Krankenhaus Gesundbrunnen geht auf spezielle Bedürfnisse ein

Neue Station für leicht demente Patienten

Hofgeismar. Noch sind nicht alle Kabel verlegt, aber man erkennt bereits: Die neue Station im evangelischen Krankenhaus Gesundbrunnen ist anders.

Auf einer Wand im Flur ist die Sababurg zu sehen, im Aufenthaltsraum wurden alte Küchengeräte auf die Wände gemalt - man kann sogar Abbildungen von Zucker oder Mehl in die Hand nehmen. Die neue Memorystation, so der vorläufige Name, soll zwölf Patienten Platz bieten, die neben körperlichen Beschwerden außerdem leichte Demenz aufweisen.

Agnes Hartmann, Geschäftsführerin des Krankenhauses am Gesundbrunnen

Dr. Eckehard Flotho, Chefarzt der Neurologie, erläutert das Problem: Wenn ältere Menschen mit einem Beinbruch eingeliefert werden, wurde früher vorrangig das Bein behandelt. Für ältere Menschen die an leichter Demenz leiden, sei aber schon der eigentliche Krankenhausaufenthalt gefährlich. Dr. Manfred Wappler, Chefarzt der Geriatrie (Altersmedizin), spricht sogar von „hochgefährlich“, weil der veränderte Tagesablauf im Krankenhaus und die ungewohnte Umgebung die Patienten noch zusätzlich beunruhige. Mit Patienten, die durch Demenz bereits verwirrt sind, müsse man anders sprechen und umgehen, um sie nicht noch weiter zu verunsichern, sagt der Arzt. Flotho ergänzt: „Es geht um Empathie. Wir müssen den Patienten in der Welt abholen, in der er sich befindet.“

Das funktioniere eben auch über neue Licht- und Farbkonzepte, erklärt Agnes Hartmann, Geschäftsführerin des Krankenhauses. Keine nackten, weißen Wände, kein kaltes Neonlicht. Stattdessen dominieren warme Beige- und Brauntöne in den Fluren und Zimmern - Patienten soll es an Zuhause erinnern und auf diese Weise beruhigen.

Wappler erklärt: „Ein normales Krankenhaus ist eher demenzunfreundlich. Wir wollen Räume schaffen, in denen sich die Patienten wohl fühlen.“ Der Bedarf für die besondere Memorystation ist gegeben - da sind sich beide Chefärzte sicher. Laut Statistiken leiden fast die Hälfte der Menschen ab 90 Jahren unter Demenz.

Schätzungen gehen davon aus, dass in fünf Jahren jeder fünfte Patient im Krankenhaus auch Demenz mindestens als Begleiterkrankung haben wird. „Das sind Menschen, die ihren Alltag noch bewerkstelligen können, aber im Krankenhaus anders behandelt und begleitet werden müssen“, so Flotho.

Dafür wird auf der Memorystation speziell geschultes Personal arbeiten - zwei Pfleger haben die Fortbildung zum „Demenzcoach“ schon absolviert. „Wir stellen auch noch weiteres Personal ein“, sagt Hartmann.

Heute wird die Station eingeweiht, dann sollen nach und nach die Zimmer belegt werden, erklärt die Geschäftsführerin.

Zu den Umbaukosten macht das Krankenhaus keine Angaben.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Gehlen

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