300 Besucher in Hofgeismarer Stadthalle

Reisebericht über Hilfstransport nach Rumänien: Wo Not unvorstellbar groß ist

+
Waren in Rumänien: Die Landwirte Ottmar Rudert und Günther Rüddenklau sowie Journalist Gerd Henke (von links) berichtetenin der Stadthalle Hofgeismar von ihren Eindrücken und zeigten dabei beeindruckende Motive.

Bilder, die unter die Haut gehen, Szenen, die lange nachwirken: Einblicke über ihren Hilfstransport nach Südosteuropa gaben die Landwirte Ottmar Rudert und Günther Rüddenklau.

Auch Journalist Gerd Henke schilderte seine Eindrücke, hatte er die beiden doch auf dem ersten Teil ihrer Reise begleitet.

„Ich habe vom ersten Jahr an über das Projekt geschrieben, so war es mal an der Zeit, sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen“, sagte der HNA-Mitarbeiter, der neun Tage mit durch Rumänien zog. Dass das Wohltätigkeitsprojekt inzwischen gewaltige Ausmaße angenommen hat, machte Henke anhand der Zahlen deutlich: „20.000 Gegenstände oder anders ausgedrückt 100 Tonnen an Hilfsgütern wurden mit zehn Sattelzüge gen Osten geschickt.“

50 Euro Sozialhilfe im Monat

Wie immer hatte man auch diesmal Unmengen an Schokolade dabei, die an die Kinder passenderweise gleich mit einer Zahnbürste verteilt wurden. „Wer nicht lesen und schreiben kann oder alt ist, bleibt hier – alle Übrigen verlassen das Land“, schilderte Rudert das Gros der Bevölkerung, deren Armut auf den Bildern unübersehbar war. So bewegt man sich auf dem Land noch immer mit Pferdefuhrwerken auf Holperpisten voran, haust als Großfamilie in simplen Bretterverschlägen und lebt quasi von der Hand im Mund.

Auch dort gebe es eine Art Sozialhilfe, die bei 50 Euro pro Monat lege, was natürlich zu wenig zum Leben sei, berichtete das Trio. Einfache Hütten mit Pritschen auf denen nicht selten die gesamte Familie schläft, Kochstellen, die an vergangene Jahrhunderte erinnern und Menschen in Kleidung, die im Westen längst nicht mehr modern ist, prägen das Bild der Landbevölkerung. Harte Kost waren zudem die Motive aus den Altenheimen, in denen sich meist mehrere alte Menschen ein Zimmer teilen mussten. Allzu lange hätten sie dort nicht sein können, wäre doch der Geruch zu stark gewesen, schilderten sie diplomatisch die Begebenheiten.

Not in Ukraine noch schlimmer

Neben all dem Elend gab es auch immer wieder Lichtblicke: So etwa die Bilder von den leuchtenden Augen eines Jungen, der dank einer Rollstuhlspende endlich sein Bett verlassen kann, die freudigen Blicke der Kinder, wenn sie eine Süßigkeit bekamen oder der erleichterte Blick einer Mutter für den Erhalt von ein paar Leu (rumänische Währung).

Obwohl die Not in Rumänien schon groß ist, so „ist es in der Ukraine noch schlimmer“, schilderten Rudert und Rüddenklau den zweiten Teil ihrer Reise. Auch von hier gab es Trauriges zu sehen, wie etwa einen Verschlag, in dem elf Kinder ohne Mutter lebten, eine Behausung mit Erde am Boden und improvisierten Schlafgelegenheiten. Oder einmal wieder die Alten, welche in einem Heim auf engen Lagern ohne Matratzen ausharren mussten. „Vom hiesigen Altenheim haben wir schon ein Signal bekommen, dass wir ausrangierte Betten bekommen können“, sagte Rudert.

Bemerkenswert auch die Spendenbereitschaft der 300 Besucher, die für einen Gehörlosen und eine junge Frau mit verkrüppelten Beinen 1400 Euro am Abend spendeten. „Wir wollen versuchen, diese beiden jungen Menschen aus Rumänien hier behandeln zu lassen.“ Der Reisebericht wurde vom Verein für landwirtschaftliche Fortbildung veranstaltet.

Hilfe für zwei junge Menschen aus Rumänien

Ottmar Rudert (Ostheim) und Günther Rüddenklau (Westuffeln) würden gerne zwei jungen Menschen in Rumänien helfen. So soll ein Tauber ein Gehörgerät bekommen, wofür er einen Monat nach Deutschland kommen muss, um eingestellt zu werden. Auch einer jungen Frau mit einer Beinfehlstellung möchte man eine bessere Zukunft ermöglichen und sie deshalb hier operieren lassen. Wer die Projekte unterstützen möchte, kann eine Spende auf folgendes Konto einzahlen:

Kirchenkreisamt Hofgeismar-Wolfhagen 

Moldawienhilfe Ostheim 

DE 13 520 604 100 002 000 105 

BIC: GEN ODEF 1EK1

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.