Kritik an Äußerungen zu Windkraft im Reinhardswald

Schauspieler Hannes Jaenicke: Nach Windkraft-Kritik - das sagen die Planer

Gegen Windkraft im Reinhardswald hat sich der Schauspieler Hannes Jaenicke ausgesprochen. Nun äußern sich die Planer von Windenergieanlagen dazu.

Vor Ort: Ralf Paschold, einer der Geschäftsführer der Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG. Das Bild zeigt laut KG den Standort für eine der geplanten Windkraftanlagen, eine von Sturm- und Borkenkäferschäden schon betroffenen Fläche.

Reinhardswald - Sie sehen den Schauspieler dabei „leider im falschen Film“, wie es in einer Stellungnahme heißt. Aber der Reihe nach: Jaenicke, der sich generell gegen den Klimawandel engagiert und als Befürworter erneuerbarer Energien zeigt, hatte dem Aktionsbündnis Märchenland, das sich gegen den Bau von Windkraftanlagen in der Region einsetzt, ein Video und ein Statement zur Verfügung gestellt (HNA berichtete). Den Kurzfilm hat das Bündnis am Dienstag auf Facebook und Youtube auf dem Kanal „Rettet den Reinhardswald“ geteilt, wo er bisher mehr als 1000 Mal aufgerufen wurde. Darin fordert Jaenicke: „Lasst unsere Wälder in Ruhe“ und spricht von „katastrophalem Flächenfraß“ in Deutschland. Zudem schreibt er, dass mit dem Reinhardswald „einer der wertvollsten Wälder Deutschlands geopfert werden“ solle.

Eines von mehreren Windkraftprojekten, das dort verwirklicht werden soll, ist der Windpark Reinhardswald. Die gleichnamige GmbH & Co. KG, an der über die Energiegenossenschaft Reinhardswald auch Kommunen beteiligt sind, will 20 Anlagen bauen – 18 sind derzeit Teil eines Genehmigungsverfahrens, für zwei werden noch neue Standorte gesucht. Am heutigen Donnerstag werden die Pläne Thema in den Parlamenten von Wesertal und Trendelburg sein, wo eine Demo angekündigt ist.

Bei den Planern des Windparks sieht man Jaenickes Äußerungen kritisch: „Mit dem Aufruf von Herrn Jaenicke, dessen Sendungen in Sachen Umweltschutz ich im Übrigen sehr schätze, bin ich in keiner Weise einverstanden“, sagt Ralf Paschold als einer der Geschäftsführer der GmbH & Co. KG. „Der Schauspieler und Vielflieger Hannes Jaenicke verkennt den Sachverhalt, indem er sich gegen die demokratisch legitimierte Erzeugung von nachhaltiger, erneuerbarer Energie durch den Betrieb von Windkraftanlagen im Wald ausspricht“, formuliert Paschold.

Mit „Vielflieger“ spielt er auf Medienberichte an, die das Engagement Jaenickes für den Klimaschutz im Widerspruch zur Flugzeugnutzung des Schauspielers sehen, der Wohnsitze am Ammersee und in Los Angeles hat. Jaenicke hat solche Kritik stets zurückgewiesen.

Von der Sache her habe der Schauspieler sogar recht, sagt Paschold. „Waldschutz ist Klimaschutz.“ Doch dafür müsse man weg von „der klimaschädlichen Energieerzeugung durch die Verbrennung von Braunkohle, Steinkohle oder dem Betrieb von Atomkraftwerken“. Die Bundesregierung verfolge die Ziele des Ausbaus der erneuerbaren Energien konsequent. Diese demokratisch legitimierten Ziele setze auch die hessische Landesregierung konsequent um – und die Regionalversammlung habe 2016 fast einstimmig die Ausweisung der Windvorrangflächen beschlossen, auch die Flächen im Reinhardswald. „Die Wälder in Deutschland und auch der Reinhardswald gehören uns allen“, sagt Paschold. Und gesellschaftlich habe der Ausbau der Windenergie eine hohe Akzeptanz.

Lars Rotzsche, ein weiterer Geschäftsführer der KG, fügt an, „der hohe globale Flächenverbrauch, den Herr Jaenicke zu Recht kritisiert“, passe nicht auf den geplanten Windpark. Die KG nutze „mit Windenergieanlagen die flächeneffizientesten Anlagen zur Energieerzeugung“. Täglich gingen in Deutschland zwei Hektar für die Gewinnung von Braunkohle verloren, „unsere 20 Windkraftanlagen versiegeln mit Fundamenten eine Fläche von insgesamt rund einem Hektar“. Die Anlagen seien zudem überwiegend auf bereits durch Folgen des Klimawandels baumlosen Bereichen im Reinhardswald geplant. „Wir haben keine Zeit zu verlieren im Kampf gegen den Klimawandel: Windkraft im Wald ist ein Teil der richtigen Antwort“, meint Paschold.

Rubriklistenbild: © Leonard Paschold/nh

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