Neue Festivals in Hofgeismar: Flop in Hog?

Voller Körpereinsatz reichte nicht: Die Blue Onions beim Kulturfestival in Hofgeismar. Die Besucherzahl blieb weiter hinter Erwartung zurück. Foto: Hoffmann

Hofgeismar. Gleich zwei großangelegte Festivals am Reithagen blieben hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Wir sprachen mit Verantwortlichen über mögliche Ursachen.

Weder Rock in Hog noch das Kulturfestival konnten die erhoffte Besucherzahl anlocken. Bei etwa 2000 Besuchern war jeweils Schluss, das Doppelte hatten sich die Veranstalter gewünscht. Woran liegt das? Eine Spurensuche.

Zu wenig Werbung?

Beide Festivals legten im Verlauf der Veranstaltungen zu. Wussten im Vorfeld einfach zu wenige Hofgeismarer Bescheid? „Zu wenig Werbung kann man uns glaube ich nicht vorwerfen“, sagt Christel Frank vom Kulturforum Hofgeismar. Mit eigener Website, einem Facebook-Auftritt, Anzeigen in den Medien und Plakaten sowie Straßenbannern in Hofgeismar sei das Kulturfestival gut aufgestellt gewesen.

Beim Rockfestival sieht das ähnlich aus: „Wir haben 30 000 Euro für Werbung ausgegeben“, sagt Michael Schüler vom Verein Arbeitsgemeinschaft Rock in Hog.

Zu teuer?

32 Euro für das Tagesticket beim Rockfestival, das war vielen Hofgeismarern wohl zu viel. Wäre weniger hier mehr gewesen? „Allein unsere Hauptakts wie die Donots und Rantanplan nehmen für ihre Konzerte ähnlich viel“, macht Schüler klar. Ein Ticket für ein Donots-Konzert gibt es ab 22 Euro. Niedrigere Ticketspreise und dafür mehr Besucher sei eine Milchmädchenrechnung, die nicht aufgehe. Verluste will Schüler nicht beziffern, sagt aber: „Wir sind nicht sauber aus der Sache rausgekommen“. Die Gesamtkosten lägen bei 120 000 Euro.

Anders die Lage beim Kulturfestival: Zwei der drei Veranstaltungstage waren kostenlos, nur für die hochgelobten Blue Onions am Samstag zahlten die etwa 200 Besucher 20 Euro. Das macht 4000 Euro an Eintrittsgeld, weitere 4000 Euro gibt es über Fördergelder des Landes, die Stadt Hofgeismar ist ebenfalls beteiligt, die genaue Summe steht noch nicht fest. Die Kosten für das Kulturfestival: Etwa 27 000 Euro, schätzt Christel Frank.

Zu wenig fürs Publikum?

Das ewige Dilemma beim Planen einer solchen Veranstaltung: Wer wird bedient, und wie oft? Das Kulturfestival stellte sich breit auf, bot Rock, eine Trommlergruppe und die Musik der Blues Brothers. „Viele Leute kennen und mögen diese Musik, wissen aber gar nicht, dass sie von den Blues Brothers ist“, sagt Michael Störmer vom Kulturforum. Damit blieb der Auftritt der tollen Tribute-Band schwach besucht. „Vielleicht fehlte dann doch das einheitliche Gesicht“, sagt Christel Frank. Themenabende seien sicher ein Alternativkonzept.

Die gab es bei Rock in Hog. Der Freitag sei eher punkrockig, der Samstag für den Mainstream vorgesehen gewesen, heißt es vom Verein. „Bei großen Festivals wird oft radikal gemischt“, betont Schüler. Die Erfahrung sei: Nur mit regionalen Gruppen und Coverbands blieben die Besucher weg. 47 Prozent der Ticketkäufer seien nicht aus Hofgeismar, sondern der ganzen Bundesrepublik gekommen. „Wir haben die Leute im Kreis leider nicht erreicht“.

Zu wenig Hofgeismar?

Der Hessentag hat große Fußstapfen hinterlassen. Aber er hat auch gezeigt, dass Hofgeismar als erfolgreicher Veranstaltungsort funktionieren kann. „Es dauert einfach, bis Großveranstaltungen gut laufen“, sagt Wilfried Eckart vom Hofgeismarer Heimat- und Verkehrsverein. Bürgermeister Markus Mannsbarth zieht einen Vergleich mit dem Open Flair: Auch das Festival in Eschwege habe es anfangs nicht leicht gehabt. Beide Hofgeismarer Festivals seien in ihrer Form Neulinge im Kreisgebiet. „Die Leute aus Kassel bekommen wir sowieso nur schwer“, sagt Michael Störmer. Hofgeismar erfülle alle Gegebenheiten, findet auch Michael Schüler - man sei eben etwas „enttäuscht über die Trägheit“. (cig/rax)

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