Fast 80 Stunden Vollsperrung über Pfingsten

Neue Technik wird erstmals angewendet: Eisenbahn-Brücke wird verschoben

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Gleitschienen: Zuerst wurden die Betonbahnen angelegt, auf denen später die ganze Brücke verschoben wird.

Hümme. Eine im Kreisteil Hofgeismar bislang neue Technik wird über Pfingsten erstmals bei einer Bahnbaustelle unterhalb des Schönebergs angewendet: eine Brückenverschiebung.

Die 1848 erbaute Eisenbahnrücke besteht aus Natursteinwiderlager und einem Beton- und Sandsteingewölbe. Sie dient der Unterführung eines Feldweges von der alten Hümmer Landstraße in Richtung Schöneberg, die von Personen und kleinen landwirtschaftlichen Geräten benutzt werden kann. Die Unterführung unter der zweigleisigen Strecke ist nach Auskunft der Bahn-Pressestelle in Frankfurt inzwischen baufällig und muss ersetzt werden. 

Bald fertig: In dieser Woche wurde noch an der Bewehrung der neuen Brücke (hinten) gearbeitet, in Kürze wird sie betoniert. Hier stehen mehrere Beobachter in der alten Unterführung, an deren Stelle die neue in etwa vier Wochen verschoben wird. 

Deshalb wird der Bahnverkehr zwischen Hofgeismar-Hümme und Hofgeismar über Pfingsten fast 80 Stunden gesperrt. Ob es einen Schienenersatzverkehr geben wird, konnte die Bahn noch nicht sagen.

Das neue Brückenbauwerk ersetzt das alte in Lage und Höhe. Eine größere Durchfahrtshöhe ist wegen des unmittelbar auf dem Bauwerk liegenden Gleisoberbaus sowie der Anschlusshöhen der Feldwege nicht vorgesehen. Es wäre ohnehin nur bedingt möglich, weil sonst der Weg abgesenkt und eine zusätzliche Entwässerung gebaut werden müsste.

So groß wie bisher

Der Neubau wird nun aus Stahlbeton errichtet und ist mit einer lichten Weite von drei Metern und einer Höhe von 2,60 Meter nur wenige Zentimeter breiter als das bisherige Bauwerk. Die Widerlagerflügel befinden sich parallel zu den Gleisen.

Die Brücke aus einem Betonrahmen wird einschließlich der Flügel und der Kappen derzeit auf einer separaten Fläche wenige Meter östlich der Gleise hergestellt.

Verschubbahn gebaut

Wassereinbruch: Das alte Mauerwerk ist beschädigt.

Das Bauwerk steht auf einer Verschubbahn und soll über Pfingsten innerhalb einer etwa 78-stündigen Totalsperrung nach dem Abbruch der alten Brücke eingeschoben und hinterfüllt werden. Der Gleisoberbau wird in dieser Totalsperrung ebenfalls wieder hergestellt. „Wir gehen davon aus, dass die Zeit reicht. Da sind alles Fachleute am Werk, die das schon oft gemacht haben“, meint einer der Bauingenieure zu dem auf die Minute genau getakteten Vorhaben. Schließlich muss eine rund 20 Meter lange Bresche in den Bahndamm gebaggert und dann wieder verschlossen werden.

Der Feldweg wird künftig unter der Brücke sowie im Zugangsbereich durchgehend gepflastert. Das Pflaster wird in Längsrichtung geneigt hergestellt, so dass von Westen kommend kein Wasser vom Feld in die Unterführung fließt, unter der Brücke und östlich davon wird das Pflaster nach Osten geneigt. Insgesamt will die Bahn in den Abriss und Neubau bei Hofgeismar etwa 700.000 Euro investieren.

Hintergrund: Das muss während der Vollsperrung passieren

Die Totalsperrung ist geplant vom Freitag, 2. Juni, ab 22.30 Uhr bis Dienstag, 6. Juni, um 4.30 Uhr. In dieser Zeit müssen erfolgen: Der Rückbau von Gleisbett, Technik und Bahndamm, der Abriss der alten Brücke und der Bodenaushub, ein Bodenaustausch und der Bau der Verschubbahn im Bereich des Damms, der Einschub des 500 Tonnen schweren Betonbauwerks, die Hinterfüllung der Widerlager und der Wiederaufbau des Bahndamms, der Aufbau des Oberbaus, der Einbau eines neuen Kabelkanals und die Verlegung der Streckenkabel, das Zurückschwenken der Oberleitung und die Korrektur der Fahrdrahtlage sowie die Wiederinbetriebnahme des Abschnitts. 

Nach der Totalsperrung erfolgen noch eine Oberbodenandeckung und eine Anspritzbegrünung im Dammbereiche, die Wiederherstellung der für die Baustelle genutzten Grundstücke und Wege und Stopfarbeiten im Gleisoberbau.

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