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Nach Krebsdiagnose: Junge aus Sielen besucht seinen Unterricht von Zuhause aus

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Von: Clara Veiga Pinto

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Max Siebert, seine Oma Susanne Siebert und Klassenlehrerin Sabine Weiß mit dem Avatar.
Max Siebert aus Sielen kann wegen seiner Krebserkrankung nicht mehr in die Schule gehen. Mit einem Avatar kann er trotzdem am Unterricht teilnehmen. Hier zu sehen: Max Siebert, seine Oma Susanne Siebert und Klassenlehrerin Sabine Weiß mit dem Avatar. © Clara Pinto

Max Siebert aus Sielen kann wegen seiner Krebserkrankung nicht mehr in die Schule gehen. Mit einem Avatar kann er trotzdem am Unterricht teilnehmen.

Hofgeismar/Sielen – „Was sagt der kleine Stift zum großen Stift? – Wachsmalstift“, schallt es durch den Klassenraum der G5c der Gustav-Heinemann-Schule. Alle Kinder lachen. Diesen Witz erzählt hat der Schüler Max Siebert aus Sielen.

Der ist allerdings nicht persönlich da, sondern nimmt mit einem Avatar, also einem kleinen Roboter, am Unterricht teil. Im vergangenen November bekam der Elfjährige eine erschreckende Krebsdiagnose.

Ein bösartiger Tumor hatte sich in seinem Hirn gebildet. Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr und auch, weil Max’ Immunsystem von den Behandlungen geschwächt ist, kann er nicht persönlich in der Klasse sitzen – daher der Avatar.

Avatar lässt sich leicht bedienen: Tablet hilft dabei

Und die Bedienung des kleinen Lernhelfers, der von der norwegischen Firma No Isolation kommt, ist kinderleicht: Max steuert ihn von Zuhause aus mit einem Tablet. Eine kleine Kamera und ein Mikrofon sind eingebaut, sodass der Elfjährige alles sehen und hören kann.

Wenn er sich melden möchte, leuchtet das Gerät blau. Auch verschiedene Gesichtsausdrücke kann der kleine Roboter imitieren. Und auch drehen kann Max den Avatar von Zuhause aus – so kann er seine Umgebung beobachten.

Neben dem normalen Unterricht, an dem er mit dem Avatar teilnimmt, bekommt Max dreimal die Woche Hausunterricht von seinen Lehrern. Seine Mitschüler vermissen Max. Vor allem seine Witze, für die er bekannt ist. „Ich finde den Avatar cool, so verpasst Max keinen Unterricht mehr“, sagt eine Schülerin. „Ich wäre natürlich viel lieber persönlich in der Klasse, bin aber sehr dankbar für den Avatar“, sagt Max selbst.

Klasse der GHS ist froh über den Avatar

Für seine Freunde aus der Klasse ist der Avatar mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Sie haben sogar einen „Max-Dienst“: Jeden Tag muss der Avatar aus dem Sekretariat abgeholt und zum Aufladen zurückgebracht werden. Wer den Dienst hat, ist dafür zuständig.

„Trotzdem sind wir traurig, dass Max nicht wirklich hier sein kann“, ist sich die Klasse einig. Für sie war die Nachricht seiner Erkrankung erschreckend. „Man hat ihm das ja nicht angesehen“, sagt einer seiner Freunde. Mit der Klassenlehrerin Sabine Weiß sprachen die Kinder nach der Diagnose viel über die Krankheit Krebs.

Haben auch mit dem virtuellen Max Spaß: Max’ Klasse, die G5c der Gustav-Heinemann-Schule, hat sich schnell an den Avatar gewöhnt.
Haben auch mit dem virtuellen Max Spaß: Max’ Klasse, die G5c der Gustav-Heinemann-Schule, hat sich schnell an den Avatar gewöhnt. © Clara Pinto

Für Max ist der Avatar eine Erleichterung: „Ich komme im Unterrichtsstoff gut mit“, sagt er. Das Lernen macht ihm Spaß. Sein großer Wunsch: Arzt werden. Und zwar in der Onkologie. Dass er nun viel Zeit in Krankenhäusern verbringen muss, verstärkte diesen Wunsch. „Max lässt sich von seinen Ärzten immer alles genau erklären und kennt jedes Fachwort“, sagt seine Oma Susanne Siebert, die ihn zu allen Untersuchungen begleitet.

Großmutter Susanne Siebert setzte sich für den Avatar ein

Nach seiner Diagnose und einer sofortigen Not-Operation in Göttingen, verschiedenen Chemo-Therapien und Bestrahlungen ist Max langsam wieder auf den Beinen. „Jetzt konzentrieren wir uns erst mal darauf, dass er wieder gesund wird und zunimmt“, sagt seine Großmutter.

Sie war es auch, die sich dafür eingesetzt hat, dass Max den Avatar und somit die Chance am Unterricht teilzunehmen bekommt. „Mein Mann hat im Fernsehen einen Bericht über solch einen Avatar gesehen und uns so auf die Idee gebracht“, erinnert sie sich. Mit der Idee wandte sie sich an die Initiative „Elternhilfe für das krebskranke Kind“. „Es ging dann alles ganz schnell“, erinnert sie sich.

Die 4000 Euro, die der Avatar kostet, kamen schnell durch Spenden zusammen. „Acht Wochen nach der Beantragung hatten wir das Gerät dann schon“, sagt Susanne Siebert. Auch die Zusammenarbeit mit der Schule hätte gut funktioniert. „Die Schulleitung hat sofort zugestimmt und auch die Eltern der anderen Schüler in der Klasse“, sagt sie.

Zusammenarbeit mit Schule und Eltern verlief ohne Probleme

Alle hätten direkt die Datenschutzerklärung unterschrieben, die dafür nötig war. Trotz seines schweren Schicksals hat Max seinen Mut nicht verloren. Im Gegenteil – der Elfjährige ist voller Optimismus.

Ganz besonders freut er sich darauf, wenn er wieder persönlich in den Unterricht kommen kann. Das ist geplant für Anfang des nächsten Jahres, wenn die Chemo-Therapie vorbei ist. „Ich bin froh, dass ich den Avatar habe. Jede Schule sollte mindestens einen bereitstellen“, sagt Max Siebert. „Es kann ja immer mal vorkommen, dass Schüler nicht in die Schule kommen können.“ (Clara Pinto)

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