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Stutewecken: Hofgeismarer Tradition erinnert an mittelalterliche Sage

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Von: Tanja Temme

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Das erste Mal dabei: Erzieher Pascal Steinberg freute sich mit Mia Kraft (Mitte) und Finja Weß über die gebackenen Stutewecken. Die beiden Mädchen waren mit der Kindertagesstätte von der Adolf-Häger-Straße zu der Veranstaltung gekommen.
Das erste Mal dabei: Erzieher Pascal Steinberg freute sich mit Mia Kraft (Mitte) und Finja Weß über die gebackenen Stutewecken. Die beiden Mädchen waren mit der Kindertagesstätte von der Adolf-Häger-Straße zu der Veranstaltung gekommen. © Tanja Temme

Eine besondere Backware steht seit Jahrhunderten kurz vor Ostern in Hofgeismar im Mittelpunkt: Am gestrigen Mittwoch lockten die Stutewecken wieder.

Hofgeismar – Kinder in die Altstädter Kirche, wo nach zweijähriger Coronapause der beliebte Brauch fortgeführt wurde.

Bedenken durch die Pandemie

Waren früher an diesem Tag die Kirchenbänke voll besetzt mit Mädchen und Jungen, so sind diesmal viele Plätze freigeblieben. „Einige Tagesstätten hatten wegen der Pandemie noch Bedenken“, erklärte Bürgermeister Torben Busse.

Von den acht Einrichtungen, die sonst dabei waren, nahmen drei an der Traditionsveranstaltung teil. Die anderen gingen nicht leer aus: Die Stutewecken wurden gebracht.

„Um die 1000 haben wir in die Kindergärten gebracht und 1200 in die Kirche“, berichtete Diana Klinter von der Stadtverwaltung. Obwohl jedes Kind – und auch die begleitenden Erwachsenen – mindestens zwei Stutewecken erhielten, war am Ende der Veranstaltung noch gut die Hälfte übrig. Geplant sei, dass die Hofgeismarer Tafel diese für die Ausgabe an Bedürftige bekommen solle, sagte Klinter.

Viele Helfer beim Verteilen der Wecken

Unter anderem halfen 25 Stadtverordnete und Magistratsmitglieder beim Verteilen der Wecken, so ging es schnell vonstatten. Zuvor wurde in einer Andacht die Sage von dem ermordeten Jungen erzählt. Danach sollen im Mittelalter Schüler der Burgfrau vom Schöneberg geholfen haben, den Mord an ihrem Sohn aufzuklären. Als Dank sollen Kinder Stutewecken bekommen haben.

Warum diese so heißen, weiß Wolfgang Rehm, der viele Jahre als Stadtführer Besuchern unter anderem die Sage erzählte: „Ein Stuten ist eine Art Brot aus Milch und Hefe, eine Wecke wiederum ist ein Brötchen“, erklärte der Hofgeismarer. „Weil die Backwaren ursprünglich aus Milchbrötchenteig gemacht wurden, kam der Begriff zustande.“

Auch die Dreiteilung der Wecken kann Rehm erklären: „Das soll die Nachbildung des Knaben Kurt sein, mit Kopf, Bauch und Beinen.“

Noch bis ins 19. Jahrhundert sollen die Stutewecken eine andere Form gehabt haben, berichtet Stadtführer Claus Schubert: „Damals waren die Stutewecken viel filigraner und bildeten ein Männchen.“

Die Arbeit für die Bäcker war zu aufwendig

Diese Arbeit sei den Bäckern vermutlich später zu aufwendig gewesen, sodass sie zu der heutigen Form übergingen. All das kümmerte die mehr als 100 Kinder am Mittwoch wenig. Sie waren vor allem neugierig, die Wecken zu probieren. „Das schmeckt lecker wie ein Brötchen“, stellte Kindergartenkind Mia fest.

Vor mehr als 50 Jahren hatte der Brauch noch viel mehr Zulauf, erzählt Rehm. Damals seien fast alle Hofgeismarer Kinder durch die Stadt zur Kirche gezogen. Corona, die Ferien und vielleicht auch geringeres Interesse sorgten inzwischen für weniger Teilnahme, resümierte Rehm. (Tanja Temme)

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