Aktuelle Corona-Vorschriften offenbar nicht für alle durchschaubar

Nach Lockerungen: Verunsicherung zu Regeln hält im Kreisteil Hofgeismar an

Das Hotel und Restaurant von Torsten (Bild) und Uwe Humburg in Hofgeismar hatte Tische im Außenbereich vorbereitet.
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Noch zu frisch: Nicht nur die Nachricht von der Öffnung war gestern sehr frisch, sondern auch das Wetter. Das Hotel und Restaurant von Torsten (Bild) und Uwe Humburg in Hofgeismar hatte die Tische vorbereitet.

„Verunsicherung“ war das Wort, das am häufigsten fiel, als die HNA-Redaktion gestern bei einigen Geschäftsleuten und in Schulen zu den neuesten Lockerungen der Corona-Vorschriften fragte.

Kreisteil Hofgeismar - Seit gestern gilt im Kreis die Stufe 1 im Corona-Stufenplan des Landes Hessen. Sollte die Inzidenz auch weiterhin unter der 50er-Marke bleiben, könnte Stufe 2 am Dienstag folgen. Zunächst einmal müssen sich die Menschen aber offensichtlich auf die gerade erst angelaufenen Lockerungen einstellen. Hier ein Überblick aus dem Kreisteil Hofgeismar:

Gastronomie

So sehr es beispielsweise die Gastronomen freute, dass sie seit gestern wieder Gäste bewirten durften, so sehr sabotierte kaltes Wetter diesen Schritt. Nur abgehärtete Gäste saßen draußen im kalten Wind. Das Eiscafé Castello am Töpfermarkt beispielsweise verkaufte in den ersten zwei Stunden an den ersten drei überdachten Tischen immerhin sieben Tassen Cappuccino. Heute sollen weitere 13 Tische hinzukommen – und eventuell etwas höhere Temperaturen.

Eisdielenbetreiber Paolo Mandolini in Hofgeismar hat dagegen noch keine Tische herausgestellt. Der Aufwand mit Tischbestellung plus Testkontrolle lohne sich derzeit nicht, bis gestern wurde nur Eis zum Mitnehmen verkauft. In den nächsten Tagen werde es aber sicher besser. Derzeit seien auch die Kunden zu verunsichert, weil sie nicht wüssten, was gilt und was nicht.

Ab heute wird die Bäckerei Ruch, die in Hofgeimar eine ihrer 80 Filialen betreibt, das Sitzen an den Tischen in der Fußgängerzone zulassen und hofft, dass nächste Woche auch innen freigegeben wird.

Der Biergarten am Wirtshaus Köpenick öffnet noch nicht, weil bei so kaltem Wetter niemand draußen sitze, wie Inhaber Frank Jesgars sagt. Er hofft auf nächste Woche, wenn das Wetter besser wird und womöglich komplett geöffnet werden kann. Dann darf man drinnen mit Testnachweis und draußen ohne sitzen. „Nach einem halben Jahr Schließung wird es Zeit, dass es wieder losgeht“, sagt Jesgars. Die Menschen seien müde, sich ständig zu informieren, was erlaubt ist und was nicht. Es müsse sich erst herumsprechen, dann werde es sicher laufen.

Schulen

„Die Lehrer freuen sich, dass endlich wieder jeden Tag Unterricht stattfindet“, sagt Rita Nothnagel, stellvertretende Schulleiterin in Liebenau. Für die Schüler habe sich dagegen keine große Umstellung ergeben. Viele seien vorher in der Notbetreuung gewesen, in ihrer Klasse neun von 13.

Bislang gingen die Schüler nur jeden zweiten Tag in die Schule. Da die Klassen klein seien, konnten die Schüler im kompletten Verbund lernen. Nur die Nachbarklasse sei zu Hause geblieben. „Die Kraft bei den kleinen Kindern, sich selbst zu motivieren, ging zu Ende“, sagt Nothnagel: „Es lernt sich einfach viel schöner in der Gruppe.“

Coronatests sind weiterhin Pflicht. Zweimal pro Woche testen sich die Schüler selbst. „Das hat sich gut eingespielt“, sagt Nothnagel. Nur drei von 110 Schülern an der Diemeltalschule seien aufgrund der Testpflicht von ihren Eltern vom Präsenzunterricht abgemeldet worden. Es werde weiterhin darauf geachtet, dass sich die Klassen nicht mischen, sowohl in den Räumen als auch auf dem Schulhof. Zudem seien die Lehrer pro Klasse auf zwei bis drei reduziert worden. Die Erleichterungen wirkten sich positiv aus. „Vorher mussten wir lange vorausplanen, jetzt können wir uns wieder den einzelnen Schülern zuwenden.“

Ungewohnt sei es, die Klassen wieder in voller Besetzung zu sehen, sagt Martina Boye-Griesel, Leiterin der Heinrich-Grupe-Schule in Grebenstein. Noch am Tag zuvor waren die Schüler in A- und B-Gruppen aufgeteilt, sodass immer nur die Hälfte einer Klasse in der Schule erschien. An der kooperativen Gesamtschule profitieren jetzt vor allem die Abschlussklassen von der Lockerung. Bei ihnen stehen übernächste Woche die Prüfungen an. Im Präsenzunterricht sei eine ganz andere Unterrichtsqualität möglich, erklärt Boye-Griesel. Auch an ihrer Schule liefen die Coronatests „richtig gut“. 95 Prozent würden sich in der Schule testen, der Rest bringe einen Nachweis aus einem Testzentrum mit.

Auch auf den nächsten Lockerungsschritt sei die Schule mit einer guten Testlogistik und ausreichend Material vorbereitet, meint die Schulleiterin. Bei einer Inzidenz von unter 50 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen können auch die Klassen 7 und aufwärts am Folgetag wieder in Präsenz zur Schule gehen.

Beruhigend sei zudem, dass die meisten Lehrer mindestens einmal geimpft sind. Das bedeute zwar nicht, dass man sorglos werde. „Aber wir wissen jetzt besser, was wir tun müssen, um nicht zu erkranken“, sagt Boye-Griesel. (Thomas Thiele, Paul Bröker)

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