Region könnte von Auswilderung profitieren

Reinhardswald: Warten auf Rückkehr der Luchse

Zwei junge Luchse im Reinhardswald
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Junge Luchse im Reinhardswald: Dieser Nachwuchs hatte Ende 2019 Hoffnung auf eine Ansiedlung gemacht. Genaue Beobachtung zeigte, dass die Tiere auf Streifzügen aus dem Solling in den Reinhardswald gekommen waren. Seit Sommer 2020 gibt es keine neuen Luchs-Nachweise.

Das Nachbarland Thüringen soll zur neuen Heimat für Luchse werden. Das könnte bis in den Kreis Kassel ausstrahlen.

Kreis Kassel – Denn von dort könnten sich die großen Katzen nach Nordhessen ausbreiten. Thüringen ist für den Aufbau einer langfristig stabilen und gesunden Luchs-Population in Deutschland besonders wichtig.

Das wurde bei einer Pressekonferenz zum heutigen Tag des Luchses deutlich. Denn das Land mit seinen großen Waldgebieten verbindet gewissermaßen den Harz im Norden mit dem Bayerischen Wald im Süden. Das sind beides Regionen, in denen schon seit Jahren Luchse leben.

Auch Reinhardswald und Kaufunger Wald seien dafür wichtig, sagt Dr. Markus Port. Die beiden großen heimischen Waldgebiete tragen als Trittsteine dazu bei, dass für die Tiere eine weitere Verbindung zwischen Harz und Bayern besteht. Als Mitarbeiter an der Uni Göttingen hatte Port die Luchse wissenschaftlich begleitet, die in den vergangenen Jahren in den beiden Waldgebieten beobachtet worden waren. Inzwischen arbeitet Port auch für den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) in Thüringen.

Bis 2016 Luchse in der Region

Bis etwa 2016 hatte es eine kleine Luchs-Population östlich und südlich von Kassel gegeben. Kurz vor Weihnachten 2019 war eine Luchsfamilie mit vier Jungtieren im Reinhardswald bekannt geworden. Die war aber nur zu Streifzügen aus dem Solling über die Weser gekommen. Derzeit gibt es aus beiden Wäldern keine Hinweise auf neue Luchse.

In Thüringen wurden die Vorkommen genau untersucht. Umweltministerium und BUND gehen davon aus, dass dort etwa zehn Tiere leben. Eine natürliche Besiedlung weiterer Lebensräume könnte allerdings noch viele Jahre dauern. Was möglicherweise zu lang für den Erhalt gesunder Populationen in Harz und Bayerischer Wald wäre, weil der genetische Austausch fehlt. Deswegen wird in Thüringen jetzt über eine Auswilderung von Luchsen nachgedacht.

Auch davon könnten wiederum Reinhards- und Kau-funger Wald profitieren. Nachwuchs aus dem Thüringer Wald könnte die heimischen Wälder als Revier beziehen. So wie es östlich von Kassel mit Tieren aus dem Harz schon über einige Jahre der Fall war.

Dr. Marco Heurich, Professor für Wildtiermanagement an der Uni Freiburg, hat mit Rechenmodellen die Ausbreitung der Tiere untersucht. Demnach wäre ohne Auswilderung eine dauerhafte Besiedlung des nordhessischen Berglands bis zum Jahr 2048 nicht sehr wahrscheinlich. Würden dagegen 20 Tiere in Thüringen ausgesetzt, würde nach Heurichs Berechnungen bis 2048 auch Nordhessen von Luchsen besiedelt. (Bernd Schünemann)

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