Schwarzarbeit ist keine Seltenheit

Neues Taxameter gegen Tricks der Taxibranche

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Schon aktuell ausgestattet ist Matthias Tschernich aus Hofgeismar. Er hat in seinen zwölf Taxen so moderne Taxameter, dass diese sich leicht umrüsten lassen. Allerdings kommen bei der Anschaffung von Neuwagen dann erhebliche Mehrkosten auf den Jungunternehmer zu.

Hofgeismar/Immenhausen. Schwarzarbeit ist in der Taxibranche nicht selten. In die eigene Tasche zu wirtschaften soll vom kommenden Jahr an für die Taxler erschwert werden.

Dann soll ein sogenanntes Fiskaltaxameter Abhilfe schaffen.

„Ob es tatsächlich Anfang Januar 2017 soweit sein wird bezweifle ich, denn schon vergangenes Jahr sollte das neue Taxameter kommen“, sagt Matthias Tschernich vom gleichnamigen Taxiunternehmen in Hofgeismar. Dass es viele in seiner Branche gebe, die Taxameter manipulierten, sei kein Geheimnis. Allzu erfinderisch muss man dafür nicht mal sein, allein über die Reifengröße könne man schon einiges bewirken. „Jede Umdrehung der Reifen gibt ein Signal an das Gerät - wechsele ich nach dem Besuch beim Eichamt die Reifen, so habe ich eine andere Taktung“, gibt Tschernich bekannte Tricks aus dem Gewerbe weiter.

Auch wenn dies mit dem geplanten Fiskaltaxameter unmöglich sein wird, da dieses mit dem Tacho gekoppelt ist, so ist sich der 32-jährige Unternehmer sicher, „dass auch das künftige System beeinflusst werden kann - echte Freaks finden da schon einen Weg die Software zu knacken.“

Außerdem sei es gängige Praxis im Taxigewerbe für Langstrecken Pauschalpreise mit den Kunden zu vereinbaren, wobei das Taxameter ausgeschaltet bleibt, Fahrten somit nicht nachvollzogen werden können. Diese Lücke zum Tricksen bleibt also nach wie vor.

Während die neuen Geräte dem Finanzamt mehr Einnahmen bescheren sollen, werden die Taxiunternehmer erstmal tief in die Tasche greifen müssen: „Sobald es eingeführt ist, muss ich für jeden Neuwagen rund 1000 Euro mehr rechnen“, erklärt Tschernich. Da er seine Taxen alle vier Jahre wechselt, werde das nach und nach auf ihn zukommen. Alle übrigen Pkw sind bei ihm schon jetzt mit so modernen Taxametern ausgestattet, dass sie nur noch mit einer Smartcard, die wie eine Simkarte für ein Mobiltelefon aussieht, ausgestattet werden müssen. Und natürlich ist eine spezielle Software, die dem Finanzamt erlaubt auf die gespeicherten Daten zurückzugreifen, ein Muss für das neue Kontrollsystem.

Skeptisch gegenüber der geplanten Neuerung zeigt sich auch Vladimir Kunizev, der in Immenhausen ein kleines Familienunternehmen mit Taxen betreibt. „Natürlich ist die Neuerung eine weitere finanzielle Belastung für uns - wie viel genau, kann man noch gar nicht sagen.“ Bisher seien sie über das Thema wenig informiert worden, für viele Berufskollegen gebe es noch reichlich offene Fragen. Tatsächlich hatten Taxiunternehmer aus Grebenstein und Calden Probleme etwas zu der Neuerung zu sagen, denn was sie erwarte wüssten sie nicht genau, hieß es da. Das Fiskaltaxameter sei zwar beschlossen, doch es gebe schließlich nicht mal eine Gesetzesvorlage bisher dafür.

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