Bauern in Sorge: Wasservorrat bald erschöpft

Wetterwechsel machen Landwirten in Hofgeismar die Arbeit schwer

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Bodenrisse mangels Regen: Landwirt Eike Hancken zeigt Folgen der Trockenheit, wie sie sich im Frühjahr zeigten.

Warmer Winter, trockenes Frühjahr, später Frost: Wetterwechsel erschweren Landwirten die Planung dazu, was sie erfolgreich anbauen können.

Grundlegend ist die Wasserversorgung, gefährlich ist Bodentrockenheit. Dazu Fragen und Antworten.

Was bedeutet Bodentrockenheit?

Dann ist im Boden – abweichend von langjährigen Mittelwerten – nicht genügend Wasser vorhanden, das die Pflanzen nutzen können, sagt Eberhard Cramer vom Pflanzenschutzdienst beim Regierungspräsidium Gießen. In sandigen Böden können Pflanzen Wasser schnell nutzen, aber der Boden kann das Wasser nicht halten. Schwere Tonböden halten Niederschläge so fest, dass die Wurzeln das Wasser nicht aufnehmen können. Löss hält das Wasser und kann Pflanzen am meisten zur Verfügung stellen. Den gibt es aber nicht überall.

Welche Folgen hat das für den Ackerbau?

Das ist unterschiedlich, je nachdem, was angebaut wird. Zuckerrüben und Sommergetreide werden im Frühjahr ausgesät. Deshalb erreichen sie mit ihren kleinen Wurzeln nur Wasser in der oberen Bodenschicht. Kulturen, die im Herbst ausgesät wurden, haben längere Wurzeln. Die können Wasser noch in einem Meter Tiefe nutzen. Zum Beispiel Wintergetreide und Winterraps.      Fehlt im Frühjahr das Wasser im Oberboden, leiden Mais, Zuckerrüben, Sommergetreide und Kartoffeln. Allerdings befürchten die Landwirte, dass auch die Wasservorräte bald erschöpft sind, die Wintergetreide mit längeren Wurzeln erreichen kann.

Wie sieht es bei Milchbauern aus?

Die sechswöchige Trockenheit im Frühjahr bedeutet für sie wenig Grünmasse und damit wenig Futter für ihre Kühe. Dabei ist gerade der erste Schnitt im Mai wichtig, denn der ist der ertragreichste. Fehlt da was, kann das kaum aufgeholt werden.      Bleibt es trocken, wird der Zukauf schwierig, weil auch die Kollegen zu wenig Futter haben.

Aber es hat doch vor kurzem heftig geregnet?

Richtig. Aber von dem Niederschlag bleibt nicht viel. Das Wasser fließt so schnell ab, dass kaum etwas in den Boden eindringt. Im Gegenteil: Der Regen schwemmt fruchtbaren Boden weg, in angrenzende Orte.

Können Landwirte nicht einfach andere Pflanzen anbauen?

Bauern müssen sich wohl auf trockene Frühjahre und Sommer einstellen. Alternativen sind nicht leicht zu finden. Denn es lohnt sich ja nur der Anbau von Pflanzen, die mit der passenden Technik bearbeitet und geerntet und die erfolgreich vermarktet werden können. Inzwischen werden in Deutschland Soja und Hirse angebaut. Aber fehlt der Regen, hat auch deren Anbau keinen Erfolg.

Kann man die Verluste schon beziffern?

Der Grimelsheimer Eike Hancken rechnet mit 15 Prozent Verlust auf guten Böden, auf schlechten Böden mit noch mehr.

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