Von Brötchen bis Brokkoli

Mit diesen Glücksbringern kommen die Lebensmittel zur Tafel in Hofgeismar

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Verteilen statt Vernichten: Hier sind Friedrich Rau (links) und Heinz Sagner dabei, die Kisten voller Lebensmittel zu stapeln.

Sie holen Zwetschgenkuchen, Milchprodukte und Gemüse. Heinz Sagner und Lothar Spenner packen mit an, damit 660 bedürftige Menschen satt werden. So kommen die Lebensmittel zur Tafel.

Einmal pro Woche sind Heinz Sagner und Lothar Spenner Glücksbringer. So zumindest steht es in großen Lettern auf dem Transporter, mit dem sie für die Hofgeismarer Tafel Lebensmittel in Supermärkten, Bäckereien und Fleischereien in der Region einsammeln. 

Wir begleiteten die beiden auf einer Tour.„Wir bringen Freude für den Gaumen und sorgen für einen vollen Magen“, erklärt Sagner den Hintergrund der Glücksbringer. 16 Männer gehören zu dem Fahrerteam, in dem oft Muskelkraft gefragt ist. Dafür ist die Lebensmittelausgabe vor allem mit Frauen besetzt.

Etliche Male werden die beiden Ehrenamtler an diesem Vormittag aus dem Auto aus- und wieder einsteigen. Zum ersten Mal gleich an der Ausgabestelle, wo die geleerten Kisten eingesammelt werden. „Jetzt geht es los nach Espenau, dann nach Immenhausen, Calden und am Ende Grebenstein.“ Ein paar Behältnisse voller Obst und Gemüse erwarten sie schon bei ihrem ersten Stopp. Nicht mehr alles ist brauchbar, stellt der 66-jährige Sagner aus Ostheim fest und wählt mit flinker Hand die besten Stücke aus. Unterwegs können sie nur eine Vorauswahl treffen. Ganz genau werden die Kolleginnen beim Einräumen der Ware hinschauen.

An der nächsten Station, einer Bäckerei, wird zuerst der Zustand der Brötchen überprüft. „Wenn sie zu hart sind, möchte die niemand haben, das ist dann vertane Mühe.“ Leckeres Backwerk wie Windbeutel oder Zwetschgenkuchen wandert dort in den Transporter.

Gerade Heinz Sagner, der schon sechs Jahre im Fahrdienst tätig ist, kennt die Unterschiede der Anlaufstellen. Zu den Besseren zählt etwa ein Caldener Supermarkt, der der Tafel abgelaufene Milchprodukte spendet. „Gerade Joghurt und Käse haben wir sehr wenig. Deshalb sind wir froh, diese Dinge hier zu bekommen“, berichtet Lothar Spenner, der vor einem halben Jahr zur Tafel kam. Am häufigsten bekommen sie Obst und Gemüse, weil die schnell verderben.

Drei bis vier Tonnen Lebensmittel pro Woche

Nach gut drei Stunden Fahrzeit steuern die beiden ihr letztes Ziel des Tages an. „Leider ist es heute nicht so viel“, ruft ihnen von weitem eine Mitarbeiterin eines Grebensteiner Marktes zu. Dennoch werden zwei Kisten voll, darunter viele hochpreisige Produkte. Im Schnitt kommen pro Woche drei bis vier Tonnen Lebensmittel zusammen.

Dann geht es flott zurück zur Ausgabestelle, wo die Spenden durch eine praktische Luke in der Hauswand zur Vergabestelle geschoben werden. „Es ist ein sinnvolles Ehrenamt, das zudem auch noch Spaß macht“, resümieren Spenner und Sagner am Ende dieser Tour. Würden sie die vielen Lebensmittel nicht einsammeln, würde diese in der Mülltonne landen.

660 Menschen profitieren in Hofgeismar von der Tafel

Die Hofgeismarer Tafel versorgt 660 bedürftige Menschen. Bei den Ausgabeterminen gibt es Schwankungen. Gerade zum Monatsende, wenn das Geld knapp wird, kommen mehr. Da der Vergaberaum klein ist, verfügt die Tafel noch über ein Lager am Ortsrand von Hofgeismar. „Extrazuweisungen wie Waschmittel oder Wurstwaren von größeren Tafeln haben wir dort eingelagert“, sagt Gerhard Bachmann, der in stellvertretender Funktion derzeit den Fahrdienst leitet. 

Für diesen sucht er übrigens noch Freiwillige „mit oder ohne Führerschein“. Neben den neun Touren, die wöchentlich stattfinden, finden auch Extrafahrten statt, wie im Oktober, wenn die Fahrer das ausgestellte Obst und Gemüse der Erntedankfeste im Kreis einsammeln. Die Hofgeismarer Tafel ist eine von 35 in Hessen.

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