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Mohren-Apotheke in Hofgeismar bekommt einen neuen Namen

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Von: Daria Neu

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Aus der Mohren-Apotheke in Hofgeismar soll die Apotheke mit Herz werden: Inhaberin Cordula Stark will sich gegen Rassismus einsetzen.
Aus der Mohren-Apotheke in Hofgeismar soll die Apotheke mit Herz werden: Inhaberin Cordula Stark will sich gegen Rassismus einsetzen. © Tanja Temme

Cordula Stark will ihre Mohren-Apotheke in Hofgeismar umbenennen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Damit ist sie Vorreiterin in der Region.

Hofgeismar – Wenn die Hofgeismarer künftig die Elisabethstraße entlang spazieren, wird sich etwas Wegweisendes verändert haben. Auf den ersten Blick ist es ein kleines Wort. Dahinter steckt jedoch ein großes Statement.

Die Vorgeschichte

Erst vor drei Jahren übernahm Stark die Hofgeismarer Apotheke, die es bereits seit den 50er-Jahren in der Dornröschenstadt gibt. Seither sei sie immer wieder von verschiedenen Seiten mit der Problematik des Namens konfrontiert worden. „Ich habe Emails von Menschen bekommen, die ich gar nicht kenne“, sagt Stark. Es seien weniger die Hofgeismarer selbst gewesen, die Kritik geäußert hätten.

Durchaus seien die Gespräche vielfach wertschätzend abgelaufen. „Auch innerhalb des Teams haben wir uns stets beraten.“ Damals hätten sich aber die meisten gegen eine Veränderung ausgesprochen. Der Grund: Man berief sich auf die Ehrung afrikanischer Medizin und des Heiligen Mauritius – das M-Wort sei schließlich in diesem Fall nicht als Diskriminierung zu verstehen.

In Kassel kochte die Debatte bereits im vergangenen Jahr hoch, nachdem die Stadtverordnetenversammlung die Ächtung sowohl des N-Wortes als auch – als erste deutsche Stadt – die des M-Wortes beschlossen hatte. Thomas und Ruth Hunstock (Initiative „Side by Side“), die heute auch Stark in ihrer Entscheidung unterstützen, hatten sich seinerzeit für die Umbenennung der Mohren-Apotheke in Kassel engagiert – allerdings ohne Erfolg.

Die Entscheidung

Vor allem der Besuch einer Aktivistin aus Hofgeismar habe Stark, die sich selbst bereits regelmäßig ernsthaft mit einer Umbenennung beschäftigt hatte, vor einiger Zeit schlussendlich überzeugt. „Sie hat mich ganz höflich darauf hingewiesen, dass sie das Wort als Betroffene für ein Problem hält und sich davon verletzt fühlt.“ Für Stark sei dies Wendepunkt gewesen. „Ich konnte den Namen für mich einfach nicht mehr rechtfertigen.“ Ohnehin gebe es keine validen Untersuchungen dazu, ob die Ehrung der afrikanischen Medizin tatsächlich mit dem M-Wort zusammenhänge.

Auch der Apothekerin sei bewusst, dass die Debatte um das M-Wort nicht nur Befürworter habe. „Viele stellen sich die Frage: Gibt es nicht wichtigere Themen, mit denen wir uns derzeit beschäftigen müssen?“ Gerade weil sie im medizinischen Bereich tätig ist, wisse Stark durch die vergangene Coronazeit ganz genau, wie es sich anfühlt, am Limit zu arbeiten.

„Ich habe aber eine ganz klare Antwort auf diese Frage gefunden“, sagt sie. „Viele gesellschaftliche Probleme kann ich persönlich nicht lösen.“ Selbstverständlich gebe es Themen, die mindestens genauso wichtig seien. „Doch genau hier an diesem Punkt kann ich aktiv etwas verändern“, sagt Stark. Und diese Chance wolle sie nutzen. Sie könne dafür sorgen, dass sie Menschen durch den Namen ihrer Apotheke nicht mehr verletzt fühlen. Das sei Grund genug für ihre Entscheidung.

Der Plan

Der neue Name der Apotheke steht schon jetzt fest: „Aus der Mohren-Apotheke soll die Apotheke mit Herz werden“, erklärt Stark. Das klinge anders als ein typischer Apothekenname, bringe aber die richtige Botschaft rüber. Das sei Stark wichtig gewesen.

Die offizielle Verkündung des neuen Namens soll am Freitag, 20. Mai, ab 19 Uhr im ruru-Haus in Kassel stattfinden. Untermauert wird das Ganze durch einen Vortrag von Prof. Dr. Susan Arndt. Die Sprachwissenschaftlerin will den Zusammenhang zwischen Kolonialgeschichte und Rassismus erläutern und für viele Begriffe klar machen, welche rassistischen Bedeutungen in ihnen enthalten sind und warum sie nicht mehr zu verwenden sind.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Initiative „Side by Side“ und der Stadt Kassel. Unter chancengleichheit@kassel.de oder unter Tel. 0561/ 7 87 70 69 kann sich jeder, der Interesse hat, anmelden. Wer online teilnehmen möchte, kann sich per Mail auch einen Link zuschicken lassen. Der Vortrag wird aufgezeichnet und als Live-Stream zur Verfügung stehen. (Daria Neu)

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