Sababurg-Streit: Die Märchen-Marke ist in Gefahr

Um das Dornröschenschloss Sababurg gibt es weiterhin Streit. Foto: Thiele

Hofgeismar/Sababurg. Die langjährige Pächterfamilie auf der Sababurg kämpft um den Erhalt ihres Lebenswerkes, der Marke Dornröschenschloss Sababurg.

In Schreiben an den Magistrat und an die Stadtverordneten haben sie ihre Sicht der Situation dargelegt und bitten die Stadt um Aufklärung und Kooperation.

Gegenüber der HNA kritisierte der Hotel-Geschäftsführer Günther Koseck die seiner Ansicht nach geschäftsschädigende Termin- und Preispolitik bei den Trauungen auf der Sababurg und den Versuch der seit kurzem als Dornröschenstadt werbenden Kommune, die Marke Dornröschen für sich zu nutzen, obwohl es in der Stadt selbst keinen einzigen Ansatzpunkt für das Märchen gebe. „Das Marketing kommt nur über unser Dornröschenschloss und an dieser weltweit bekannten Marke haben wir 40 Jahre lang gearbeitet“, erklärt Koseck das Marketingkonzept, das mit Gründung der Deutschen Märchenstraße 1975 entstand und dafür sorgte, dass heute das Dornröschenschloss mit der Sababurg gleichgesetzt wird.

Koseck befürchtet eine Verwässerung seiner Marketingidee. Mit der wurde die Benutzungsmarke „Dornröschen“ in Theater und Musik, Souvenirs und Spielwaren, Lebensmitteln und Getränken, Pflanzen sowie Gastronomie und Beherbergung im Zusammenhang mit Schloss Sababurg geschaffen, umgesetzt und „mit viel Engagement und hohem finanziellen Einsatz zum Leben erweckt“. Das Ziel: das Dornröschenschloss international bekannt zu machen.

Dazu wurden auch Künstler gewonnen, die für die Gestaltung der Schlossanlage Kunstwerke schufen, die sich schlüssig in die Bildmotivwelt rund um das Dornröschen einfügen. Durch das weitere Marketingstandbein der Stadt Hofgeismar, sich als Dornröschenstadt darzustellen und nun sogar ein eigenes Dornröschendenkmal vor dem Rathaus aufzustellen (wir berichteten) sieht Koseck dieses Bestreben nun verwässert und in Gefahr. „Wir müssten mit gleichen Aussagen zu dieser Marke stehen“, meint er, damit Touristen auf der Suche nach Dornröschen nicht enttäuscht würden wie bisher, wenn sie in der Stadt selbst nichts von dem Märchen entdecken könnten. Koseck hat zwar mit einem Anwalt gedroht, weil dem Hotel etwa durch die Kopie des Dornröschen-Kostüms zum Hessentag finanzieller Schaden entstehe, doch für diese Woche stehen neue Gesprächstermine mit der Stadt an. Bürgermeister Markus Mannsbarth sagte jedenfalls gegenüber der HNA, dass man auch über das Konzept reden werde. Mannsbarth: „Wir sind an einem partnerschaftlichen Verhältnis interessiert.“

Das sagen die Hotelbetreiber

Die Familie Koseck kritisiert, dass die Trautermine auf der Sababurg von der Stadt Hofgeismar reduziert (und außerdem die Gebühren unsozial erhöht) worden seien, so dass gerade in der Hauptbuchungszeit im Frühjahr Hochzeitsinteressenten abgewiesen werden mussten. „Uns drängt sich der Eindruck auf, dass das von Anfang an geplant war: Durch weniger Termine sollen wir massiv Umsatz verlieren und wirtschaftlich unter Druck geraten, doch gleichzeitig soll sich das nicht im Stadtsäckel niederschlagen. Deswegen 66 Prozent mehr.“ Diese Parallele und dazu die Dornröschenaktivitäten Hofgeismars seien ein märchenhafter Zufall.

Die Burgpächter bezeichnen es als Vertragsbruch, dass die Stadt Hofgeismar derzeit keine Trautermine für das Standesamt auf der Sababurg vergibt. Dabei hätten die Pächter klargestellt, dass es bislang keine Räumungsaufforderung oder -klage gebe und dass es wohl bis Ende 2016 zu keiner Betriebsschließung auf der Sababurg kommen werde.

Das sagt die Stadt

Die Stadt Hofgeismar weist die Vorwürfe zurück. Im Jahr 2015 habe es mit 98 Trauungen sogar zehn mehr als in 2014 (88) gegeben, davon die meisten im Mai und Juni. „Lediglich in den drei Wochen rund um den Hessentag konnten wir auf der Saba-burg keine Trauungen anbieten, weil alle Stadtmitarbeiter beim Landesfest eingesetzt waren“, sagt Bürgermeister Markus Mannsbarth.

Zum Vorwurf des Vertragsbruchs sagt der Bürgermeister, dass den Pächtern der Sababurg zum 31. Dezember gekündigt worden sei und es demnach derzeit keinen Pächter gebe. Fazit: „Ohne Pächter keine Trauungen. Wenn die Stadt jetzt Trauungen annimmt, ist das ein Risiko. Wir wollen die Leute aber nicht enttäuschen.“

Zu Vorwürfen Kosecks, im Rathaus habe man Gesprächstermine nicht angenommen, sagt der Bürgermeister, dass diese mitunter sehr kurzfristig kamen und auch von der Gegenseite schon abgesagt wurden. Mannsbarth: „Am Montag werden wir das Thema beraten und wir sind gerne gesprächsbereit“.

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