Local Women’s Handicrafts

Spenden gegen ein Tabu: Studentin aus Hofgeismar hilft Frauen in Nepal

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Medizinstudentin Emmelie Pilger aus Hofgeismar zu Besuch in Nepal bei Local Women’s Handicrafts (LWH). 

Hofgeismar. Emmelie Pilger aus Hofgeismar hat sich ein Ziel gesetzt: Mit Mitstudenten unterstützt sie das soziale Unternehmen Local Women’s Handicrafts in Nepal und sammelte dafür Spenden in Hofgeismar.

Das neueste Projekt der LWH soll bei einem ganz bestimmten Problem helfen. Wenn Frauen in Nepal ihre Menstruation haben werden sie isoliert, Todesfälle werden in Kauf genommen.

Spardosen in Hofgeismar

„Angefangen hat alles mit einigen Spardosen“, erzählt Emmelie Pilger. Die 20-Jährige verteilte sie in Hofgeismarer Geschäften, um Spenden zu sammeln. Damit wollte sie zum Wiederaufbau des Dachs der Textilfirma in Nepal beitragen. Das Gebäude wurde 2015 bei einem verheerenden Erdbeben mit Tausenden von Toten zerstört. 

Auf das Unternehmen sei sie ganz zufällig gestoßen. Während ihres Medizinstudiums in Gießen verbrachte sie zwei Wochen in einem buddhistischen Kloster in Nepal. Am Tag der Abreise besichtigte sie das verfallene Gebäude. „Da hatte ich das Gefühl, das ist meine Möglichkeit, einen Unterschied zu machen.“

Korruption bei Spenden

Die Hofgeismarer spendeten 1000 Euro, die sie persönlich in Nepal übergab. „Nach dem Erdbeben hätte das ganze Land wieder aufgebaut werden können mit den vielen Spenden, leider kommt das meiste Geld wegen Korruption nicht bei der Bevölkerung an.“ Deshalb habe sie das Geld persönlich an Nasreen Sheikh in Nepal übergeben, die junge Gründerin von LWH, die international für Schlagzeilen sorgte (siehe Hintergrund).

Sanitary Pads

„Ihr Ziel ist, Frauen stärker zu machen“, so Emmelie Pilger. Dazu beitragen soll auch das neuste Produkt der LWH, die sogenannten Sanitary Pads, zu Deutsch: wiederverwendbare Binden. Diese können von Menschen weltweit gekauft werden, damit sie vor Ort kostenlos an Mädchen und Frauen verteilt werden können. 

Ein Sanitary Pad kostet sieben Euro und beinhaltet: Zwei Unterhosen, zwei Binden aus Baumwolle, vier Baumwolltücher, ein Täschchen zur Aufbewahrung, Seife und ein Nagelknipser. „Es ist kein Luxus wie wir ihn hier kennen, selbst Unterhosen sind eher etwas westliches, aber es ist ein wichtiger erster Schritt.“

Strenge Vorschriften

Eine Näherin bei der Arbeit: Bei Local Women’s Handicrafts werden unter anderem Schals, Handtaschen, Teppiche und Kissenbezüge, produziert. Auf Kundenwunsch können auch andere Produkte hergestellt werden.

Mit den Sanitary Pads können Mädchen dort auch während ihrer Periode zur Schule gehen. „Frauen, die ihre Periode haben, gelten als unrein und werden für diese Zeit in einem Raum eingesperrt“, beschreibt Emmelie Pilger die Lage vor Ort. In Dörfern gebe es gar eigens dafür gebaute Hütten. „So gab es auch schon tragische Todesfälle, beispielsweise als ein Mädchen von einer Schlange gebissen und nicht medizinisch versorgt wurde.“

Alles, was man als Frau in dieser Zeit berührt, wird unrein und muss sieben Mal geputzt werden, weiß Pilger aus Berichten von Nepalesinnen. Das Essen für den Mann bringen in dieser Zeit andere Frauen. Wichtiger noch als die Mittel zur Hygiene durch Sanitary Pads ist daher die Aufklärung. „Das sind oft völlig neue Information für sie, nicht mal Mütter reden mit ihren Töchtern über das Thema.“ Warum, das wisse man nicht. Vielleicht Scham, wahrscheinlich Unwissenheit.

Hintergrund: Local Women's Handicrafts

Nasreen Sheikh ist etwa 24 Jahre alt und setzt sich mit Local Women’s Handicrafts (LWH) für die Rechte von Frauen in Nepal ein. Als Zwölfjährige floh sie aus ihrer Heimat in die Hauptstadt vor einer Zwangsheirat. Dort erhielt sie von einem Amerikaner Unterricht in Englisch, Mathematik und Religion. 

Mittlerweile führt sie ihr eigenes Unternehmen, in dem die Mitarbeiterinnen entscheiden, welche Fähigkeiten sie erlernen wollen, von Nähen mit Maschinen bis zur Schmuckherstellung. Dabei wird auf faire Arbeitsbedingungen geachtet. Hier verdienen sie pro Monat umgerechnet 120 Euro. Für die gleiche Arbeit würden sie woanders 90 Euro bekommen, sagt Emmelie Pilger. LWH unterstützt soziale Projekte, wie den Aufbau von Lernzentren, um Frauen die finanzielle Selbstständigkeit zu ermöglichen. Informationen zu Spendenmöglichkeiten gibt es auf der Website des Unternehmens www.lwhnepal.com.

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