Bereits mehrere Zwischenfälle

Kein Platz für Rettungswagen: Todkranker musste erst an Passanten vorbei

Beweisfoto: Bei dem Einsatz am 15. Juli hielt der Rettungswagen am Fußgängerüberweg, während der Notarztwagen (vorn) etwas später aus der anderen Richtung hinzukam. Die Wohnungstür des Patienten ist neben der blau-weißen Markise links zu erkennen. Von dort wurde er an den Tischen vorbei zum Rettungswagen gefahren, was für Aufregung sorgte. Foto: Schüssler/nh

Hofgeismar. Im Mai ging es gerade nochmal gut, als in der Hofgeismarer Fußgängerzone die Einfahrt für Rettungswagen zu schmal war. Jetzt wiederholte sich der Vorfall.

Ein todkranker Patient musste an Zuschauern vorbei zum Rettungswagen gefahren werden. Er starb später und seine Witwe erhebt nun Vorwürfe wegen dieses „menschenunwürdigen Zustandes“. So etwas dürfe sich weder hier noch an anderer Stelle wiederholen.

Der erste Zwischenfall ereignete sich am 1. Mai. Ihr schwer herz- und lungenkranker Mann musste wegen akuter Luftnot dringend ins Krankenhaus, berichtet Gisela Westerwelle. Damals verging wertvolle Zeit, weil der Rettungswagen nicht direkt von der alten B 83 die knapp 20 Meter vor das Wohnhaus fahren konnte: Stühle und Tische der Eisdiele ließen zu wenig Raum für die Durchfahrt. Stattdessen fuhr der Rettungswagen einen 900 Meter längeren Umweg über Schirmerstraße, Unteren Graben und Töpfermarkt. Damals warnte Sohn Marcel Westerwelle, dass es Fälle geben könne, in denen diese zusätzlichen Sekunden jemanden das Leben kosten könnten. 

Im Juli gab es nun einen weiteren Rettungseinsatz mit demselben Patienten und derselben Situation. Diesmal aber blieb der Rettungswagen am Fußgängerüberweg stehen und der Kranke wurde im Rollstuhl von der Haustür an den Eisdielenbesuchern vorbei mit umgehängten Katheterschläuchen zum Fahrzeug gefahren.

Da wusste der Todkranke bereits, dass er an diesem Abend sterben würde. Gisela Westerwelle: „Meinem Mann stand der Tod ins Gesicht geschrieben. Ihn so vor Publikum vorzuführen, das war menschenunwürdig. Das hätte man vermeiden müssen.“

Die Stadt Hofgeismar veranlasste am Donnerstag das Zurücksetzen der Eisdielenstühle. Umplanungen am anderen Ende der Fußgängerzone werden geprüft.

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