Windfläche unterm Hammer

Hessen-Forst vergibt weitere Fläche im Reinhardswald für den Bau von Winkraftanlagen

ARCHIV - Vier Windkrafträder auf der Kuppe des Rosskopfs bei Freiburg ragen aus dem Nebelmeer, das die Oberrheinebene zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bedeckt (Archivfoto vom 20.01.2010). Das Statistische Landesamt weist für 2009 einen Stromanteil von 15 Prozent aus Wind, Wasser, Biomasse und Sonne aus, was etwa dem Bundesschnitt entspricht. Rund sechs Prozent steuern die 370 Windkraftanlagen bei. Hinter der Atomkraft und der Steinkohle rangieren die erneuerbaren Energieträger somit an dritter Stelle im Strommix. Foto: Rolf Haid dpa/lsw (Zu lsw Korr: "Woher kommt der Strom ohne Atom?" vom 30.03.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Windräder in einer Urlaubsregion: Auf der Kuppe des Roßkopfs bei Freiburg im Schwarzwald ragen diese Anlagen aus dem Nebel. Auch für den Bereich des Naturparks Reinhardswald gibt es solche Pläne.

Auf einem weiteren Areal sollen im Reinhardswald Windkraftanlagen gebaut werden. Hessen-Forst will die Fläche von etwa 100 Fußballfeldern im Bieterverfahren vergeben.

Eine weitere Fläche für den Bau von Windkraftanlagen im Reinhardswald wird von Hessen-Forst derzeit im Bieterverfahren an Investoren vergeben. Es handelt sich um ein 67 Hektar großes Areal bei Wesertal, das entspricht der Fläche von rund 100 Fußballfeldern. Die Anrainergemeinde lehnt den Bau von Windrädern dort ab und fordert, auf die Ausbietung zu verzichten. Hessen-Forst hält an den Plänen fest.

In der Stellungnahme der Gemeinde führt Cornelius Turrey, Beauftragter für die vorläufige Wahrnehmung der Aufgaben des Bürgermeisters in Wesertal, mehrere Kritikpunkte an: Man befürchte – auch bei einem Mindestabstand von 1000 Metern zu Siedlungen – durch den Bau von mehr als 200 Meter hohen Windrädern Schallbelastungen für Wohngebiete, zudem Beeinträchtigungen für Flora und Fauna sowie negative Auswirkungen auf den Tourismus für die Gemeinde mit ihren Campingplätzen, Hotels und Ferienwohnungen. 

„Die Gemeinde wird alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Windpark und jede einzelne Anlage im Wald zu verhindern“, schreibt Turrey.

Windkraft im Reinhardswald: "Leider gegen den Willen der Gemeinde"

Bei Hessen-Forst hat man die Eingabe am selben Tag, als sie einging, abschlägig beschieden. „Die Umsetzung erfolgt damit leider gegen den Willen der Gemeinde“, heißt es vom Landesbetrieb dazu auf Anfrage. Hessen-Forst richte sich bei der Bereitstellung von Staatswaldflächen für die Windenergie nach den vorausgegangenen behördlichen Planungen und Genehmigungen. 

„Diese wiederum ergeben sich aus den Stellungnahmen der Gemeindevertretungen, den Interessensabwägungen und Beschlüssen der Regionalversammlungen und – dem folgend – aus den Ergebnissen der Regionalplanung.“

Windkraft im Reinhardswald: Gemeinde Wesertal mit Bedenken nicht allein

Nicht nur die Gemeinde Wesertal befürchtet durch die Windkraftpläne Auswirkungen auf den Tourismus. Gerade in Coronazeiten mit potenziell mehr Inland-Urlaubern zeige sich doch, wie wertvoll solch ein Gebiet wie der Reinhardswald sei, sagt Annette Müller-Zitzke vom Aktionsbündnis Märchenland, das Initiativen gegen Windkraft vor Ort bündelt.

Die touristische Akzeptanz werde durch Windkraftnutzung nicht gefährdet, lautet die Einschätzung von Andreas Siebert, Vizelandrat und Vorsitzender des Naturparks Reinhardswald. Das zeige die Erfahrung aus anderen Naturparken. Dies setze allerdings voraus, dass der Bau von Windkraftanlagen „mit Augenmaß erfolgt“.

Windkraft im Reinhardswald: Bisher 34 Anlagen geplant

Auf den bereits durch Hessen-Forst versteigerten Flächen im Kerngebiet des Reinhardswalds sind bisher 34 Windkraftanlagen geplant. Aber noch keine davon ist genehmigt: Das teilte der Landesbetrieb auf Anfrage mit. Im weiter gefassten Bereich des Naturparks Reinhardswald seien auf einer versteigerten Fläche bereits sieben Windräder in Betrieb genommen worden. Windkraftkritiker befürchten, dass bis zu 100 Anlagen in der gesamten Naturparkregion gebaut werden.

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