eine Familie aus Kasachstan, ein Domänenmitarbeiter sowie der Domänenchef in Beberbeck plus die Bewohner des Altenheims.

Ingolf Reuß

Von den Flüchtlingen haben sich Reuß und Bienemann nicht gestört gefühlt, einzig der viele Müll sei schlimm gewesen. „Leider haben die alles aus den Fenstern geschmissen, doch das wurde ja jetzt weggeräumt.“ Da die Flüchtlinge aus allen Teilen Deutschlands Besuch bekommen hätten, war seinerzeit hier schon einiges los. Inzwischen erinnert nur noch ein Zelt neben der ehemaligen Unterkunft an die Einwanderer.

Jetzt im Hochsommer kann man rings um Beberbeck die Mitarbeiter der Domäne bei der Feldarbeit beobachten. Strohballen zieren die Umgebung, dessen Kern eher marode daherkommt. Ab und an sieht man außerdem Senioren aus dem Heim einen Spaziergang machen oder den Domänenchef bei einer Kontrollfahrt. Ansonsten herrscht Totenstille in dem idyllisch gelegenen Örtchen, welches schon bessere Zeiten erlebt hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.