Optimistische Mienen im Korn

Nach dem Hitzesommer 2018: Landwirte der Region sind aktuell zufrieden

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Unwetterschaden: Auf dem Zuckerrübenschlag ging vor ein paar Tagen ein Hagelschauer nieder. Landwirte gehen davon aus, dass sich Pflanzen davon erholen.

Die Landwirte der Region blicken optimistisch auf die in einigen Wochen beginnende Erntesaison.

Besonders das Wintergetreide und die Rübensaat machen derzeit einen hervorragenden Eindruck. Etwas hinterher hinkt noch der Mais. 

„Stand heute können wir als Ackerbauern und Futtermittelerzeuger sehr zufrieden sein“, sagt Jörg Kramm, stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen. Das sah im März bis in den April hinein noch anders aus, weil die Niederschläge fehlten. Da wurden bereits wieder Erinnerungen an das vergangene Dürrejahr wach. „Doch ab Mitte bis Ende April fiel der Regen dann in fast perfekten Dosen“, sagt Kramm.

Feldtag im Frühjahr ist Tradition

Bei den Caldener Landwirten ist es schon Tradition, dass sie sich im Frühsommer zusammenfinden und einen Feldtag veranstalten. Gruben sich im vergangenen Jahr noch tiefe Sorgenfalten in die Mienen der Bauern, so sah dies kürzlich ganz anders aus: fast durchweg zufriedene Gesichter beim Gang durch die Felder.

Der Weizen steht prächtig: Beim Feldtag der Caldener Landwirte besichtigten die Teilnehmer auch das Feld von Ortslandwirt Klaus Rehrmann. Zum Bachlauf hin wird ein Randstreifen nicht bewirtschaftet, das schützt das Gewässer.

Vor allem der Status des Wintergetreides macht ihnen Freude. Ob Gerste, Roggen und erst recht der Weizen, für viele eine wichtige Einnahmequelle, stehen prächtig. Auch Ackerbohnen, die hier und da angebaut werden, um den Boden mit Stickstoff anzureichern, sind diesmal sehr gut aus der Erde gekommen.

Drahtwurmbefall nimmt zu

Etwas problematischer sieht es dagegen auf manchen Zuckerrübenschlägen aus. Ist bei den Hackfrüchten das Ziel, dass über 90 Prozent der Samenkörner aufgehen, so liegt auf einigen Flächen der Feldaufgang bei unter 80 Prozent. Zudem hatte in den Tagen zuvor ein lokal begrenztes Unwetter mit Hagelschlag den noch jungen Rübenblättern zu schaffen gemacht.

Ein wenig hadern Rüben- und auch Kartoffelanbauer mit dem Verbot der Neonicotinoide, deren Einsatz im Freiland als bienengefährdende Insektizide von der EU vergangenes Jahr verboten worden sind. „Wenigstens als Beizmittel, das das Samenkorn in der Erde schützt, hätte man die Neonics noch zulassen können“, sagt Harald Bethmann. So aber nehme der Drahtwurmbefall zu.

Landwirte seien schon aus Kostengründen daran interessiert, Pflanzenschutzmittel nicht mehr breitflächig, sondern nur noch gezielt und sparsam einzusetzen, sagt Dirk Neutze, einer der Mitveranstalter des Feldtages.

Kühler und nasser Mai war ein Segen

In diesem Jahr trug der gewünscht kühle und nasse Mai dazu bei, dass sich Pilze und Schadinsekten nicht so stark entwickeln konnten. Deshalb mussten sie auch nicht so intensiv mit der Spritze bekämpft werden, wie in anderen Jahren.

Blühstreifen: Auf diesem Streifen sollen bald die Bienen summen.

„Wir Landwirte gehen heute mit Sachverstand und Augenmaß mit solchen Sachen um“, sagt Dirk Neutze. Der bewusste und sparsame Einsatz chemischer Mittel haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass in der Caldener Feldflur inzwischen Feldlerche und Rebhuhn wieder anzutreffen seien. Und auch der Feldhase sei wieder öfter anzutreffen. Damit die Feldflur ökologisch aufgewertet wird, nehmen immer mehr Landwirte am Agrarumweltprogramm des Landes teil. Aus jedem Hektar Land, das der Landwirt zu einem bienen- insekten- und niederwildfreundlichen Blühstreifen macht, erhält er 750 Euro Ausgleich. „Das deckt zwar nicht ganz die Kosten“, sagt Neutze, „aber wir machen es trotzdem.“

Ausreichend Regen: Getreide steht bestens

Die wöchentlichen Niederschläge der letzten zwei Monate waren ein Segen für die Vegetation. Ebenso wie der nasse und kühle Mai, in dem Pilze und Schadinsekten keine optimalen Bedingungen fanden. Das trägt dazu bei, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. 

Ganz anders als vergangenes Jahr sieht es auch auf den Wiesen auf. Da konnte inzwischen der zweite Grünschnitt eingefahren werden. 2018 war auf den meisten Flächen nach dem ersten Schnitt schon Schluss, was zu einer Futterknappheit führte. 

Aufgrund der guten Niederschlagssituation steht auch auf schwächeren Böden die Frucht gut, beobachtet Kramm. Allerdings haben Unwetter mit Hagelschlag hier und da Böden verdichtet und die aufwachsende Pflanzenschicht in Mitleidenschaft gezogen. Solche Ereignisse können zur Bodenerosion und zum Abschwemmen der wertvollen Ackerkrume führen. Wenn zur Stunde die Situation für die Ernte auch günstig erscheint, schwere Unwetter können mit einem Schlag alles zunichtemachen.

Im Frühling 2018 blieb der Regen aus

Der Frühling im vergangenen Jahr begann eiskalt. Im März herrschte noch strenger Frost und selbst Anfang April lag noch Schnee. Danach ging es zur Sache: April und Mai entwickelten sich zu den wärmstem Monaten seit Beginn der offiziellen Temperaturmessungen. 

Es folgten bis in den Spätherbst Dürre durch zu wenig Regen, Hitze und überdurchschnittlich viele Sonnenstunden. „Heißzeit“ wurde zum deutschen Wort des Jahres 2018.

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