Preisverfall bei Milch macht Bauern in Hofgeismar Angst

An der Quelle: Ute Hinz beim Melken im Kuhstall. Foto: Temme

Hofgeismar. Schwer zu kämpfen haben die heimischen Milchviehbetriebe. Innerhalb von sechs Monaten sank der Literpreis für Milch von 39 auf aktuell 29 Cent.

Er liegt damit deutlich unter den Produktionskosten. Die Folge: Hält die Niedrigpreisphase lange an, geht es an die Substanz der Betriebe. „Selbst gesunde Betriebe werden dann krank“, sagt Fred Becker (Reinhardshagen) vom Regionalbauernverband Kurhessen (RBV), zu dem auch die Hofgeismarer Landwirte gehören.

Neben der weltweit hohen Milchproduktion, so Stefan Strube vom RBV trage das Russland-Embargo zum Preisverfall bei. Zwar gingen in der Vergangenheit nur ein bis zwei Prozent der Produktion nach Russland, doch als das Embargo verkündet wurde, war diese Menge auf dem Markt. Um die Bestände loszuwerden, wurden sie unter Preis angeboten. Die meisten Abnehmer haben zwar langfristige Verträge, einige aber, wie die Pizza-Hersteller, nicht. Die wichen auf den billig angebotenen Käse aus - und setzten die Preisspirale nach unten in Gang.

Leidtragende sind die Milchbauern. Schon in den vergangenen zehn Jahren sank deren Zahl im Landkreis um etwa ein Drittel auf jetzt 150, so Strube. Vor allem die kleineren Betriebe verschwanden.

Wer nur von der Milchwirtschaft leben will, sagt Becker, braucht mindestens 80 Kühe, die in etwa 70.000 Liter Milch pro Monat liefern. Sinkt der Preis um zehn Cent, fehlen dem Bauern am Ende des Monats 7000 Euro. (mrß)

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