Neue Ausschreibungen: Viele Sanitätshäuser fürchten um Existenz

Hofgeismar. Bundesweit protestieren Sanitätshäuser gegen die zunehmende Praxis von Krankenkassen, Aufträge überregional auszuschreiben. Sie fürchten um ihre Existenz und sehen die wohnortnahe Versorgung und Qualität gefährdet.

Auch im Kreisteil Hofgeismar formiert sich Widerstand. Durch Ausschreibungen können Krankenkassen ihre Kosten senken: Statt vom Sanitätshaus vor Ort erhalten die Versicherten dann Hilfsmittel wie Rollator und Rollstuhl von einem Anbieter, der allein für ein großes Gebiet zuständig ist. Das Konzept ist nicht neu: Für Produkte wie Windeln sind Ausschreibungen durchaus üblich. Dass nun aber die große Krankenversicherung DAK-Gesundheit das Verfahren auch im Bereich der Standard-, Leichtgewicht- und Toilettenrollstühle anwendet, sorgt für Entsetzen.

„Das ist existenzbedrohend für alle Sanitätshäuser“, sagen Angelika Kretzschmar und Frank Tautermann vom Sanitätshaus Sport-Line in Hofgeismar. Sie sehen nicht nur die Branche und die Arbeitsplätze in Gefahr, sondern auch die Versorgung der Kunden.

Die Ausschreibung führe zu Dumpingpreisen, langen Lieferzeiten, hohen Zuzahlungen für Versicherte und dem Wegfall von Service. Und es drohten Sicherheitsmängel: Denn bisher kümmerten sich die Sanitätshäuser vor Ort auch um das Anpassen und die Reparatur der Rollstühle – beispielsweise um das Anziehen der Bremsen.

Die Ängste teilen auch andere Anbieter in Nordhessen. Sie fürchten allerdings Repressionen der Krankenkassen und wollen sich nicht öffentlich äußern: „Der Kunde zählt nicht mehr, sondern nur der, der es am günstigsten macht“, heißt es. Mit einer Petition wollen sie Ausschreibungen verbieten lassen.

Die DAK verteidigt den Schritt: Nur über diesen Weg erziele man wirtschaftliche Preise und könne gleichbleibend hohe Qualität bieten. Von Göran Gehlen

Rubriklistenbild: © dpa

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