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Team aus Helmarshausen ist bei der Olympia-Rallye dabei

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Von: Markus Löschner, Denise Dörries

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Bernhard Brauner (links) und Reinhard Spindler: Das Team aus Helmarshausen und der rennstarke Ford Escort Baujahr 1969 sind startklar.
Bernhard Brauner (links) und Reinhard Spindler: Das Team aus Helmarshausen und der rennstarke Ford Escort Baujahr 1969 sind startklar. © Markus Löschner

Mit der Startnummer 51 gehen die beiden Helmarshäuser Reinhard Spindler und Bernhard Brauner beim Revival der Olympia Rallye 1972 in Kiel an den Start.


Helmarshausen – Die Bewerbung des erfahrenen Teams für einen Startplatz kam beim Veranstalter gut an, da das Fahrzeug von Reinhard Spindler, ein Ford Escort RS 2000 Baujahr 1969, gut ins Feld passt und die Rallye in Bad Karlshafen Station macht.

„Das ist eine einmalige Sache - das wird es nie wieder geben“, freut sich Beifahrer Bernhard Brauner auf die Rallye. Die Idee, die historische Rallye wiederzubeleben und die lange Strecke durch ganz Deutschland reizt die beiden, die sonst bei Rallyes mit Bestzeitprüfungen unterwegs sind. Zwischen Kiel und München stehen dagegen auf 292 Kilometern Gleichmäßigkeitsprüfungen und Orientierungsaufgaben an. „Das ganze hat auch einen touristischen Wert - wir kommen mit dem Auto an Orte, an die wir so nie wieder kommen“, sagt Brauner.

Team und Fahrzeug sind jedenfalls startklar: Fahrer und Beifahrer mussten ihre Fitness per ärztlichem Attest belegen. Sie halten sich mit dem Mountainbike in Reinhardswald und Solling fit. Das Auto bekam geeignete Reifen, Motor und Getriebe sind ohnehin vor Kurzem ausgewechselt worden. „Der Motor wurde für diese Fahrt alltagstauglich eingestellt, da es nicht um Beschleunigung und Endgeschwindigkeit geht“, erklärt Reinhard Spindler.

Helmarshäuser Team ist schon seit den Siebzigern im Rallyesport aktiv

Die Zweilitermaschine bringt 256 PS auf die Straße und verbraucht im Rennen 35 Liter Benzin. Bei der anstehenden Olympiarallye wird es nun ein Drittel weniger sein, schätzt Spindler.

Seit Mitte der Siebzigerjahre sind die beiden Helmarshäuser im Rallyesport aktiv, seit dem Jahr 1981 fahren sie in ganz Deutschland zusammen. 1990 gewannen sie die Drei-Königs-Rallye. Bei der Olympiarallye hat es Bernhard Brauner mit täglich 100 Seiten Bordbuch zu tun, bedient den Wegstreckenzähler und diverse Stoppuhren und muss dem Fahrer präzise Angaben machen.

„Ich muss blind auf ihn hören“, sagt Reinhard Spindler und ergänzt: „Ein Beifahrer darf vor allem keine Angst haben.“ (Markus Löschner)

Wilhelm Neutze erlebte vor 50 Jahren die jubelnde Menge

Grebenstein – „Es gibt Sachen, die baut man sich auf und lässt sie nie wieder los“, so spricht Wilhelm Neutze aus Grebenstein über sein größtes Hobby, den Rallyesport. Gerade jetzt, wo die Olympia Rallye nach 50 Jahren ein Revival erlebt, schwelgt Neutze in Erinnerung an die aufregende Zeit und an seine eigene Teilnahme im Jahr 1972.

Wilhelm Neutze mit der Startnummer.
Wilhelm Neutze mit der Startnummer. © Denise Dörries

Die Begeisterung für den Rallyesport entflammte bereits Ende der 60er Jahre mit seinem Eintritt in den Automobilclub MSC Weser-Diemel in Bad Karlshafen. Seinen ersten großen Erfolg erzielte er 1971 mit dem Klassensieg bei der Hanseatic Rallye in Hamburg und auch nach der Teilnahme an der Waldeck-Rallye und der Göttingen-Rallye nahm der Eifer nicht ab – das Gegenteil war der Fall und so folgte die Teilnahme an der Olympia-Rallye vor 50 Jahren. „Wir wurden der Sache nicht mehr satt und wollten unbedingt mitfahren“, sagt Neutze begeistert.

Wilhelm Neutze aus Grebenstein war bei der Olympia-Rallye 1972 dabei

Die Olympia-Rallye setzte neue Maßstäbe für Deutschland und brach alle Rekorde: 3270 Kilometer Strecke, 62 Wertungsprüfungen über 632 Kilometer auf Bestzeit, 360 angenommene Teams sowie 307 Starter, davon 145 in Wertung im Ziel – und vor allem Tausende von Zuschauern überall an der Strecke. Die jubelnde Menge überwältigte auch Neutze: „Die Begeisterung der Zuschauer an der Strecke war mit nichts zu vergleichen.“

Im Fiat 127 und der Startnummer 355 ging es mit damals stolzen 45 PS für Neutze und seinen Teamkollegen Alfred Gorny an den Start. Im Schlepptau ein Servicewagen, gesponsert vom Grebensteiner Autohaus Lund.

Das damalige Startauto, ein Fiat 127, von Wilhelm Neutze und Alfred Gorny.
Das damalige Startauto, ein Fiat 127, von Wilhelm Neutze und Alfred Gorny. © Privat

Die Route führte von Kiel bis nach München. Für das Gespann Gorny/Neutze nur fast bis nach München, denn 150 Kilometer vor dem Ziel brach nach einer Sprungkuppe der Verteilerfinger und sie mussten auf Platz zwei liegend aufgeben. Das Ersatzteil befand sich im Servicewagen, der sich schon am Ziel der Wertungsprüfung befand, ein Handy um diesen zu kontaktieren gab es nicht. Nach dem Ausscheiden konnte sich das Team den zweiten Platz nicht mehr sichern, die Gewissheit an einer einmaligen Automobilrallye in Deutschland mitgemischt zu haben, bleibt aber, wie auch Neutze bestätigt: „Das war ein Erlebnis, welches nie mehr wiederkommt.“

Den Rallyesport lässt Neutze bis heute nicht hinter sich. Als Mitglied im Automobilclub MSC Weser-Diemel steht der 74-jährige Grebensteiner immer noch mit Rat und Tat zur Seite. Auch zum Revival der Olympia-Rallye kommt Neutze an den Streckenrand: „Natürlich bin ich in Bad Karlshafen mit dabei“. Dann ist das Fahrer-Gespann von vor 50 Jahren wieder komplett, denn auch Alfred Gorny findet den Weg nach Bad Karlshafen. (Denise Dörries)

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