Harvard-University forscht

Suche nach einem Notenschatz von Komponistin aus Hofgeismar

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Suchen in Hofgeismar und Umgebung nach verschollenen Noten: (von links) Dr. Angelika Horstmann (Musikwissenschaftlerin), Schirmherrin Eva Kühne-Hörmann, Julia Drinnenberg (Stadtmuseum) , Renate Matthei (Verlegerin) , Dr. Helmuth Greger (Urenkel) und Uni-Bibliothekarin Dr. Brigitte Pfeil . 

Hofgeismar. Die europaweit bekannte Komponistin Luise Greger lebte in Hofgeismar – Forscher hoffen auf nun auf Dachbodenfunde in Hofgeismar. 

Ein Projekt an der Harvard-University befasst sich mit ihrer Lebensgeschichte, Musikstudenten entdecken ihre anspruchsvollen Lieder neu, immer mehr Menschen in der Region interessieren sich für das Werk der in Kassel und Hofgeismar lebenden und 1944 in Merxhausen gestorbenen Komponistin Luise Greger.

Das Einzige, was fehlt, ist ein Großteil ihrer Noten.

Als geschiedene Frau mit drei Kindern sei sie in Kassel gesellschaftlich anerkannt und als Komponistin erfolgreich geblieben, schilderten ihr Urenkel Dr. Helmuth Greger und Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann als Schirmherrin die Situation der Frau, die in ihrer Wohnung in Kassel regelmäßig musikalische Salons veranstaltete. Ihre Lieder gehörten zum Repertoire berühmter Sänger und ihre Werke wurden in Dresden und Leipzig, in München, Köln und vielen anderen Städten aufgeführt.

Ihre direkten Nachfahren redeten wenig über die Komponistin, die, obwohl gesund, im Alter von 80 Jahren ein Opfer des Euthanasieprogramms der Nazis wurde. Erst in jüngster Zeit konnten ihr Urenkel und andere Musikinteressierte Puzzleteile aus ihrem Leben entdecken und Notizen zusammenfügen. 2009 übergab Dr. Greger dem Furore-Musikverlag in Kassel eine Kiste mit ihren Noten.

 2013 wurden ein Fußweg in Kassel nach ihr benannt und eine Tafel an ihrem letzten Wohnhaus angebracht. Zu Luise Gregers 70. Todestag 2014 gab es Aufführungen der wiederentdeckten Weihnachtsoper „Gänseliesel“, die 1933 in Baden-Baden Premiere hatte und wegen des großen Erfolgs bis März 1934 weitergespielt wurde.

Bislang sind 152 Lieder und zwei Opern von Luise Greger bekannt, vermutlich hat sie als eine der damals berühmtesten Komponistinnen ihrer Zeit aber weitaus mehr verfasst, meint die Kasseler Musikverlegerin Renate Mattheis. 

Kaum ein Drittel der Werke liegt bisher tatsächlich als Urschrift oder als Druck vor, aber die Universitätsbibliothek in Kassel hat ihre Bestände inzwischen digitalisiert und über ihre Orka-Seite öffentlich zugänglich gemacht.

Eher zufällig sind, etwa kürzlich in zuvor nicht erfassten Dokumenten der Murhardschen Bibliothek in Kassel oder im Zusammenhang mit einer Haushaltsauflösung, Noten wieder aufgetaucht.

Jetzt setzen die Forscher auf Luise Gregers vier letzte Lebensjahre in Hofgeismar. „Wie gehen davon aus, dass sie ihre Noten beim Umzug nach Hofgeismar mitgenommen und auch hier Hauskonzerte gegeben hat“, meint Verlegerin Matthei. Sie ist ebenso wie die Musikwissenschaftlerin Dr. Angelika Horstmann davon überzeugt, dass viele dieser Noten noch in Hofgeismar und Umgebung existieren. Möglicherweise unentdeckt auf Dachböden, in Notensammlungen, in Schränken oder Bibliotheken. 

Sie hoffen, dass Musiker oder Erben ihre Noten einmal nach dem Namen Luise Greger durchsuchen und sich beim Verlag (0561/5004 9311) oder im Stadtmuseum Hofgeismar (05671/4791) melden. Die Noten würden dann eingescannt und natürlich zurückgegeben.

Mehr Infos: www.greger-luise.de

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