Verbraucherschutz warnt

Neue Abzockmasche kommt per Post: Karte in Lippoldsberg aufgetaucht

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Trick in Rosa: So sieht die Karte aus, die amtliche Wichtigkeit vorgaukelt: Das entscheidende Kleingedruckte ist ohne Lupe kaum zu lesen.

Wahlsburg/Hofgeismar. Verbraucherschützer und Polizei warnen vor einem in der Region noch neuen Masche, mit denen vor allem älteren Bürgern Geld aus der Tasche gezogen werden soll.

Die Opfer werden mit einer monatlichen Zusatzrente von 1000 Euro gelockt.

Zunächst freute sich Bertram Kircher (77, Lippoldsberg) als er am Dienstag eine – wie es schien – Gewinnbenachrichtigung aus dem Briefkasten zog. Die sehr offiziell aussehende rosafarbene Karte versprach ihm, dass er zu den Gewinnern von 120.000 Euro verteilt auf zehn Jahre gehören könnte. Er müsse nur die angegebene Gratis-Telefonnummer der Firma MCC GmbH in Hamburg anrufen.

Da wurde Kircher misstrauisch, denn im Kleingedruckten, das kaum jemand ganz liest, war der eigentliche Zweck versteckt: Denn jeder Anrufer erhält im Anschluss an die telefonische Registrierung, nachdem er persönliche Daten preisgegeben hat, „auf Wunsch exklusive Informationen zu attraktiven entgeltlichen Offerten“ über Losangebote einer Lotterieeinnahme-Firma aus Hamburg.

Literaturarchäologe Bertram Kircher wurde bei der Postkarte stutzig.

Wer sich auf das Experiment einlässt, bekommt am Telefon eine Gratulation als möglicher Gewinner der 120 000 Euro (bei einer Gewinnchance von angeblich 98 Prozent) und am Ende des Gesprächs Lose der Staatlichen Klassenlotterie GKL für 80 Euro im Monat angeboten. Notwendig sei die Angabe der Kontonummer, um den Gewinn überweisen zu können.

Wer darauf eingeht, hat nach Auffassung der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, wo die Karten bereits im vergangenen Jahr auftauchten, schon verloren. Das Vorgehen der Firma sei durchaus clever. Gewinnchance und Verkauf würden so geschickt vermischt, dass der Verbraucher den eigentlichen Hintergrund nicht ohne Weiteres erkennen könne. Verbraucherzentralen raten, auf solche Schreiben nicht zu reagieren.

Das angebliche Gewinnspiel, bei dem als Gewinn eine monatliche Rente von 1000 Euro winkt, hat in derselben Aufmachung auch schon Menschen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, im Ruhrgebiet und kürzlich in Thüringen verunsichert und die Verbraucherschützer auf den Posten gerufen. Sie warnen vor möglichen betrügerischen Absichten und raten von Anrufen ab. 

„Die Firma war schon in anderen Bundesländern aktiv und kommt nun auch in unsere Gegend. Dabei werden vor allem Empfänger mit Vornamen ausgesucht, die auf ältere Personen schließen lassen“, folgert Bertram Kircher, der in dieser Woche eine „Wichtige Mitteilung“ wegen eines „mgl. Renten-Gewinn“ erhielt. Kircher bezeichnet diese Art des Kundenfangs als „neue Version des Enkeltricks“, bei der sich die Täter das Vertrauen von Bürgern erschleichen, indem sie Tatsachen vortäuschen, die aller Voraussicht nach nicht stimmen. 

Neue Betrugsmasche: Die Rentenverlosung kommt per Postkarte.

Die Karte sieht zwar sehr offiziell aus, doch bei genauem Hinsehen müsste man stutzig werden: Was nach Handschrift aussieht, ist Computerschrift, die angebotene „kostenlose Gratis-Hotline“ ist zu dick aufgetragen und dass der vertrauliche Inhalt („Zustellung nur an den Empfänger“) per einsehbarer Postkarte verschickt wird, macht das ganze noch suspekter. 

Der Kriminalpolizei in Kassel ist die Karte der Firma HCC bekannt, aber bislang seien noch keine Fälle angezeigt worden, wo Geld verloren gegangen sei. Das Konzept dieser Firma bewege sich in einer rechtlichen Grauzone, erklärt Polizeihauptkommissar Matthias Mänz als Sprecher des Polizeipräsidiums. Solche Firmen hätten sich abgesichert. Wenn aber ein Gewinn versprochen, aber dann nicht ausgezahlt werde, dann bestehe der Verdacht des Betrugs. Eine rechtliche Beurteilung müsse im Einzelfall erfolgen. Mänz: „Über eines muss man sich klar sein: Es geht dieser Firma nicht um eine Gewinnauszahlung, sondern darum, Lotterielose zu verkaufen.“ Und an Daten zu kommen. 

Matthias Mänz vom Polizeipräsidium Kassel rät zu gesundem Misstrauen

Die Firma HCC übrigens hat die Adressen für ihre Aktion gekauft von der Firma Maxx Direct Service in der Schweiz. Wer privat gegen eine Firma in der Schweiz klagen will, muss sich teure Schweizer Anwälte nehmen. Verbraucherzentralen in ganz Deutschland raten zu äußerster Vorsicht. Am besten werfe man solche zweifelhaften Mitteilungen gleich in den Papierkorb. 

Bertram Kircher jedenfalls wird seine „Wichtige Mitteilung“, wenn sie niemand haben will, mit Genuss in den Schredder stecken.

Im Zweifel Anzeige erstatten

Die Polizei rät bei Gewinnversprechen generell zu erhöhter Vorsicht. Polizeipressesprecher Matthias Mänz gibt folgende Tipps: 

  • Geben Sie den Firmennamen oder den Namen des Gewinnspiels in eine Internetsuchmaschine ein oder sehen Sie beim Verbraucherschutz nach: Dubiose Tricks werden dort entlarvt. 
  • Geben Sie niemals Geld aus, um einen vermeintlichen Gewinn einzufordern, zahlen Sie keine Gebühren oder wählen kostenpflichtige Nummern wie 0900..., 0180..., 0137... . 
  • Machen Sie keinerlei Zusagen am Telefon. 
  • Geben Sie niemals persönliche Daten weiter wie Telefonnummern, Adressen, Kontodaten, Bankleitzahlen, Kreditkartennummern oder Ähnliches. 
  • Fragen Sie den Anrufer nach Namen, Adresse und Telefonnummer der Verantwortlichen, um welche Art von Gewinnspiel es sich handelt und was genau Sie gewonnen haben. Notieren sie sich seine Antworten. 
  • Sichern Sie sich ab, indem Sie einen angeblichen Vertragsabschluss widerrufen und wegen arglistiger Täuschung anfechten. Verbraucherzentralen (www.verbraucherzentrale.de) bieten dazu Musterschreiben an. 
  • Weisen Sie unberechtigte Geldforderungen zurück. 
  • Kontrollieren Sie mindestens einmal im Monat Kontoauszüge und Telefonrechnung. Lassen Sie unberechtigte Abbuchungen von Ihrem Geldinstitut rückgängig machen. Unberechtigte Lastschrifteinzüge können einen Betrug darstellen. Erstatten Sie im Zweifel Anzeige bei der Polizei.

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