Sommerkultur lockt mit Kombination aus Essen und Kino

Kulinarisches Kino: Sommerkultur-Programmkoordinatorin Dorothea Fellinger vor der gedeckten Tafel. Foto: S. Hoffmann

Wülmersen. In Wülmersen hat das kulinarische Kino wieder begonnen. Am Wochenende lief der Film "Herbsmilch" - inklusive passendem Menü.

Vier Stunden hat sie nichts anderes gemacht, als Rouladen gewickelt. „Nach altem Rezept meiner Oma, mit Senf, Gurke, Zwiebel und Speck“, sagt Nicole Euler, während sie am Samstagabend vor der Küche im Hof des Wasserschlosses Wülmersen noch einmal tief durchatmet. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, denn an der hübsch gedeckten langen Tafel hinter ihr warten bereits 69 Gäste auf das Menü, das sie gemeinsam mit Carmen und Frank Baumann kocht.

Von Aufregung ist dennoch keine Spur, haben die Drei am Abend zuvor schließlich schon mal groß aufgefahren und die „Sommerkultur im Schloss“-Besucher mit regionalen Leckereien überzeugt.

Es ist nicht irgend ein Essen, das sie hier auftischen, soll es doch zum Film passen, der später als zweites Dessert im Kinosaal der überdachten Ruine des Alten Herrenhauses serviert wird. „Herbstmilch“ heißt der und entführt im Rahmen der Jahresausstellung „Hofgeschichten“ auf einen kleinen niederbayerischen Bauernhof, wo Anna Wimschneider nach ihrer Hochzeit im Jahr 1939 ein jahrelanges Martyrium durchleben musste, nachdem ihr Angetrauter Albert in den Krieg zog und die junge Frau mit ihrer Schwiegermutter und harter Stall- und Feldarbeit zurück blieb.

„Unser Menü hätte auch gut in jene Zeit gepasst“, sagt Frank Baumann. „Schweine wurden damals oft geschlachtet, ein Rind hingegen war eine seltene Delikatesse und eine Roulade halt auch, besonders für arme Bauern, zu denen auch Anna Wimschneider gehörte.“ Die Dill-Fenchel-Suppe, die von den ambitionierten Hobbyköchen als Auftakt gereicht wird, kam bei Wimschneider vielleicht öfter auf den Tisch, wohl aber nicht mit frisch geräucherter Forelle und schon gar nicht von der Wülmerser Fischzucht Dworak. „Die Verwendung frischer und regionaler Produkte liegt uns am Herzen, wir machen praktisch eine kulinarische Rundreise durch die Region“, sagt Baumann, der den Partyservice nur nebenbei betreibt und sich in erster Linie um seinen Getränkehandel in Trendelburg kümmert.

Die kreative Küche mit regionalem Touch ist es auch, die es Sommerkultur-Programmkoordinatorin und Museumsleiterin Dorothea Fellinger angetan hat: „Uns ist es wichtig, die Schönheit dieses Ortes zu transportieren, und das funktioniert in der Kombination Ausstellung, Kino und Essen wunderbar.“

Nur für Vegetarier ist nicht viel dabei, für die gibt es am kommenden Wochenende zwei Extratermine, dann angelehnt an den Dokumentarfilm „Der Bauer und sein Prinz“ und mit fleischfreien Gaumenfreuden. (zfs)

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