Gespräch mit Energieversorger GGEW AG und Planer ABO Wind

Südhessen zu Windpark: „Haben realistische Pachten geboten“

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Neue Windkraftanlagen: Der Bau neuet Anlagen bahnt sich erstmals auch im Reinhardswald an. Bis zu 20 davon sollen allein im Bereich am Gahrenberg entstehen. Das Foto entstand vor einigen Monaten an einer Windkraft-Baustelle bei Wolfhagen. 

Reinhardswald. Statt der nordhessischen Energiegenossenschaft Reinhardswald soll eine südhessische Bietergemeinschaft die ersten Windräder im Reinhardswald bauen. Diese äußerte sich nun erstmals.

Die GGEW AG ist ein kommunaler Energieversorger, die ABO Wind ein Planer. Wir sprachen mit Florian Grob, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien (GGEW), und Lena Fritsche, Sprecherin der ABO Wind.

Frau Fritsche, Herr Grob, Ihre Bietergemeinschaft hat die Energiegenossenschaft der heimischen Kommunen ausgestochen, die Windkraftkritiker haben bereits Widerstand gegen Ihre Pläne angekündigt. Der Empfang in der Nordspitze könnte also recht eisig werden. Wie gehen Sie damit um?

Fritsche: Wir freuen uns, wenn wir ein gutes Klima vorfinden. Aber es wäre nicht unser erstes Projekt, bei dem wir Gegenwind bekommen. Wir werden transparent planen, die Akteure vor Ort und die Bürger mitnehmen. Wir hoffen, dass wir so in einen Dialog treten. Dadurch können oft Spannungen herausgenommen werden.

Grob: Durch Transparenz wollen wir zur Versachlichung beitragen und einen Dialog anstoßen. Es gibt oft Ängste und Vorbehalte, die grundlos sind.

Die EGR hält nur 14 Windräder auf dem Gahrenberg für genehmigungsfähig und betreibbar, Sie 20. Wie kommen solche Unterschiede zustande?

Fritsche: Mit 20 Anlagen lagen wir laut Hessen Forst im Mittel aller Angebote. Es gab Bieter mit deutlich mehr Anlagen. Wir haben uns das Gebiet vor Ort angeguckt und mit den üblichen Kriterien geplant. Wie viele Anlagen realisiert werden, hängt von den Gutachten ab. Sehr häufig ändert sich die Anzahl noch.

Grob: Aussagen zur Anlagenzahl hängen von verschiedenen Grundannahmen ab. Denn es gibt noch keine verlässlichen Daten. Wir müssen unter anderem Windmessungen und weitere Untersuchungen des Gebiets durchführen. Möglicherweise haben Wettbewerber mit anderen Berechnungsgrundlagen gearbeitet.

Ein Vorwurf lautet, dass Sie möglicherweise dem Hessen Forst Pachtversprechungen gemacht haben, die nicht haltbar sind. Was entgegnen Sie?

Fritsche: Das gibt es bei uns nicht. Wir haben realistische Pachten geboten, weil wir das Projekt umsetzen wollen.

Grob: Es gibt hierzu keinen Anlass. Als konzernunabhängiges, rein kommunales Unternehmen steht die GGEW AG für Seriosität.

Mit welchen Windkraftanlagen planen Sie?

Fritsche: Wir planen mit der neuesten Generation der 3-Megawatt-Klasse. Sie werden circa 230 Meter hoch sein. Die Nabenhöhe beträgt rund 160 Meter.

Werden Sie die Anlagen selber betreiben?

Grob: Wir als GGEW AG sind angetreten, das Projekt mit ABO Wind zu realisieren und später zu betreiben. Dafür wird eine branchenübliche eigene Windparkgesellschaft gegründet werden.

Werden sich Bürger daran beteiligen können?

Grob: Bürgerbeteiligung ist für uns wichtig. Es ist aber noch zu früh, sich zu konkreten Beteiligungskonzepten zu äußern. Denkbar wäre grundsätzlich aber die Beteiligung über eine Energiegenossenschaft oder ein Nachrangdarlehen. Interessierte Bürger erhielten dann für ihr Geld eine sichere Verzinsung von der GGEW AG unabhängig vom Stromertrag des Windparks. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Windbonus auf den Stromtarif - für Leute, die bei uns Kunde sind oder Kunde werden.

Eine Beteiligungsmöglichkeit für die Kommunen ist nicht geplant?

Grob: Es ist zu früh, auch dazu Aussagen zu treffen. Bei anderen Projekten haben wir aber Kommunen die Möglichkeit gegeben, sich zu beteiligen.

Windkraftkritiker haben bereits angekündigt, das Projekt so teuer wie möglich zu machen. Wie gehen Sie damit um?

Fritsche: Wir haben bei vielen Projekten mit Bürgerinitiativen zu tun, sind gesprächsbereit und gehen gern in den Dialog: Auf unseren Internetseiten stehen alle wichtigen Ansprechpartner. Zudem werden wir Infoveranstaltungen anbieten.

Wann werden ABO Wind und GGEW das erste Mal in der Nordspitze öffentlich auftreten?

Fritsche: Wir sind aktuell mit Hessen Forst in Abstimmungsgesprächen. Auch die ersten Gutachten werden derzeit beauftragt. Eine öffentliche Veranstaltung in den nächsten Monaten ist realistisch. Dort werden wir über das Vorhaben und die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung informieren. Grob: Das ist ein Spagat, weil die Leute Antworten wollen. Laden wir zu früh ein, haben wir noch keine Antworten, weil die Planung noch nicht so weit ist. Wir werden auf jeden Fall rechtzeitig, also nicht erst kurz vor Antragstellung, informieren.

Werden Sie sich um weitere Gebiete im Reinhardswald bemühen, den Langen- und Hahneberg beispielsweise?

Grob: Das hängt von der zeitlichen Abfolge weiterer Ausschreibungen ab. Als Bietergemeinschaft wollen ABO Wind und GGEW aber erstmal nur beim Gahrenberg auftreten.

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