Schläge in der Silvesternacht: Hofgeismarer wegen Attacke auf Sanitäter verurteilt

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Einsatz in der Nacht: Nachdem seine Frau den Rettungsdienst gerufen hatte, griff an Silvester ein Mann in Hofgeismar die Hilfskräfte an. 

Diese Silvesterfeier lief völlig aus dem Ruder. Die Folge: zwei verletzte Rettungssanitäter, Widerstand gegen Polizeibeamte – und ein Verfahren vor dem Hofgeismarer Amtsgericht.

Dort musste sich der Angeklagte jetzt wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Sachbeschädigung verantworten.

Der Angeklagte – ein kräftiger Mann – hatte sich Silvester 2017 in Hofgeismar mit einem Freund getroffen und Alkohol getrunken. Im Gericht sprach er von eineinhalb Liter Wodka. Einige Stunden vor dem Jahreswechsel verabschiedete sich der Besuch. Infolge des Alkohols legte sich der Mann ins Bett. Im Laufe des Abends verschlechterte sich sein Zustand, er lief blau an. Deshalb rief seine Frau den Rettungsdienst zu Hilfe.

Zwei DRK-Sanitäter kamen mit einem Rettungswagen. Einer von ihnen wollte mit dem Mann sprechen. Doch der reagierte gleich aggressiv, berichtete das spätere Opfer im Zeugenstand. Ehefrau und Sanitäter redeten auf den Mann ein, er solle sich untersuchen lassen. Als sich der Sanitäter zu seinem Notfallkoffer beugte, sei der Mann aufgesprungen, habe ihn weggeschubst und mit der Faust geschlagen. Die Frau habe erfolglos versucht, ihren Mann festzuhalten. Da habe er seinem Kollegen zugerufen, er solle Hilfe holen, sagte der DRK-Mitarbeiter. Dem Sanitäter gelang es, über das Bett zu flüchten. Mit seinem Kollegen versuchte er, sich an ihrem Rettungswagen in Sicherheit zu bringen. Inzwischen war ein zweites Team zu Hilfe geeilt. Als sie sich auf der Straße trafen, bemerkten sie, dass der Mann ihnen folgte.

„Wir sind gerannt“, sagte der angegriffene Sanitäter im Zeugenstand, der Mann hinter ihnen her. Sie wollten zu viert die nahe gelegene Dienststelle erreichen und sich dort einschließen. Dort traf dann ein Streifenwagen ein. Als sich die Beamten die Lage schildern ließen, tauchte der Mann wieder auf. Er sei auf die Polizisten losgestürmt und habe obszöne Worte gerufen. Mehrfache Aufforderungen, stehen zu bleiben, ignorierte er, berichtete ein weiterer Sanitäter als Zeuge. Nur mit Pfefferspray konnte eine Beamtin den Mann auf Abstand halten. Dennoch war der nicht zu bremsen und verbog die Tür eines Streifenwagens.

Dann kam eine zweite Streife hinzu. Aber auch vier Polizisten gelang es noch nicht, den Mann zu bändigen. Obwohl er nichts mehr sehen konnte, sei er immer wieder auf die Polizisten losgelaufen, sagten mehrere Zeugen. Die Beamten versuchten weiterhin, ihn zu beruhigen. Als er einen Moment aus dem Gleichgewicht kam, brachten sie ihn zu Boden. Sie brauchten mehrere aneinandergekettete Handschellen, um ihn ruhig zu stellen. Zwei Sanitäter versuchten, seine Beine mit Verbandsmaterial zu fixieren. Doch auch das hielt seiner Kraft nicht stand.

Schließlich gelang es, den Mann in ein Polizeiauto zu bugsieren und zur Ausnüchterung nach Kassel zu bringen. Dort wachte der Mann am Neujahrstag wieder auf. Und zu diesem Zeitpunkte setzte erst seine Erinnerung wieder ein, sagte er im Gericht.

Die Staatsanwaltschaft forderte neun Monate Haft auf Bewährung sowie ein Schmerzensgeld für den angegriffenen Sanitäter. Dem schloss sich der Richter an. Mit Blick auf vorangegangene Taten – darunter ein Widerstand gegen Beamte – sei diese Strafe angemessen.

Das ganze Geschehen hätte noch schlimmer enden können, sagte der Richter. Hätte der Angeklagte mit seinem Schlag den Sanitäter richtig getroffen, dann müsste er sich jetzt wohl vor dem Schwurgericht wegen schlimmerer Folgen verantworten.

Der Richter verwies auch auf das Opfer, das helfen wollte und dabei angegriffen worden sei. Der Mann habe sich bis heute nicht von diesem Angriff erholt. Der Angeklagte, der ohne Anwalt vor Gericht erschienen war, nahm das Urteil an. Damit ist es rechtskräftig. 

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