Niedrige Milch- und Schweinepreise: Landwirte beantragen Nothilfe

Auch die Schweinepreise sind im Keller: Helmut Grandjot aus Schöneberg bekommt nur noch 50 Euro für ein Ferkel. Foto: Temme

Kreisteil Hofgeismar. Die Lage der Bauern ist zurzeit prekär. Durch niedrige Preise beklagen viele Landwirte, dass sie ums Überleben kämpfen müssen.

Die Europäische Union hat deshalb eine Nothilfe bereitgestellt. Laut Agrarminister Christian Schmidt (CSU) haben 7800 Betriebe in Deutschland diese Hilfen in Anspruch genommen. Auch viele Bauern aus dem Kreisteil Hofgeismar haben den entsprechenden Antrag gestellt, so Stefan Strube vom Regionalbauernverband Kurhessen.

Er und seine Kollegen haben bei rund 25 Anträgen geholfen, vor allem von Milchbauern. Gerade die Milcherzeuger klagen seit längerer Zeit über die immer weiter sinkenden Preise. Zurzeit bekommen sie für einen Liter Milch etwa 28 Cent, sie fordern mindestens 40 Cent. Grund für den niedrigen Preis soll vor allem der russische Einfuhrstopp von Milchprodukten sein. Das Embargo ist eine Reaktion auf die Sanktionen westlicher Staaten wegen des Ukraine-Konflikts.

„Die Landwirte befinden sich derzeit in einer katastrophalen Situation. Nicht nur den Milcherzeugern, auch den fleischproduzierenden Betrieben geht es nicht gut. Die Stimmung unter den Landwirten in der Region ist mehr als angespannt“, sagt Strube. Für die Nothilfe der EU sei der Bauernverband jetzt zwar sehr dankbar. Mit Blick auf alle Betriebe in Deutschland sei das Volumen von 69 Millionen Euro aber „verschwindend gering“. Allein aus Hessen sollen laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 190 Anträge eingegangen sein.

Zudem sieht der Regionalbauernverband in der Nothilfe keine wirkliche Lösung des eigentlichen Problems, sie sei nur ein weiterer Aufschub. „Die Politik muss unbedingt etwas gegen die sinkenden Preise tun“, sagt Strube. Bisher sei aber keine Besserung in Sicht. „Die Fachleute sind eher verhalten mit ihrer Prognose.“

Hintergrund: 

Die EU hat Mittel bereit gestellt, mit denen die Liquidität der Landwirte in schwieriger wirtschaftlicher Lage gesichert werden soll. Die konkrete Verteilung liegt in Händen der Mitgliedsstaaten. In Deutschland stehen insgesamt 69 Millionen Euro zur Verfügung für die Betriebe, die einen Antrag gestellt haben. Sie bekommen eine Beihilfe in Höhe von zehn Prozent zu einem laufenden Kredit - maximal gibt es 10.000 Euro.

Damit der Antrag bewilligt wird, müssen die Landwirte nachweisen, dass es einen Preisrückgang von mindestens 19 Prozent je Kilogramm Milch, beziehungsweise je Tier gab. Der Kredit muss eine Laufzeit von 42 bis 72 Monaten haben.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.