Stadt führt Bekämpfungsmaßnahmen durch

Hofgeismar: So wird Ratten der Garaus gemacht

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Lebensraum Stadt – auch für Ratten.

In Hofgeismar geht es derzeit den Ratten an den Kragen. Dazu hat die Stadt ein Unternehmen beauftragt, Giftköder auszulegen.

Ratten sind Krankheitsüberträger, vermehren sich rasant und lösen bei nicht wenigen einen Ekelfaktor aus. Auch in der Hofgeismarer Kanalisation möchte man möglichst wenige dieser Nager haben – können sie doch schnell zur Plage werden. Deshalb waren vergangene Woche zwei Schädlingsbekämpfer im Stadtgebiet unterwegs und besetzten Zugänge zur Kanalisation mit Giftködern.

Population nur klein

Das Gute vorweg: Hofgeismar selbst hat die Ratten im Griff, große Populationen sind hier nicht vorhanden. Dieses Fazit zogen Vitali Wall und sein Kollege Horst Hoffmann, nachdem sie in jeden zweiten Schacht aller Hofgeismarer Straßen das Gift ausgebracht hatten.

Um auf Nummer sicher zu gehen, werden die beiden Mitarbeiter der Firma Bertram aus Konken (Rheinland-Pfalz) in einem Monat wiederkommen, um zu prüfen, ob die tödlichen Wachsblöcke angenommen wurden. „Sehen wir dann beispielsweise, dass die Hälfte davon aufgefressen ist, müssen wir noch einen ausbringen. Hat sich nichts getan, gibt es dort kaum bis keine Ratten.“

Kein Essen ins Klo

Damit dies auch so bleibt, sollten niemals Essensreste in der Toilette entsorgt werden. „Man füttert damit die Tiere und lockt sie sogar an, denn es gab schon Fälle wo sie sich irgendwann im Klobecken zeigten“, berichtet Wall. Ebenso verhält es sich mit weiblichen Hygieneartikeln, die die Schädlinge anscheinend ebenso annehmen: „Ich habe schon Nester aus benutzten Binden gesehen, denn Ratten mögen Blut, weshalb diese Dinge niemals in der Kanalisation landen sollten“, appellieren sie an die Damenwelt. Während den beiden bei ihrem Berufsalltag hin und wieder mal ein Exemplar über den Weg läuft, so konnten sie in Hofgeismar keine einzige in Augenschein nehmen.

1200 Schächte bestückt

Insgesamt besetzten sie 1200 Schächte, waren in jeder Straße der Kernstadt und ihrer Stadtteile unterwegs. Da eine Anwohnerin am Schützenhagen die Schädlinge über die Straße hat laufen sehen, hätten sie dort die doppelte Menge ausgebracht.

Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma legen die Giftköder in der Hofgeismarer Kanalisation aus.

Um von den Autofahrern gesehen zu werden, parken sie dafür ihren Pkw möglichst nah am jeweiligen Zugang und machen zudem mit Aufstellern auf sich aufmerksam. Alles weitere geht dann recht schnell: Deckel hoch, Schmutzsieb raus und Köder in der Tiefe auf einem Vorsprung befestigen.

„Viele denken, dass wir dafür in den Kanal müssen, doch das ist falsch.“ Wirklich dramatische Begegnungen haben die Bekämpfer bei diesem Vorgang noch nicht erlebt: „Einmal nur war ich etwas überrascht, als ich den Deckel hoch machte und eine Ratte wie wild dort im Kreis im Drecksieb lief, sich aufbäumte und mich sogar frech anfauchte.“

Tod nach 3 bis 5 Tagen

Die Wanderratten, denn um jene geht es, sterben innerhalb von drei bis fünf Tagen nachdem sie vom vanilleartigen, roten Block genascht haben. Der Tod wird durch blutgerinnungshemmende Mittel bewirkt, nach deren Aufnahme die Tiere innerlich verbluteten. Ob das für die Ratten schmerzhaft ist, können die beiden nicht genau sagen, vermuten aber, dass dies nicht so sei. Da die Nager intelligent sind, wird kein schnell wirkendes Gift verwendet. Die Tiere würden den Köder sonst mit dem Tod des Artgenossen verbinden.

Sehen harmlos aus: Die Giftköder riechen nach Vanille und werden mit einem Draht befestigt.

Anzeichen für Befall

Schädlingsbekämpfer Vitali Wall erklärt, woran man sieht, ob Ratten vorhanden sind: Jede Ratte scheidet pro Tag um die 40 Kotballen von schwarz-länglicher Form aus, was ein erstes Anzeichen sein kann. Bei einem starken Befall macht sich ein strenger, ammoniakähnlicher Geruch bemerkbar, der vom Urin der Nager herrührt. Da die Tiere meist die gleichen Wege nutzen, häufig entlang von Mauern huschen, hinterlassen sie dort oft Fettspuren. Außerdem können schon kleine Spalten oder Löcher von zwei Zentimetern als Schlupfloch dienen, weiß der Experte. „Wenn der Kopf durchgeht, passt auch der Rest.“. Weil Rattenweibchen unter idealen Bedingungen bis zu zwölf Mal im Jahr werfen können und dabei durchschnittlich zehn Junge haben, können sie sehr schnell zum Problem werden.

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