8,50 Euro pro Stunde:  Studenten leiden unter Mindestlohn

Schneidet gut ab: Für Moni Schindewolf und ihren Chef Jochen Lielischkies war der Mindestlohn kein Thema. In dem Grebensteiner Friseurgeschäft wird schon lange mehr als die geforderten 8,50 Euro bezahlt. Selbst eine weitere Anhebung des Mindeslohns wäre deshalb kein Problem. Foto: Rieß

Hofgeismar. Die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro vor einem Jahr hat im Kreisteil Hofgeismar keine Arbeitsplätze gekostet.

„Wir können nicht erkennen, wo Arbeitsplätze abgebaut wurden“, sagt Silke Sennhenn, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Kassel. Nur Praktikumsplätze für Studenten seien rar wegen der Regelung.

Die Einschätzung im Bezug auf die Arbeitsplätze teilen Unternehmer und Verbände, die von unserer Zeitung befragt wurden. Der Tenor der Aussage: Die Wirtschaft konnte den Mindestlohn bezahlen. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Erich Horbrügger: „Wir kritisieren nicht die 8,50 Euro, sondern die Bürokratie, die damit einhergeht.“ Angesichts einer insgesamt positiven Bilanz zum Mindestlohn bringt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles denn auch gleich eine Anhebung des Satzes ins Spiel, ohne sich jedoch auf eine konkrete Zahl festzulegen.

Dass eine weitere Anhebung Auswirkungen auf Angebot und Preis haben, macht der Hofgeismarer Taxiunternehmer Matthias Tschernich klar. Die Einführung des Mindestlohns in Hofgeismar hatte zwar keine Entlassungen zur Folge. Allerdings wurden die Fahrpreise leicht angehoben und die Fahrzeiten eingeschränkt. Taxi gibt es von Sonntag bis Donnerstag nur noch bis 23 Uhr. Früher war es bis 1 Uhr. Tschernich: „Das spart zehn Stunden pro Woche.“ Klagen will er aber nicht. Die niedrigen Spritpreise und die starke Nachfrage durch Flüchtlinge sorgten für eine gute Geschäftslage. Werde der Mindestlohn aber weiter erhöht, dann schlage das auf den Fahrpreis durch.

Die einzige Gruppe, so die Arbeitsagentur, die unter der Einführung des Mindestlohns richtig zu leiden hat, sind die Studenten. Viele von ihnen brauchen im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum. Und auch das fällt unter die Mindestlohn-Regelung, wenn es länger als drei Monate dauert.

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