Tägliche Routine läuft weiter

Tierpark Sababurg: Dickes Fell in Lockdown-Zeiten

Viererbande: Seit Kurzem hat der Park eine neue Tierart, nämlich Schwarznasenschafe. Das Quartett ist im Streichelzoo bei den Ziegen untergebracht.
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Viererbande: Seit Kurzem hat der Tierpark Sababurg eine neue Tierart, nämlich Schwarznasenschafe. Das Quartett ist im Streichelzoo bei den Ziegen untergebracht.

Seit mehr als zwei Monaten hat Hängebauchschweinchen Rosi keine Tierpark-Besucher zu Gesicht bekommen.

Sababurg - Extreme Ruhe herrscht seit November auf den Wegen des Areals an der Sababurg – eine ungewohnte Stille, die eine ganz eigentümliche Stimmung auf dem gesamten Gelände hervorbringt.

Die Besucher bleiben weg, die Arbeit geht weiter. Auch die 18 Jahre alte Schweinedame Rosi muss versorgt werden. Tierpfleger Lukas Rehbein nähert sich mit einem Eimer voller Leckereien dem Gehege. Während ein Teil der kleinen Rotte dort noch gemütlich in der Hütte schlummert, steuert Rosi zielstrebig auf den jungen Mann zu und erbettelt sich sogleich ein paar Apfelschnitzen.

„Zweimal täglich kommen wir hier zum Füttern vorbei“, sagt der 23-Jährige. Zufrieden stellt er fest, dass die Hängebauchschweine seit dem Lockdown doch einige Kilos verloren haben – es gibt eben nun keine Extraportionen an Futter mehr für die Borstentiere. Auch auf zusätzliche Streicheleinheiten durch die Besucher müssen die vier Schweine erst einmal verzichten.

Auch Ziegen und Esel haben in andern Zeiten oft dichten Kontakt zu den Besuchern. Da sie nun ihre Nasen nicht mehr in die Taschen der Leute stecken, keine Futtertüten stibitzen oder ein Ohrenkraulen fordern können, müssen sie sich anders die Zeit vertreiben. Immerhin sorgen auf der Eselwiese zwei Junge und im Ziegenstall vier neue Mitbewohner, nämlich Schwarznasenschafe, für Abwechslung.

Dreifachen Nachwuchs gab es Anfang Dezember auch bei den Humboldtpinguinen. Im Schnee kommen sie nur kurz zum Fressen an Land und gehen dann schnell wieder zurück ins Wasser. „Da Pinguine eine ziemlich dicke Fettschicht haben, muss man sich keine Sorgen um sie machen“, sagt Rehbein. Grundsätzlich macht den Pinguinen das Ausbleiben der Besucher nicht viel aus – ganz ähnlich den Erdmännchen, die übrigens in Kürze Nachwuchs erwarten.

Tiere, die Winterschlaf halten, gibt es im Tierpark Sababurg nicht. Lediglich die Waschbären und die Sumpfschildkröten halten Winterruhe, leben jetzt also etwas zurückgezogen. Während Rentiere und Elche großen Gefallen am winterlichen Weiß zu haben scheinen, mussten für die Störche Vorkehrungen getroffen werden. „Wir haben für sie eine Wärmelampe installiert, damit sie mit der Witterung klarkommen“, erklärt Rehbein.

Dass im Tierpark derzeit Ausnahmezustand herrscht, wird einem schon beim Betreten der Anlage klar: Menschenleer wirkt die Allee – nur das fröhliche Piepen der Wellensittiche ertönt durch die Stille.

Einen Lichtschein entdeckt man nur aus Richtung Futterküche, wo man beim Blick durchs Fenster zwei Mitarbeiter beim Schnippeln von Obst und Gemüse sehen kann. „Es macht immer Freude mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen – insofern fehlt auch mir der normale Betrieb“, sagt Rehbein. Er hofft auf jeden Fall, dass bald alles wieder beim Alten sein kann. (Tanja Temme)

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