Debatte um Bärte bei der Feuerwehr

Nur glatt rasiert in den Einsatz

+
Glatt rasiert mit Atemschutzmaske: Michael Gerland

Hofgeismar. Der Vollbart ist wieder in – als so genannter Hipsterbart schätzen vor allem junge Männer den Bewuchs im Gesicht. Doch für Feuerwehrleute mit Atemschutzmaske ist diese Mode tabu, auch in Hofgeismar.

Denn der Bart kann im Einsatz gefährlich sein, selbst wenn neue Technik das Risiko senkt.

Es war die Feuerwehr in Bad Hersfeld, die diese Woche für Aufsehen sorgte. Dort waren kürzlich vier Feuerwehrleute mit Atemschutz ausgefallen, weil der Bart die Masken undicht machte. Auch in Hofgeismar sei das Tragen von Bärten immer mal wieder Thema, sagt Stadtbrandinspektor Guido Scherp: Er habe einem jungen Kameraden erst kürzlich nahelegen müssen, sich von seinem Bart zu trennen. Das Problem sei nicht immer klar: „Oft wird nicht so weit gedacht.“

Dabei ist die Feuerwehrdienstvorschrift eindeutig: „Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet.“ Außerdem gebe es in Hessen seit 1976 einen Barterlass, der bis heute gültig sei, sagt Scherps Stellvertreter Michael Gerland.

Der Grund: Die Maske muss an den Kontaktstellen direkt auf der Haut aufliegen. Für undichte Stellen reiche schon ein Drei-Tage-Bart. Früher war die Gefahr noch größer: Masken mit Normaldruck machen es erforderlich, den Sauerstoff aus der Flasche anzusaugen. Bei undichten Stellen kann der Brandschützer giftige Gase von außen ansaugen. Heute sei aber Überdruck-Technik verbreitet. Der Sauerstoff wird in die Maske gedrückt. Ist die nicht dicht, entweicht der Sauerstoff. Die Einsatzzeit des Atemschutzes verringert sich also.

Zwar gilt grundsätzlich eine Eigenverantwortlichkeit des Feuerwehrmanns. Doch ein verantwortungsvoller Einsatz- oder Gruppenleiter schicke seine Männer nicht mit Bart und Atemschutz an die Brandstelle. Wenn ein Unglück geschehe, hafte er auch.

Ganz auf Gesichtsbewuchs müssen Feuerwehrleute mit Atemschutz nicht verzichten: Schnauzer und Kinnbart sind nämlich erlaubt – weil sie an unkritischen Stellen sitzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.