Vernissage im Reinhardswald

Protest gegen Windkraft: Helge und Saxana stellten ihre Kunst aus

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Bäume sind ihr Ding: Die Künstler Saxana Schötschel und Helge Hommes mit ihrer Hündin Lilu.

Gegen die geplanten Windkraftanlagen im Reinhardswald wird auf vielfältige Weise protestiert. In einer Ausstellung mitten im Wald präsentierten nun Protest-Künstler ihre Werke.

Die Luft duftet nach Fichtenholz. Laub und Zweige liegen auf dem weichen Waldboden. Manchmal hört man aus der Ferne einen Vogel zwitschern – oder auch Gespräche, die von den Bildern handeln, die hier mitten im Reinhardswald zu sehen sind. Kaum einen besseren Ort hätten Saxana Schötschel und Helge Hommes für ihre zweitägige Ausstellung am Wochenende wählen können, trifft hier doch Kunst- und Naturerleben auf die Vorhaben der Windkraftplaner.

Ausstellung am geplanten Bauort der Windkraftanlagen

Und so ist es kein Zufall, dass sich das Leipziger Künstlerpaar gerade für diesen Ausstellungsort entschieden hat, denn 16 Anlagen sollen genau hier an der Waldstraße nahe der Sababurg entstehen. 

„Die Bäume sind unsere Retter – sie sind Lebewesen, fühlen, kommunizieren und vieles mehr“, sagt Saxana über das Motiv, welches sich in so vielfacher Weise auf den 50 Gemälden der Waldschau wieder findet. Bäume seien für sie Stellvertreter für alles Sein in der Welt, weshalb sie diese auch als gleichwertiges Gegenüber, als Du sähen, ergänzt Partner Helge.

Künstler ziehen rote Linie - "der Wald Bleibt"

Mit „The red Line“, also „Die rote Linie“, haben die beiden ihre besondere Schau überschrieben, die ein völlig anderes Erleben von Kunst ermöglichte. Allein die Weitläufigkeit der ein Kilometer langen Strecke, das viele Grün und der zarte Herbstsonnenschein sorgten dafür. Mit dem Titel wollte man ein Signal zum Haltmachen setzen, „zeigen, dass hier Stopp ist, der Wald bleibt“, wie Helge erklärte. Und beifügte, dass er guter Dinge sei, was den Reinhardswald und die Windkraft angehe, diese also nicht realisiert werden würde. Das würde sicher auch das Aktionsbündnis Märchenland freuen, das die Künstler während ihrer drei Reinhardswald-Aufenthalte dieses Jahr betreute und überrascht war, wie viele Aktivisten aus dem Hambacher Forst nun nach Nordhessen kamen, um die Schau zu besuchen und miteinander ins Gespräch zu kommen. „Vernetzung ist der richtige Weg – und diese muss sich für unsere Wälder bald durch das ganze Land ziehen.

Beeindruckt: Petra Kornelsen und Ingrid Vaaßen (von links) hatten sich schon im Hambacher Forst für den Wald eingesetzt. Am Wochenende waren die beiden zur Schau von Helge und Saxana in den Reinhardswald gekommen.

Da Helge und Saxana vergangenen Herbst im „Hambi“ malten, folgten ihnen viele Bekannte nun hierher, Kunst wurde so ein Verbindungsglied zwischen Menschen. Dass die beiden Autodidakten auf hohem Niveau malen, wurde vielen Besuchern schnell klar: So haben Saxanas Bilder oft einen expressiven Charakter, sind nicht selten mit starkem Pinselstrich und kräftigen Farben umgesetzt. Wer genau hinschaut, kann manchmal bedrohte Tiere wie Bienen in ihren Baumporträts entdecken, die die Veganerin bewusst eingearbeitet hat.

Während sie eher meditativ arbeitet, ja, sich sogar als eine Art „Medium“ beim Schaffensprozess bezeichnet, ist Helges Herangehensweise eher kognitiv geprägt, seine Kunst somit ein Stück näher an der Wirklichkeit. „Figürlicher Realismus mit expressiven Elementen und abstrakten Komponenten könnte man es nennen“, sagt er. Da sie bei klirrender Kälte, im Regen oder an heißen Tagen die Naturriesen in Öl eingefangen haben, sind nicht nur verschiedene Jahreszeiten, sondern auch ganz unterschiedliche Stimmungen, Perspektiven und Objekte in ihrem Werk zu sehen.

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