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Strom speichern mit Wasserstoff: Reinhard Vollmer aus Trendelburg setzt auf Innovation

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Von: Natascha Terjung

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Wasserstoffspeicher: In diesen Druckgasflaschen wird der produzierte Wasserstoff gelagert, der zuvor mit etwa 300 Bar verdichtet wurde. Die Flaschen stehen bei Reinhard Vollmer unter einem Dach im Garten.
Wasserstoffspeicher: In diesen Druckgasflaschen wird der produzierte Wasserstoff gelagert, der zuvor mit etwa 300 Bar verdichtet wurde. Die Flaschen stehen bei Reinhard Vollmer unter einem Dach im Garten. © Natascha Terjung

Durch die steigenden Kosten für Strom, Öl und Gas ist Energiesparen zum großen Thema geworden. Immer mehr Eigentümer wollen in neue Techniken investieren, viele haben es bereits getan.

Trendelburg – Dass auch ein altes Haus auf moderne Weise mit Energie versorgt werden kann, zeigt Reinhard Vollmer aus Langenthal. Sein 1870 erbautes Haus verfügt über eine Fotovoltaikanlage, eine Pelletheizung, eine Solarthermie-Anlage und ein Solar-Wasserstoff-System. Damit kann Vollmer den Stromüberschuss, der durch die Fotovoltaikanlage im Sommer entsteht, für den Winter speichern und nutzen.

Wie funktioniert das Ganze? Der überschüssige Strom, der im Sommer produziert wird, wird genutzt, um in einer Anlage Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Der Wasserstoff wird in großen Druckluftflaschen gespeichert. Diese Vorräte können über eine Brennstoffzelle wieder in elektrische Energie umgewandelt werden und im Winter – wenn die Sonnenstunden weniger werden und die PV-Anlage den Tagesbedarf – an Strom nicht decken würde, genutzt werden. Zusätzlich liefert die Solar-Wasserstoff-Anlage Wärme, die bei den Umwandlungsprozessen entsteht.

Vollmers Anlage speichert aber nicht nur Energie, sondern versorgt das Haus auch täglich mit Strom. Somit ist das alte Forsthaus unabhängig vom Netz. „Wir sind zu einer Strominsel geworden“, sagt der Förster, der beim Forstamt Wolfhagen für Naturschutz zuständig ist.

Strom speichern mit einer Solar-Wasserstoff-Anlage: Naturschutz ist für Reinhard Vollmer wichtig

Die Arbeit beim Forstamt sei es auch, die ihn mit der Natur und deren Schutz verknüpfe. Da erschien die Idee, sein Haus mit modernen Energieversorgungssystemen auszustatten, nicht weit weg. „Und es ist auch ein wenig technische Faszination“, sagt Reinhard Vollmer.

Mit einer App kann er die Anlage namens Picea überwachen und sehen, wie viel Energie gespeichert und verbraucht wird. Zusätzlich überwacht die Herstellerfirma das System und kann per Fernwartung Fehler beheben. Vieles gehe automatisch, erzählt Vollmer. So kann sich die Anlage zum Beispiel selbst abschalten und der Wasserstoff wird bei einem Schadensfall aus den Behältern, die im Freien stehen, abgelassen.

Auf die Solar-Wasserstoff-Anlage der Berliner Firma HPS sei er zufällig im Internet gestoßen. Viele Hersteller solcher Anlagen gebe es nicht, die deutsche Firma sei „noch verhältnismäßig klein.“

Um sich vor dem Kauf ein Bild des Systems zu machen, fuhren Reinhard Vollmer und seine Frau nach Berlin – immerhin ist die Picea mit einem Preis zwischen 80 000 und 100 000 Euro kein Schnäppchen.

Doch das sei für den Langenthaler nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen, als er sich dafür entschied, sein Haus umzurüsten. „Wirtschaftlich ist das nicht, aber man unterstüzt die Entwicklung neuer Energiesysteme.“ Vier Energiesysteme hat Vollmer im Haus, damit zu jeder Zeit genügend Strom und Wärme bereitstehen. Für den Förster bedeutet die Investition ein Schritt in Richtung nachhaltige und umweltfreundlichere Energieversorgung: „Die Sonne scheint kostenlos, wieso also soll man das nicht nutzen?“ (Natascha Terjung)

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