Prozess: Hofgeismarer prügelt besten Freund krankenhausreif

Gericht in Kassel: Dort muss sich ein Hofgeismarer verantworten. Archivfoto: Malmus/TP

Hofgeismar. Ein Hofgeismarer steht in Kassel vor Gericht, weil er seinen besten Freund zusammengeschlagen haben soll. Grund: Sein Kumpel hatte seinen Schlüssel vergessen.

Bei Rewe kauften sie am frühen Abend des 2. April vergangenen Jahres Bier und Wodka, berichtete der Angeklagte. Später tranken sie auf einer Bank vor ihrem Wohnhaus und machten einen Streifzug durch die Stadt. Zu fortgeschrittener Stunde sei sein inzwischen stark angetrunkener Freund zu dem Wohnhaus gegangen, in das er vor vier Wochen eingezogen war, und habe versucht, die Wohnungstüre aufzusperren, berichtete der Angeklagte.

„Ruf den Krankenwagen, sonst verreckt der da oben“ 

Der wohnte, weil er in der Zeit obdachlos gewesen sei, bei seinem Freund - wie so oft in den Jahren zuvor. Weil sein Freund den falschen Schlüssel mitgenommen hatte und die Wohnungstüre nicht aufsperren konnte, sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen. Sein Freund hätte ihn, als er sich umdrehte, die Treppe runtergeschubst und sei dabei mit ihm mehrere Stufen hinabgestürzt. Was dann passierte, bezeichnete der 23-Jährige als Handgemenge, das er ein „bisschen übertrieben“ habe.

Das Opfer habe am Boden gelegen und blutete. Der Angeklagte habe weiter drauf geschlagen, direkt ins Gesicht, berichtete ein Zeuge, ein 21-jähriger Azubi. Irgendwann habe sich das Opfer nicht mehr gewehrt, „gar nicht mehr richtig bewegt“. Dann sei der Angeklagte weggelaufen.

„Ruf den Krankenwagen, sonst verreckt der da oben“, das habe ihr der Angeklagte, dessen Hände voller Blut waren, zugerufen, daran erinnerte sich eine Zeugin, die in der Tatnacht vor dem Wohnhaus stand. Im Notfallbericht der Klinik wurden um 23.15 Uhr neben anderem vermerkt: Nasenbeinbruch, Bruch des knöchernen Augenhintergrundes, zwei blaue Augen und ein Schädel-Hirn-Trauma.

Die vier Zeugen, die am ersten Verhandlungstag geladen waren, brachten kein Licht ins Dunkel, wie es genau zu der Schlägerei in dem Treppenhaus kam. Vielmehr boten sie unterschiedliche Varianten, was den Ablauf und den Grad der Alkoholisierung von Täter, Opfer und Zeugen angeht.

Das 24-jährige Opfer, das seinen Peiniger als bis dahin „besten Freund“ bezeichnet, konnte nicht zur Klärung beitragen. „Ich weiß gar nichts mehr“, sagte er. Er sprach von einem Filmriss. Für den nächsten Verhandlungstag, Mittwoch, 25. März, 15 Uhr, sind zwei weitere Zeugen und ein Sachverständiger geladen. (zal)

Von einem „kompletten Blackout“ sprach der 23-jährige Angeklagte, der vor elf Monaten seinen besten Freund vor dessen Wohnung in Hofgeismar krankenhausreif geschlagen haben soll. Nun muss sich der junge Mann, der mit elf Jahren die Mutter verlor und weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung hat, wegen des Verdachts der Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

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