Protest gegen Baumfällung in Hofgeismar

Fällung: Die Birken entlang des Gehweges am Hofgeismarer Turnhagen, dem Viehmarkt- und Festplatz, wurden gefällt, weil sie laut Stadtverwaltung nicht mehr standsicher waren. Anwohner bezweifelten das und protestierten. Fotos: privat

Hofgeismar. Nur wenige Stunden lang hielten die Protestplakate und die 25 Holzkreuze, die Hofgeismarer Naturschützer am Samstagabend auf dem Turnhagen aufgestellt hatten, um gegen die Fällung von 25 Birken zu protestieren.

Noch bevor viele Spaziergänger die Mahnaktion bemerkt und die Schilder gelesen hatten, waren sie bereits am Sonntagvormittag von einem Dritten – Zeugen sprachen von einem Mitarbeiter der Stadt – wieder abgeräumt worden.

Die Naturschützer hatten mit Bestürzung von der vorher angekündigten Fällaktion erfahren und zimmerten zwei Dutzend bis zu 70 Zentimeter hohe Grabkreuze. Eigentlich wollten sie die schon vorher neben den Bäumen aufstellen, doch die Fällaktion am 12. und 13. November ging dann schneller über die Bühne als erwartet. Deshalb fertigten sie auch noch ein großes Transparent, mit dem sie „Nachhaltigkeit“ forderten und formulierten einen Erläuterungstext zum „Baumfriedhof Hofgeismar“. Darauf hieß es: „Hier ruhen die Seelen von 25 Birken, die 2014 zu Ehren des Hessentages ihr Leben lassen mussten. Über 1000 Jahre Leben im Tausch für 10 Tage Jubel, Trubel, Heiterkeit. Kein wirklich guter Tausch...“

Es wurden nicht nur 25 statt der angekündigten 23 Bäume gefällt, sondern es sei auch fraglich, ob die Fällung überhaupt gerechtfertigt war, erklärte gestern ein Sprecher der „besorgten Bürger“, der nicht genannt werden will, gegenüber unserer Zeitung. Die Stadt hatte erklärt, die Bäume seien wegen ihres Alters und krankheitsbedingt nicht mehr standsicher. Ein Baumexperte jedoch, der sich die gefällten Bäume ansah, habe den besorgten Bürgern jedoch erklärt, dass von „Baumkrebs“ kaum die Rede sein könne. Es sei lediglich an einigen Stellen Pilzbefall aufgetreten. Zwei hätten gefällt werden müssen, bei den anderen hätte ein Rückschnitt gereicht, sagte er. Auch die von der Stadt angeführten Schäden am Gehwegpflaster seien nicht zu bemerken gewesen, „höchstens mit der Wasserwaage“, sind die Baumfreunde überzeugt.

Stadt sagt: Wurzelfäule

Baumfriedhof: Auf Spruchband und Plakat äußerten die Protestler ihre Kritik, zogen es aber vor, anonym zu bleiben.

Die Stadtverwaltung Hofgeismar dagegen ist überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Die Schnittflächen der Bäume seien nicht immer entscheidend, erklärte Hauptamtsleiter Wilfried Eckart auf Anfrage. Kürzlich seien zwei der Birken bei Sturm umgefallen, weil sie durch Wurzelfäule den Halt verloren hatten. Der Stamm war dagegen in Ordnung. Gerade Birken seien sehr empfindlich, auch bei Rückschnitten.

Auflage der Versicherung

Die Versicherung der Stadt habe zur Auflage gemacht, dass die Bäume regelmäßig geprüft und notfalls Schritte zur Sicherung unternommen werden, sagte Eckart. Um bei den erwarteten zahlreichen Besuchern beim Hessentag kein Risiko einzugehen, habe man die Birken gefällt. Für die früher gefällten wurde schon Ersatz angepflanzt. Einzelexemplare können ein Alter von bis zu 160 Jahren erreichen. Die Plakate und Kreuze wurden vom Bauhof entfernt, nachdem er sie bei seiner täglichen Kontrolle entdeckte. Das geschah auch, weil die Protestaktion nicht angemeldet war und man keinen Ansprechpartner hatte, sonst hätte der Protest eventuell stehen bleiben können.

Von Thomas Thiele

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