Auch im Winter geöffnet 

Wieder Besucherrekord: Tierpark Sababurg so beliebt wie nie zuvor 

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Andrang: Bei Großveranstaltungen sind oft viele Menschen im Park unterwegs, doch die Massen verteilen sich schnell im großen Gelände. 

Hofgeismar/Sababurg. Zum fünften Mal in Folge kann der Tierpark Sababurg einen Besucherrekord melden. Im kommenden Jahr wird unter anderem in das Luchsgehege investiert. 

Die bisherige Besucher-Bestmarke von knapp 340 000 Gästen, die vergangenes Jahr aufgestellt wurde, ist bereits jetzt überschritten, sagte Uwe Pietsch, Leiter der Eigenbetriebe beim Landkreis Kassel, auf Anfrage unserer Zeitung. 

343 000 Besucher wurden bislang gezählt. Läuft der mittelalterliche Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende gut und gibt es noch einige schöne Tage, dann „schaffen wir möglicherweise die 350 000-Marke“. Das vor einigen Jahren eingeschlagene Konzept, mit besonderen Veranstaltungen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, hat sich damit bewährt. Allein zum Mittelalter-Spektakel kamen 20 000 Gäste. Logistisch stößt der Tierpark damit an seine Grenzen. 

Das bisherige Nadelöhr, der Eingangsbereich konnte aber in diesem Jahr beseitigt werden. Gab es in der Vergangenheit bei Großveranstaltungen im Tierpark oft lange Schlangen und Wartezeiten an der Kasse, so konnte dies durch die Umgestaltung beseitigt werden. Pietsch: „Seither gab es keine einzige Beschwerde. Im Gegenteil: Der neu gestaltete Kassenbereich wurde von allen gelobt.“

Viel Lob habe es auch für den Service, die Sonderführungen und Großveranstaltungen im Tierpark gegeben, berichtet Pietsch. Für die Verantwortlichen ist dies Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugeben. Dass der Tierpark 2018 erneut einen Besucherrekord verzeichnet, komme ja nicht von ungefähr. 

Vor allem der Nachwuchs der Tiere hat auch in diesem Jahr wieder viele Besucher entzückt.  

Zum Vergleich: Vor zehn Jahren kamen gerade einmal 180 000 Menschen in den 130 Hektar großen Tierpark. Jährliche Verbesserungen sorgen dafür, dass es seither stetig bergauf geht. Doch trotz des neuerlichen Besucherrekords bleibt in der Kasse immer noch ein kleines Minus: Etwa 200 000 Euro wird es in diesem Jahr betragen.

Im Winter durchgehend geöffnet

Der Tierpark Sababurg ist auch im Winter geöffnet. Von November bis Februar können Besucher zwischen 10 und 16 Uhr das weitläufige Gelände besuchen. Der Eintritt kostet für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahre 8 Euro. Kinder ab vier Jahren, Schüler und Studenten zahlen 4,50 Euro. Jahreskarten kosten 22 beziehungsweise 12 Euro. 

Der Tierpark ist an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs angeschlossen. Sowohl vom Bahnhof Hofgeismar als auch von Hann.Münden verkehren regelmäßig Busse der Linie 190 direkt zum Tierpark. Am Eingangsbereich stehen 550 Parkplätze kostenfrei zur Verfügung. Insgesamt leben im Tierpark über 900 Tiere, im Urwildpark, im Kinderzoo, in der Greifvogelstation und im Arche Park mit dem dazugehörigen Bauernhof.

Fragen und Antworten zum Tierpark Sababurg

Der Tierpark Sababurg ist eines der Aushängeschilder der Region. International bekannt wurde er für die Rückzüchtung der Przewalski Pferde. 1571 als Tiergarten angelegt zählt der 130 Hektar große Park zu den größten und ältesten Wildparks Europas. 1973 wurde er wiedereröffnet.

Wie viele Tiere sind im Tierpark zu sehen?

