Auf vier Hektar wurden Samen ausgebracht

Neue Blühfläche in Kelze: Viel Platz für die Insekten

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Zwischen Sonnenblumen und Malven: Vertreter von Kreis, Stadt und den beteiligten Verbänden auf der 40 000 Quadratmeter großen Blühfläche oberhalb von Kelze.

Lebensraum für Insekten und für andere seltene Tiere soll eine 40 000 Quadratmeter große Blühfläche bei Kelze bieten. Wir haben die wichtigsten Fragen zum Thema beatwortet.

Blühflächen gibt es viele. Was unterscheidet diese von anderen?

Da gibt es mehrere Aspekte. Zum einen natürlich die Größe. Blühflächen auf vier Hektar Größe (mehr als vier Fußballplätze) gibt es nur selten. Das Projekt soll genutzt werden, um verschiedene Formen von Blühflächen über einen längeren Zeitraum auszuprobieren. 

Dieses Vorhaben soll durch ein Monitoring (systematische Erfassung der Entwicklung/Besiedlung mit Tierarten) begleitet werden. Und schließlich schafft diese Blühfläche durch die Anlage und Pflege Einkünfte für den beteiligten Landwirt.

Was wird dort untersucht?

Es gibt einjährige Blühflächen und es gibt mehrjährige. Für jede gibt es Befürworter und Kritiker. Hier soll geklärt werden, welche Flächen wie von Tieren besiedelt werden. Dieses Wissen soll weitergegeben werden, damit künftige Blühflächen einen möglichst großen Nutzen für unsere Natur haben. Dabei soll aber auch geguckt werden, ob sich Pflanzen auf benachbarte landwirtschaftliche Flächen ausbreiten.

Wer ist an dem Projekt beteiligt?

Vizelandrat Andreas Siebert sieht das Projekt als gelungenes Beispiel für Netzwerk-Arbeit. Stadt und Kreis mit verschiedenen Ämtern, Bauernverband, Imker, Naturpark und schließlich der beauftragte Landwirt Timo Hofmeyer aus Carlsdorf arbeiten hier zusammen.

Was ist der Unterschied zwischen ein- und mehrjährigen Blühflächen?

Einjährige Blühflächen werden häufiger als „angenehmer für das Auge“ empfunden. Mehrjährige sind für die Natur wertvoller, weil Vögel über Winter dort Nahrung (Sämereien) finden und Insekten in den Pflanzen überwintern können. Manche Spaziergänger stören sich aber an dem Anblick dieser Flächen, die nach ihrer Meinung „aufgeräumt“ werden müssten. Hier ist es aus Sicht des Naturschutzes wichtig, für diese Flächen Akzeptanz zu schaffen.

Was macht der Naturpark dabei?

Der Naturpark Reinhardswald hat die Fläche in sein Wanderwege-Konzept integriert. Außerdem wird geprüft, ob Führungen dorthin angeboten werden können, sagte die stellvertretende Naturpark-Geschäftsführerin Sarah Basler.

Wie können sich Spaziergänger vor Ort informieren?

Eine Informationstafel stellt in der Kelzer Gemarkung das Pilotprojekt vor. Mit einem QR-Code kann man mit einem Smartphone dazu aktuelle Informationen abrufen.

Gibt es noch weitere Besonderheiten?

Bei der Einsaat wurden zwischen den einzelnen Feldern Streifen freigehalten. Dort sollen beispielsweise Rebhühner und Hasen Lebensraum finden. Für Lerchen wurden Lerchenfenster angelegt, damit der Vogel des Jahres 2019 dort Platz zum Brüten findet. Außerdem wachsen auf einem der Streifen Pflanzen, deren Bewuchs gemäht und in Biogas-Anlagen verwertet werden kann. Auch hier wird überprüft, ob das ein Projekt mit Zukunft ist.

Was kostet das Kelzer Projekt?

Die Anlage der vier Hektar großen Blühflächen hat einschließlich Saatgut etwa 2000 Euro gekostet. Die Fläche stand bereits als Ausgleichsfläche für Naturschutzzwecke in Hofgeismar zur Verfügung. Das Monitoring (Untersuchung der Flächen) wird für sechs Jahre mit insgesamt 25 000 Euro gefördert.

Was wächst nun auf den Flächen?

Die Blühmischungen wurden gezielt ausgewählt, als Bienenweide, für mehrjährige Flächen und für die Nutzung in Biogasanlagen. Die Mischungen enthalten insgesamt weit über 100 heimische Pflanzenarten, die über möglichst lange Zeit ein buntes Blütenbild auf der Fläche ergeben sollen.

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