Tradition beruht auf alter Sage

Osterbrauch: Kinder bekamen 2200 Stutewecken

Fleißig: SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Nissen (rechts) und Stadträtin Barbara Karger verteilten mit vielen anderen Helfern die Stutewecken an die Kinder in der Altstädter Kirche in Hofgeismar. Foto: Hartung

Hofgeismar. Wenn an einem Mittwochmorgen um 10 Uhr die Altstädter Kirche in Hofgeismar bis zum letzten Platz gefüllt ist, dann steckt dahinter eine ganz alte Tradition.

2200 Stutewecken wurden an die Grundschüler und Kindergartenkinder aus Hofgeismar verteilt. Die Jüngsten waren zuvor in einem Umzug von der Würfelturmschule zur Kirche gewandert, um sich ein frisches Stutewecken abzuholen. Bevor die aber verteilt wurden, erzählte Pfarrerin Kristina Bretschneider die Stutewecken-Sage, eine traurige Geschichte, die sich im Jahr 1428 zugetragen haben soll. Nachdem eine Rittersdame bereits ihren Mann im Krieg verloren hatte, verschwand eines Tages auch ihr Sohn spurlos. Bei der Suche halfen die Schulkinder aus Hofgeismar und fanden den Jungen tot im Burgbrunnen bei Schöneberg.

Als Dank für die Hilfe bei der Suche verspricht die Rittersdame, die Kinder jedes Jahr vor Ostern mit Stutewecken zu beschenken. Die Tradition hält sich bis heute. Jeden Mittwoch vor Ostern können sich die Kinder die Wecken abholen. „Ich war jetzt schon zweimal mit dabei“, erzählte der neunjährige Johannes, der mit seinen beiden Brüdern und seiner Oma in die Kirche gekommen war. „Die Stutewecken essen wir dann alle zusammen“, sagte der Schüler.

Stadtrat Georg Conrad half unter anderem mit Bürgermeister Markus Mannsbarth beim Verteilen der Brötchen. „Als ich sechs Jahre alt war, wurde diese Geschichte schon genauso erzählt“, sagt Conrad. Aber der Tag habe da eine ganz andere Bedeutung gehabt. „Das war in der den 1950er Jahren, das Essen war sehr knapp. Der Tag war etwas ganz Besonderes, denn wir wurden endlich mal richtig satt.“

Obwohl einige Kinder Tüten mitgebracht hatten, um möglichst viele Brötchen mitzunehmen, blieben einige Stutewecken übrig. Die brachten die Helfer zur Hofgeismarer Tafel.

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