1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Hofgeismar

Reparieren statt wegwerfen: Ehrenamtliche organisieren Repair-Café in Hofgeismar

Erstellt:

Von: Hanna Maiterth

Kommentare

Sie landen im Repair-Café: Funktionieren Nähmaschine, Laptop und Wasserkocher nicht mehr, müssen sie oft nicht sofort weggeworfen werden. Ehrenamtliche Hobbyschrauber in Repair-Cafés versuchen, dem Defekt auf den Grund zu gehen.
Sie landen im Repair-Café: Funktionieren Nähmaschine, Laptop und Wasserkocher nicht mehr, müssen sie oft nicht sofort weggeworfen werden. Ehrenamtliche Hobbyschrauber in Repair-Cafés versuchen, dem Defekt auf den Grund zu gehen. © Hanna Maiterth

Sind Kaffeemaschine, Computer und Nähmaschine defekt, müssen sie nicht sofort ausgetauscht werden. Im Repair-Café werden sie wieder fit gemacht.

Hofgeismar/Bad Karlshafen - „Viele wollen erst mal schauen, wie groß der Schaden ist. Und zu 60 bis 70 Prozent können die Dinge repariert werden“, sagt Wolfhard Ziegler vom Reparatur-Café in Bad Karlshafen, das derzeit einen Raum im Rathaus nutzt.

Während es die ehrenamtliche Reparaturwerkstatt im nördlichsten Teil des Altkreises, die auf Spendenbasis funktioniert, bereits seit vier Jahren gibt, wollen die Hofgeismarer nun nachziehen. Im Rahmen des Bündnisses „Zukunft Innenstadt – Wir für Hofgeismar“ wird im kommenden Jahr eines im alten Leimbachhaus am Töpfermarkt öffnen.

Das Ladenlokal stellt Inhaberin Mari Heideri, die in Hofgeismar das „Super 2000“ betreibt, zum Selbstkostenpreis zur Verfügung. „Wir können mindestens ein Jahr dortbleiben“, brachte Karin Kranz, Mitglied des Bündnisses den Arbeitskreis in der jüngsten Sitzung am Dienstag auf den neuesten Stand. Betreiber des Hofgeismarer Repair-Cafés wird der Verein „SelbstbestimmtLeben – Gemeinsam Wohnen“ sein. Der hatte bereits vor der Gründung des Bündnisses über eine „Quartiers-Werkstatt“ nachgedacht, wie Sabine Ganter-Shaw, Mitglied im Verein und im Bündnis, in einem früheren Gespräch erklärte.

Die Idee zum Café

Das Konzept des Repair Cafés stammt von der niederländischen Umweltjournalistin Martine Postma. Ihr wird die vor gut 13 Jahren gestartete Bewegung zugeschrieben, bei der Alltagsgegenstände gemeinschaftlich repariert werden. Sie werden auch als Teil sozialer Treffpunkte gesehen, bei denen es kleine Verpflegungsangebote geben kann.
Inzwischen haben sich auch in Deutschland zahlreiche Repair Cafés gebildet. Darüber hinaus gibt es koordinierte Netzwerke, die beim Aufbau mit Beratung, Informationsmaterialien und vielem mehr helfen. (phm)

Daher konnten die Hofgeismarer mit einem Budget von 7000 Euro von der EAM-Stiftung in die Planungen gehen. Inzwischen wurde ein zweiter Fördertopf aufgetan, berichtete Kranz am Dienstag. Auch Einrichtungsgegenstände wie Regale und Tische wurden dem Repair-Café bereits gespendet. „Am 10. Januar werden die Sachen in die Räume gebracht.“ Nun geht es in die Detailplanung.

Die Organisation im Vorfeld, sei eine Herausforderung, erinnert sich Ziegler, der das Repair-Café in Bad Karlshafen initiierte. „Du musst erst mal die Leute für die Reparaturen akquirieren.“ Elektriker seien der Dreh- und Angelpunkt. „Es werden überwiegend Kaffeemaschinen, Computer und Nähmaschinen gebracht“, weiß Ziegler inzwischen aus Erfahrung. Dann kämen kleine Geräte wie Haartrockner, Toaster aber auch ältere Radios. „Das ist es im Groben.“

Ehrenamtliche gesucht, die gerne tüfteln

Zu Beginn waren es zehn Personen, die - wo es geht - gemeinsam mit den Kunden repariert haben, zu Spitzenzeiten 20. Die Corona-Pandemie brachte alles ins Stocken, nun arbeiten sie stark reduziert mit vier Leuten und suchen neue Ehrenamtliche. Werkzeug brächten sie sich selbst mit. „Elektriker sind es gewohnt, damit zu arbeiten. Außerdem haben sie Messgeräte, die kein Normalsterblicher hat“, sagt er lächelnd. Der Ablauf sei zu Beginn ebenfalls schwierig gewesen. „Wir wussten ja gar nicht, wer mit was kommt.“ Damit niemand warten musste, um dann womöglich unverrichteter Dinge wieder gehen zu müssen, werden Geräte nur noch nach Voranmeldung angenommen.

Sinn der Sache sei, den Müllberg nicht weiter anwachsen zu lassen, sagt Ziegler. Doch nicht alles könne wieder repariert werden. „Wenn wir sagen, das Ding funktioniert nicht mehr, schneiden wir im Beisein des Besitzers das Kabel durch. Sicherheitshalber.“ Auch eine Gewährleistung gebe es nicht und die Kunden müssten einen Haftungsausschluss unterschreiben. Sorgen müsse man sich aber nicht machen: „Keiner unserer Elektriker gibt etwas raus, das nicht getestet wurde.“ (Hanna Maiterth)

Informationen und Kontakt: selbstbestimmt-gemeinsam.de

Auch interessant

Kommentare