Singvögeln fehlt es an Futter und geeigneten Nistplätzen

Schwalben werden immer weniger

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Hofgeismar. Vereinzelt sind die ersten Schwalben schon aus ihren Winterquartieren zurück, doch von Jahr zu Jahr werden es weniger. Das berichtet Hans-Jürgen Schwabe vom Nabu in Hofgeismar.

Zu kämpfen hat der Singvogel mit den Veränderungen in der Landwirtschaft. Schwalben ernähren sich ausschließlich von in der Luft gefangenen Insekten. „Die werden aber durch die von den Bauern eingesetzten Pestizide immer weniger“ sagt Schwabe. Die fehlende Nahrung sei der Hauptgrund für die rückläufige Zahl der Mehlschwalbe, die ihr Nest beispielsweise an Häuser, Scheunen oder an Brücken baut.

Bei der Rauchschwalbe kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Die Vögel brüten nicht an Gebäuden, sondern bevorzugt in Viehställen. „Die Landwirte haben aber eine Auflage von der EU, dass die Ställe komplett verriegelt sein müssen“, so Schwabe. Diese Verordnung soll für mehr Hygiene sorgen und verhindern, dass andere Tiere ihren Kot im Stall hinterlassen.

Wie viele Schwalben jedes Jahr noch zu uns kommen, kann Schwabe nicht konkret beziffern. „Die Nabu führt zwar regelmäßig Zählungen durch, aber es gibt keine Möglichkeit, das flächendeckend zu bestimmen.“ Aber der Vogelexperte weiß: „In den 50er Jahren hatten wir etwa doppelt so viele Schwalben wie jetzt.“

Trotz des starken Rückgangs findet Schwabe die Zahlen nicht besorgniserregend. Dass durch die landwirtschaftlichen Veränderungen die Schwalbe - so wie Wiedehopf und Steinkautz - irgendwann ganz aus Nordhessen verschwindet, glaubt er nicht. Er geht er davon aus, dass sich der Schwalbenbestand irgendwann bei einer bestimmten Zahl einpendelt.

In Bad Karlshafen wird seit einigen Jahren mit einem Schwalbenhaus versucht, die Tiere anzusiedeln.

Hintergrund

Schwalbe brütet bis zu dreimal im Jahr

Schwalben gehören zu den Sperlingsvögeln und sind in Mitteleuropa Zugvögel. Sie suchen ein Winterquartier auf, weil sie hier im Winter keine Nahrung finden würden. Niedrige Temperaturen machen den Vögeln nichts aus. In unserer Region trifft man meistens Mehl- und Rauchschwalben an, selten auch Uferschwalben. Die Vögel erreichen in der Luft Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern. Gebrütet wird bis zu dreimal im Sommer, das Besondere: Der Nachwuchs aus den ersten Bruten hilft den Eltern bei der Aufzucht der jüngsten Brut. Äußerlich ähnelt der Mauersegler der Schwalbe sehr, sie sind aber nicht miteinander verwandt.

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