Trecker-Konvoi aus Region rollt Richtung Großdemo

Bio-Landwirte aus Nordhessen fahren nach Berlin

Bevor sie sich auf den Weg nach Berlin machten, kehrten einige der Demo-Teilnehmer aus der Region im Kasseler Bio-Restaurant Weißenstein ein. Dort überreichten Chefkoch René Müller (links) und die Inhaber Stefan Itter (3. von links) und Martina Krizek (5. von links) Marschverpflegung an Dana Preiß-Tamm, Domäne Frankenhausen, Andreas Grede, Sprecher Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen, und Biobauer Bernhard Wicke aus Körle. 
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Bevor sie sich auf den Weg nach Berlin machten, kehrten einige der Demo-Teilnehmer aus der Region im Kasseler Bio-Restaurant Weißenstein ein. Dort überreichten Chefkoch René Müller (links) und die Inhaber Stefan Itter (3. von links) und Martina Krizek (5. von links) Marschverpflegung an Dana Preiß-Tamm, Domäne Frankenhausen, Andreas Grede, Sprecher Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen, und Biobauer Bernhard Wicke aus Körle. 

Landwirte aus Nordhessen kritisieren die Agrarpolitik. Biobauern und konventionell arbeitende Landwirte unterschiedliche Sichtweisen.

Trecker-Demos von Landwirten sind fast schon zu einem gewohnten Bild in den größeren Städten geworden. Aufgerufen dazu hatte jeweils die Initiative „Land schafft Verbindung“. 

Die konventionell wirtschaftenden Betriebe stemmen sich gegen ihrer Meinung nach zu strenge Vorgaben, wie sie die Politik in puncto Düngeverordnung, Grundwasserschutz, Pestizideinsatz und Tierwohl derzeit plant.).

Bauern sehen Industrieinteressen an vorderster Front 

Nicht weit genug gehen den Biobauern indes die politischen Vorgaben. Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe sehen in der Agrarpolitik von EU und Bundesregierung vor allem die Interessen der Agrarindustrie berücksichtigt. 

Um gegen die aus Sicht der Ökobranche umwelt- und Klima-schädigende Agrarwirtschaft zu protestieren, wollen sie heute in Berlin bei der Großdemo „Wir haben es satt“ teilnehmen. Die Demo bildet nun schon zum zehnten Mal den Auftakt zur Grünen Woche, der weltgrößten Messe der Lebensmittel- und Agrarbranche. Mit dabei sind auch diesmal wieder Biobauern aus der Region.

Auch Verbraucher in der Verantwortung

Am frühen Freitagmorgen setzte sich ein Konvoi mit 13 Treckern in Richtung Hauptstadt in Bewegung. Start war wie schon in den vergangenen Jahren die Staatsdomäne Frankenhausen, dem Öko-Landbaubetrieb der Uni Kassel. 

2020 stünden wichtige Entscheidungen für Landwirtschaft und Klima an. Bei der anstehenden EU-Agrarreform entscheide sich, ob mit den Milliarden-Subventionen die Wende zu einer bäuerlich ökologischen Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung und bienen- und insektenfreundlichem Ackerbau geschafft werden kann, heißt es im Demo-Aufruf des Aktionsbündnisses aus Landwirten, Verbraucherschutz- und Umweltverbänden.

Nicht nur der Staat trägt Verantwortung

René Müller, Biobauer aus Kirchberg und Mitbegründer des ersten Kasseler Bio-Restaurants Weißenstein, sieht auch die Verbraucher in der Verantwortung. „Denn sie treffen jeden Tag die Entscheidung, welche Lebensmittel sie kaufen.“ 

Noch spiele zu oft der billige Preis die Hauptrolle beim Einkauf. „Die Kehrseite dabei ist aber, dass billig zu produzieren nur geht, wenn die Standards herabgesetzt werden und damit nachhaltige Produktion nicht mehr möglich ist.“

Enkeltaugliche Landwirtschaft

Christian Heinemann ist Lehrer an der Fachoberschule für Agrarwirtschaft an der Willy-Brandt-Schule in Kassel. Er nimmt an der Demo in Berlin teil, weil eine bäuerlich geprägte Landwirtschaft im Interesse auch seiner Schüler sei. „Wenn die jungen Leute sich fragen, was sie selber wollen, dann sind sie ganz nahe an ökologischen Themen dran“, sagt Heinemann. Praktiker der Öko- Landwirtschaft sind Bernhard Wicke aus Körle und Günter Rüddenklau aus Westuffeln. 

Wicke seit Jahrzehnten, Rüddenklau erst seit einigen Jahren. Beiden gemeinsam ist die Erkenntnis, dass eine nachhaltige sowie Boden, Grundwasser und Klima schonende Landwirtschaft unterm Strich auf lange Sicht auch die wirtschaftlich günstigere und deshalb auch „Enkeltaugliche Landwirtschaft ist.“

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