Forschung enthüllt alte Struktur – Halle wird wiederhergestellt

Sanierung des Fachwerkhauses Markt 5 in Hofgeismar: Es wird umgeplant

Wieder ans Licht geholt: Reich geschnitzte Balken (Bildmitte, vor Bauamtsleiter Dirk Lindemann) verliefen einst an der Galerie der großen Halle im Haus Markt 5. Sie soll jetzt teilweise wieder hergestellt werden.
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Wieder ans Licht geholt: Reich geschnitzte Balken (Bildmitte, vor Bauamtsleiter Dirk Lindemann) verliefen einst an der Galerie der großen Halle im Haus Markt 5. Sie soll jetzt teilweise wieder hergestellt werden.

Ein besonderes Glanzstück ist bei der Sanierung des Fachwerkhauses Markt 5 in Hofgeismar entdeckt worden und soll künftig in den Mittelpunkt des Hauses rücken.

Hofgeismar - Eine zweigeschossige Halle mit einer Galerie mit aufwendigen Schnitzereien. Die bauhistorischen Untersuchungen förderten zutage, dass das Haus vor über 400 Jahren als Kaufmannshaus mit Lagerräumen und großer Halle gebaut wurde. Nun gibt es Umplanungen, die die Nutzung optimieren, die Kosten aber nicht erhöhen.

Nach dem Sanierungsbeschluss im September 2019 hatten umfangreiche Freilegungen und Rückbauten in dem 1560 erbauten Haus begonnen. Zunächst waren nur teilweise Freilegungen in den Decken und Wänden erfolgt, um die Höhe der Schäden zu bestimmen. Dabei entdeckte man (wie berichtet) auch einen geschnitzten Türbogen und verzierte Balken, bei denen man vermutete, dass sie aus anderen Häusern stammten und bei Reparaturen hier wiederverwendet wurden.

Halle reicht über zwei Stockwerke

Bei den weiteren Freilegungen und dem Rückbau später eingefügter Wände enthüllte sich dann aber nach Angaben von Bauamtsleiter Dirk Lindemann eine Struktur, die deutlich von dem in der Region verbreiteten niederdeutschen Hallenhaus abweicht. Statt einer Durchfahrt mit großen Toren für Fuhrwerke hat das Haus Markt 5 eine geschlossene Rückfront und eine große Tür an der Vorderseite. Die zweigeschossige Halle nimmt einen beachtlichen Teil der Innenfläche ein und reicht über zwei Stockwerke.

Teilweise sind noch die originalen Sandsteinplatten als Bodenbelag erhalten. Im 1. Obergeschoss sind mehrere Räume in einem L-förmigen Winkel um die Halle angeordnet und werden von einer davor liegenden Galerie erschlossen. Das Schnitzwerk befindet sich an den Portalen zu den Räumen, unter den Portalen und am Rand der Galerie, erklärt Architekt Christoph Kiefer (Bad Arolsen).

Die große Innentreppe wurde nachträglich im 18. Jahrhundert in die ursprüngliche Halle eingebaut, wobei auch weitere Veränderungen vorgenommen wurden. Das 2. Obergeschoss besaß nach den Untersuchungen vermutlich gar keine Wände, sondern diente als großer Lagerbereich, ebenso wie das Dachgeschoss, das kein Fruchtboden war. Die gefundenen Getreidekörner sind vermutlich von Tieren hin-eingetragen worden. Einen großen Umbau gab es nochmals Ende des 19. Jahrhunderts, wo weitere Zimmer geschaffen wurden.

Einblicke: Architekt Christoph Kiefer vor der Rückseite des Hauses mit einem Modell, das einen Teil der Raumaufteilung nach Entfernen der späteren Einbauten zeigt.

Diese Erkenntnisse haben auch Einfluss auf die künftige Gestaltung, die die Geschichte und die Einmaligkeit des Gebäudes hervorheben sollen, betont Bauamtsleiter Lindemann. Der Hauseingang wird wieder in die Mitte der Marktplatzfront zurückverlegt. Durch Einbeziehung der Halle können zusätzliche Flure entfallen. Das Erlebnis der Halle mit Galerie werde zum Highlight, das auch für kleinere Veranstaltungen oder als Regenzufluchtsort und Startpunkt für Stadtführungen schnell erreichbar sei, beschreibt Lindemann. Das Ziel einer unabhängigen Passage im Haus wird nicht mehr verfolgt.

Die Änderung der Planung wird ohne Verzögerungen und Kostensteigerungen möglich. Die Stadtverordneten von SPD, CDU und Linken haben den geänderten Planungen bereits mehrheitlich zugestimmt bei einer Nein-Stimme der WSD und vier Enthaltungen von WSD und FDP. (Thomas Thiele)

Kein Anbau für Aufzug mehr nötig

Durch die neu entdeckten Grundrisse werden die Sanierungspläne und die künftige Nutzung etwas geändert. Im 1. Obergeschoss bekommt die Deutsche Märchenstraße sechs Quadratmeter mehr, im 2. Obergeschoss entfällt ein 20 Quadratmeter großer Präsentationsraum für den Naturpark, der nun mit in den Präsentationsraum der Märchenstraße ein Stockwerk tiefer einzieht. Für das neue Treppenhaus mit Aufzug (72 Quadratmeter) wird kein Anbau mehr nötig, es kann in die Halle verlegt werden.

Der Raum für die Tourist-Information im Erdgeschoss wird fast nicht geändert. Die Halle mit digitalem Infopoint wird auch außerhalb der Geschäftszeiten dem Publikum offen stehen. Die Halle kann als öffentliches Kultur- und Gästeforum und als Eventlocation für öffentliche und private Aktivitäten sowie als Regenzufluchtsort genutzt werden.

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