Missbrauch von persönlichen Daten möglich

Gefahren für den gläsernen Patienten

Die elektronische Gesundheitskarte
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Gespeicherte Daten: Die elektronische Gesundheitskarte soll als sicherer Speicher nicht nur das Stammdatenblatt der Patienten beinhalten, sondern auch dessen gesamte Krankenhistorie. IT-Experten warnen jedoch vor Sicherheitslücken und dem Missbrauch der Daten.

Fitness-APP, Banking-APP, Wetter-APP, Reise-APP – mehr und mehr nutzen wir die elektronischen Möglichkeiten, die sich uns bieten. Sie sind ja auch so bequem. Warum sollte man sich dann nicht auch auf die elektronische Gesundheitskarte freuen. Schließlich ist sie doch ein Segen für das ganze Gesundheitssystem und den Patienten sowieso. Oder etwa nicht?

Als zu Beginn der Coronapandemie auch die Arztpraxen für die persönliche Konsultation schlossen, nutzten viele Patienten die angebotene Videosprechstunde. Sie bot eine gute Möglichkeit, mit dem Arzt sprechen zu können, ohne einen direkten Kontakt und eventuell eine Ansteckung befürchten zu müssen.

Schon lange nutzen Ärzte Videosprechstunden oder Online-Konferenzen mit Kollegen, um sich über Fälle auszutauschen und ihr Wissen zu teilen. Das ist von Vorteil, bündelt es doch Kompetenzen.

Warum sollte man dann nicht die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte begrüßen, die bereits eingeführt sein sollte? Laut Gesetz sind alle Beteiligten im Gesundheitswesen, wie Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Apotheken und Krankenhäuser sowie die Krankenkassen dazu verpflichtet, die Telematikinfrastruktur (TI) im Rahmen der digitalen Gesundheitsanwendung zu nutzen. Damit soll die Möglichkeit gegeben sein, die für die Behandlung der Patienten notwendigen medizinischen Informationen schnell und einfach verfügbar zu haben. Die technischen Bedingungen vor Ort mussten von den deutschen Ärzten nach dem E-Health-Gesetzt geschaffen werden, sonst riskierten sie eine Strafe.

In der Theorie böte dann die elektronische Gesundheitskarte die Handhabe, nicht nur das Stammdatenblatt mit Namen, Anschrift, Geburtsdatum, Geschlecht und Versichertenstatus des Patienten zu speichern, sondern auch dessen gesamte Krankengeschichte. Samt Befunden, Röntgenbildern, Arztbriefen, Daten der Krankmeldung, verschriebenen Medikamenten, etc.

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Da diese Daten in ihrer Gesamtheit jedoch nicht auf den kleinen Chip an der Versichertenkarte passen, würden die Patientendaten auf einem großen Server gespeichert werden, auf den alle Teilnehmer des Gesundheitswesen Zugriff hätten. Das würde also bedeuten, dass zum Beispiel nicht nur der Hausarzt über die vom Augenarzt verschriebenen Medikamente erfährt, der Physiotherapeut könnte von einem Schwangerschaftsabbruch lesen oder in der Apotheke wüsste man von der Therapie wegen einer Schizophrenie. Der Mensch wird gläsern.

Dazu kommt, dass sich der Server – auf dem immerhin die Gesundheitsdaten von 80 Millionen Deutschen gespeichert werden sollen – nicht in staatlicher Hand befindet. Arvato Systems hat den Zuschlag dafür bekommen. Arvato Systems ist ein IT-Spezialist aus dem Hause Bertelsmann. Und das ist ein privates Unternehmen.

IT-Profis warnen inständig vor den Gefahren, die das Speichern der Daten auf einem einzigen Server bringen könnte. Angriffe von Hackern sind höchstwahrscheinlich. In der Tat wurden bereits Sicherheitslücken aufgezeigt. Das kann auch an der mangelnden Schulung des Technikpersonals liegen, das den Konnektor installieren soll. Dieser stellt für das Praxisverwaltungssystem die Verbindung zur Telematikinfrastruktur her und erfüllt Sicherheitsaufgaben wie das Verschlüsseln und Signieren von medizinischen Dokumenten.

Darüber hinaus ist die Anbindung von Praxen an die TI nicht überall gewährleistet, setzt sie doch eine hohe Internetverbindung voraus. Und die ist noch immer nicht überall gegeben.

„Es ist nicht so, dass der Patient der Speicherung all seiner Daten zustimmen muss“, erklärt Dr. Andreas Mattmüller, Zahnarzt aus Gieselwerder. „Jeder darf für sich selbst entscheiden, wer seine Daten lesen darf und ob sie gespeichert werden.“

Widerspricht man der Speicherung der Daten nicht, besteht die Gefahr des Missbrauchs. Krankenkassen könnten zum Beispiel künftig Patienten ablehnen, weil die Krankengeschichte auf weitere teure Behandlungen hinweist. Bislang erfahren die Kassen nur im Einzelfall, welche Behandlung ein Patient benötigt.  zgi

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