INTERVIEW mit Karnevalistenchef Erwin Aßhauer

Karnevalisten in Hofgeismar verzichten aufs Schunkeln

Bleibt eingepackt: Eigentlich hätte Goldene Elf-Vorsitzender Erwin Aßhauer am 11. Noevember  seine Narrenkappe wieder aufgesetzt. In dieser Session wird sie vermutlich eingepackt bleiben.
+
Bleibt eingepackt: Eigentlich hätte Goldene Elf-Vorsitzender Erwin Aßhauer am 11. November seine Narrenkappe wieder aufgesetzt. In dieser Session wird sie vermutlich eingepackt bleiben.

Eigentlich findet in jedem Jahr am 11. November der offizielle Auftakt der Karnevalssession statt. Dieses Jahr ist er wegen Corona abgesagt.

Hofgeismar - Wir sprachen stellvertretend für die übrigen Vereine mit Erwin Aßhauer, Chef der Karnevalsgesellschaft Goldene Elf Hofgeismar, darüber, was das für den Karneval und die Menschen bedeutet.

Herr Aßhauer, was machen Sie am 11.11.?
Gar nichts, Karneval ist abgesagt. Na ja, fast jedenfalls. Vielleicht werden wir uns in die offizielle bundesweite digitale Sessionseröffnung einloggen, die der Bund Deutscher Karneval morgen um 11.11 Uhr erstaufführt. Dazu wurde ein Musikvideo mit der längsten Polonaise der Welt produziert. Das gibts auf karnevaldeutschland.de.
Reicht das für die Karnevalisten hier bei uns aus?
Das ist eine Herausforderung für das Publikum, das gerne feiern möchte, und die Aktiven, die sich monatelang vorbereiten. Aber ausgefallen ist nicht aufgegeben. Wir sind der Empfehlung des Bundes Deutscher Karneval (BDK) gefolgt, das vor Ort zu entscheiden. Und wir haben im Vorstand entschieden, dass wir alle Karnevalsveranstaltungen der Goldenen Elf für die Session 2020/21 absagen, weil die Menschen sich dabei zu nahe kommen, was ja eigentlich Sinn dieses Feierns ist. Schunkeln mit Abstand geht nun mal nicht.
Gab es keine Alternativen zur kompletten Absage?
Wir wollen das Kulturgut Fasching/Fastnacht/Karneval erhalten, aber die Gesundheit geht vor. Der BDK hat auch die Tanzturnier-Saison mit Halbfinals und die 50. Deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport abgesagt. Das bedeutet aber nicht, wie auch der BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess gesagt hat, dass wir den Karneval verschieben oder sogar in den Sommer verlegen.      Das würde gegen unser Selbstverständnis, unsere Satzung und auch gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen – Ostern, Pfingsten und Weihnachten verlegen wir ja auch nicht. Wir haben schon mal einen Karneval abgesagt, 1991 wegen des Golfkriegs. Aber da haben wir wenigstens intern eine kleine Feier machen können. Diesmal geht das nun nicht. Wir hatten zunächst überlegt, ob wir einen Open-Air-Karneval machen, aber der Zugang wäre schwer zu kontrollieren, der Andrang unkalkulierbar.
Erspart der Verzicht nicht auch eine Menge Stress?
Da kommt wirklich was zusammen. Allein in Hofgeismar hat die Goldene Elf sechs Veranstaltungen, die wir ausrichten oder wo wir mitwirken. Dazu kommen vier Veranstaltungen der nordhessischen Karnevalsverbände, Besuche bei fünf anderen Karnevalsvereinen der Region sowie bei Jubiläumsfesten und dann noch elf Veranstaltungen und Treffen in Kreis und Stadt Kassel, wo die Goldene Elf teilnimmt. Ich persönlich habe dann auch noch ein Dutzend Vorstandstreffen, dazu Trainingsabende und zwei Wochen lang bereiten wir abends die Stadthalle vor.
Was bedeutet die Zwangspause für die Mitglieder?
Das Vereinsleben liegt brach. Es fehlt der Austausch untereinander und mit den anderen Vereinen. Die Tanzgarden, die üben eigentlich das ganze Jahr, denn das ist teilweise Leistungssport und sie nehmen ja auch an Turnieren teil. Die persönlichen Kontakte fehlen.
Gibt es finanzielle Folgen?
Eine gute Band kostet 1500 bis 2000 Euro, aber an guter Musik wollen wir nicht sparen. Besser live als Konserve. Einige Bands haben sich leider schon aufgelöst. Beim Catering wird es auch schwieriger, gute Leute zu bekommen, die sich um Essen und Trinken und Bedienung kümmern. Wir vom Verein schaffen das nicht selbst, weil wir alle bereits im Einsatz sind. Das alles und auch das Erarbeiten des Programms muss gemacht werden, und zwar egal ob 50 oder 500 Leute kommen. Selbst unter erleichterten Vorschriften bliebe das alles ein Risiko, weil wir nicht wüssten, ob die Leute kommen oder aus Angst zuhause bleiben. Deshalb ist eine Absage vernünftiger.
Wie sieht die Zukunft des Karnevals aus?
Karneval ist nötig, damit die Menschen mal aus sich rausgehen können. Wenn es mal wieder Karneval gibt, dann wird der sicher anders aussehen als bisher, mit mehr Einschränkungen. Wir werden den Karneval jetzt mal online erleben, aber ein Ersatz für echte Begegnungen ist es natürlich nicht. Unsere größte Hoffnung ist, dass die Aktiven dabeibleiben und nach Corona auch wieder Gäste kommen. Dafür üben wir ja das ganze Jahr. (Thomas Thiele)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.