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Hamsterkäufe in Supermärkten: Öl und Mehl sind knapp

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Von: Thomas Thiele, Amir Selim, Bernd Schünemann

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Ein Regal mit Weizenmehlpackungen ist im Supermarkt weitgehend leergeräumt. Vorne steht ein Schild, dass nur zwei Packungen pro Haushalt abgegeben werden.
Muss zugeteilt werden: Bei Mehl herrscht derzeit eine erhöhte Nachfrage. In diesem Hofgeismarer Geschäft wurde die Abgabe vorübergehend auf zwei Packungen pro Haushalt reduziert. © Thomas Thiele

Der Ukraine-Krieg macht sich auch in den Lebensmittelläden im Kreisteil Hofgeismar bemerkbar – es fehlen Waren.

Kreisteil Hofgeismar – Viele Kunden stehen derzeit vor fast leeren Supermarktregalen. Neben Toilettenpapier und Getreideprodukten ist Speiseöl derzeit besonders häufig ausverkauft. Einige Läden im Kreisteil Hofgeismar (Kassel) haben bereits begonnen, die Abgaben an die Kunden zu rationieren. „Nur zwei Packungen Mehl pro Haushalt“ ist da beispielsweise zu lesen – ähnlich wie zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Einer der Hauptgründe für die leeren Supermarktregale ist der Ukraine-Krieg: Diese ist eine der Kornkammern Europas. Wichtige Exporte sind Mais, Raps, Sonnenblumen und Weizen.

Auch bei Rewe Ehlert in Grebenstein spürt man die Auswirkungen. Betroffen seien Weizenmehl, Sonnenblumen- und Rapsöl, sagt Inhaber Michael Ehlert. Die Kunden kaufen davon mehr ein, als derzeit geliefert wird. „Das ist eine ähnliche Situation wie bei Beginn Corona-Pandemie“, erklärt Ehlert.

Zu Wochenbeginn kommen Lieferungen an. Je nachdem wie viel Ware da sei, werden laut Ehlert Mengenbegrenzungen bei gewissen Produkten eingeführt: „Viele Kunden Fragen schon, wie viel sie mitnehmen dürfen.“ Das Verständnis sei durch die Erfahrungen während der Pandemie da. Trotzdem gebe es Menschen, die unvernünftig und egoistisch sind und mehr als nötig einkaufen.

Ukraine-Krieg: Öl und Lebensmittel immer knapper, egoistische Hamsterkäufe

Solche Erfahrungen macht auch Thomas Fiume-Otto, Betreiber des Frische-Marktes in Immenhausen. „Kein Mehl, kein Öl“, fasst er die Situation knapp zusammen. Deswegen musste die Abgabe in seinem Geschäft auf zwei Packungen begrenzt werden. Noch sei das einfache Weizenmehl betroffen. Fiume-Otto geht aber davon aus, dass bald auch andere Mehlsorten fehlten. Er erwarte zwar Lieferungen der fehlenden Waren – ob aber die Produkte tatsächlich ankommen, sehe er erst, wenn der Lastwagen entladen werde. Kopfschüttelnd guckt der Kaufmann auf die Situation: Wenn dazu aufgerufen werde, Hamsterkäufe zu unterlassen, werde genau das Gegenteil erreicht.

Ähnlich sieht es im Edeka Super 2000 in Hofgeismar aus. Mehl und Öl sind sehr gefragt. Vorige Woche musste auch Milch zugeteilt werden, das hat sich aber normalisiert. Auch Toilettenpapier sei wieder gefragt wie vor zwei Jahren, doch nicht so knapp. Vor einigen Tagen waren auch Hygieneartikel stark gefragt. Das war aber auch durch die Großeinkäufe örtlicher Helfer für die Hilfstransporte an die ungarisch-ukrainische Grenze verursacht und hat sich wieder beruhigt.

Ein Regal mit Toilettenpapier in einem Supermarkt in Hofgeismar ist nur noch zum Teil gefüllt.
Wieder gefragt: Toilettenpapier muss ständig nachgefüllt werden. © Thomas Thiele

Ukraine und Russland – Die Kriegsländer sind Öl-Exporteure

Sonnenblumenöl fehlt auch im Rewe-Markt von Uwe Krüper in Veckerhagen. Bei Mehl gebe es nun auch „leichte Schwierigkeiten“, sagt der Kaufmann. Krüper kann nicht sagen, wann sich die Lage ändere. Die Ukraine (27 Prozent) und Russland (51 Prozent) sind weltweit die wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl. Deutschland deckt seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu 94 Prozent über Importe. Der Verband der Ölsaaten verarbeitenden Industrie OVID rechnet mit Einschränkungen bei der Lieferung von Sonnenblumenöl, Lein und Soja aus der Konfliktregion: „Sollte es kurzfristig zu Engpässen bei einzelnen Rohstoffen kommen, sind diese nur sehr schwer zu ersetzen.“ (Thomas Thiele/Bernd Schünemann/Amir Selim)

Öl ist aktuell auch bei Kaufland, Lidl und Aldi knapp, wo Kunden am Öl-Regal große Augen machen. Berichten der „Lebensmittel Zeitung“ zufolge musste der Discounter-Riese Aldi Süd sogar bereits eingreifen und die Abgabe der Öl-Eigenmarke „Bellasan“ auf vier Flaschen pro Kunde begrenzen. 

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