Begegnungen beim neuen Rockfestival

Rock in HOG: Blanke Nerven, chillige Feier

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Hammerfrau zum krönenden Abschluss: Mieze, Frontfrau der Berliner Band Mia., begeisterte rotzfrech und voller Energie mit Hits aus nahezu zwei Jahrzehnten.

Hofgeismar. Er braucht eine Weile, um die Planen an den Bauzäunen zumindest so weit auseinander zu rupfen, bis sein Kopf durch passt.

Als der ältere Herr es endlich geschafft und freie Sicht in den Backstagebereich am Reithagen hat, wartet er nicht lange und schimpft direkt los: „Sagt denen da oben mal, dass es absolut schrecklich klingt, was die da von sich geben, das ist eine Unverschämtheit!“

Die Sicherheitsleute, die die Schelte abbekommen, nehmen es gelassen, erklären ihm, dass Kuersche und seine Mitstreiter der einstigen Erfolgsband „Fury in the Slaughterhouse“ gerade noch mitten im Soundcheck sind, sprich, ihre Instrumente und Mikrofone für ihren unmittelbar bevorstehenden Auftritt vorbereiten. Da ist es Samstagnachmittag, und der erboste Zaungast samt seiner Ohren hat schon gut 24 Stunden Rock in HOG hinter sich. Dass seine Nerven blank liegen, mag man nach Punk-Rock-Größen wie den Donots oder Rantanplan fast ein wenig nachvollziehen können, zimperlich sind die mit ihren Lautstärkereglern nun wirklich nicht umgegangen. Aber Hand aufs Herz: Lässt sich das nicht ein-, zweimal im Jahr aushalten, wenn sich schon mal eine Truppe ehrenamtlicher Kulturfans bereit erklärt, ein derartiges Musikspektakel auf die Beine zu stellen?

Andere haben das glücklicherweise verstanden, die Anlieger auf der anderen Seite des Geländes etwa, die auf ihrem schicken Balkon ihren Logenplatz zum Nulltarif einfach genießen, munter zur Feierschar rüber winken und sich im Gegenzug über hunderte zurück winkender Hände freuen können.

Es ist eine Szene, die exemplarisch ist für die Premiere des Rockfestivals, das zwar nicht durch überragende Besucherzahlen in die Kulturgeschichte der Stadt eingehen wird, dafür aber als eine der chilligsten und harmonischsten Veranstaltungen ihrer Art, die Hofgeismar je gesehen hat.

Wie hart die Musik und wie polarisierend einige der dargebotenen Textzeilen auch sein mögen, bei Rock-in-HOG wird friedlich miteinander gefeiert, gepogt und gesungen. Eben das ist es auch, was das junge Veranstalterteam um Michael Schüler über die enttäuschenden Besucherzahlen hinwegtrösten dürfte. Und ein nörgelnder Zaungast, der einen Soundcheck nicht vom tatsächlichen Auftritt unterscheiden kann, fällt da auch nicht weiter ins Gewicht.

Stars auf der Bühne bei Rock in HOG

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