Es gibt 80 verschiedene Arten und 900 Tiere, sagt der Leiter der Tierparkverwaltung Karl Görnhardt. „Neben der Haltung der vom Aussterben bedrohten, heimischen Wildtierarten werden auch Nutztierrassen, denen man eine gewisse Ähnlichkeit zu ihren ausgerotteten Vorfahren zuspricht, gehalten“, heißt es auf Wikipedia.

Dauerlieblinge: Die Erdmännchen, die sich im Freien ganzjährig unter Wärmelampen aalen können, sind seit Jahren neben den Wellensittichen und Pinguinen die Publikumslieblinge. Der Schwerpunkt des Tierparks liegt aber in der Erhaltungszucht bedrohter europäischer Tierarten.

Wie viele Menschen arbeiten im Tierpark?

„Wenn wir unsere Weihnachtsfeier machen, und alle kommen, dann sind wir 60“, nennt der Betriebsleiter der Eigenbetriebe des Landkreises, Uwe Pietsch die Zahl. In dieser Zahl enthalten sind also auch Teilzeitbeschäftigte und junge Menschen, die dort ihr Freiwilliges Soziales Jahr machen.

Wieviel lässt sich der Landkreis den Tierpark kosten?

Das Defizit ist mit 200 000 Euro relativ gering. Um den Betrag einzuordnen: Jedes Frei- oder Hallenbad einer Kommune verursacht im Regelfall mehr Unkosten.

Wo entstehen die Unkosten vor allem?

Das wertvollste eines Betriebes ist das Personal – und das schlägt sich auch bei den Ausgaben nieder. Etwa drei Millionen Euro werden pro Jahr für den Tierpark ausgegeben, Knapp die Hälfte, 1,4 Millionen Euro, sind Personalkosten. Bei den Einnahmen schlägt sich das Eintrittsgeld am stärksten nieder: 1,7 Millionen fließen so in die Kassen. Hinzu kommen Einnahme aus dem Shop, Kiosk und anderem.

Wie profitiert der Landkreis Kassel vom Tierpark?

Auf vielfältige Weise. Die Region, die sich als Tourismusziel präsentiert, hat mit dem Tierpark eines seiner zugkräftigsten und bekanntesten Aushängeschilder. Den Werbeeffekt in Geld umzurechnen ist hingegen schwierig. Anders ist es mit den Sekundär-Ausgaben der Besucher. Dazu gibt es wissenschaftliche Untersuchungen. Tagestouristen geben im Schnitt 30 Euro aus. Sie zahlen nicht nur Eintritt, sondern sie lassen auch Geld für Essen, Getränke, für Benzin oder auch für andere Produkte in der Region. 

Wenn die Hälfte der über 300 000 Besucher in die Kategorie Tagestourist fallen (also nicht aus der unmittelbaren Nachbarschaft kommen), errechnet sich eine Wertschöpfung von zusätzlich 4,5 Millionen Euro für die Region. Volkswirtschaftlich ist der Tierpark für die Region daher auf alle Fälle ein Gewinn, auch wenn er betriebswirtschaftlich einen kleinen Verlust einfährt.

Was gab es in diesem Jahr Neues im Tierpark?

Die Neugestaltung des Eingangsbereichs. Es war ein sehr sensibles Thema, wurde doch in die historische Bausubstanz eingegriffen. Die Resonanz der Baufachleute war aber durchweg positiv. Mit Augenmaß und Geschmack sei der Landkreis hier vorgegangen. Dass die Neuerung nicht nur optisch, sondern auch in der Anwendung gelungen war, zeigte sich beimMittelaltermarkt. Mit 20 000 Besuchern gab es einen Rekordbesuch. Und selbst als einmal 6000 Menschen binnen einer Stunde in den Tierpark wollten, gab es kaum Wartezeiten. Dass man an der Kasse keine fünf Minuten stand, wurde von allen gelobt, sagt Pietsch.

Was wird nächstes Jahr neu gebaut?

Der Schwerpunkt liegt nach den Worten von Pietsch auf der Erhaltung der Anlage. Die größte Investition wird in die Neugestaltung des Luchsgeheges fließen. Es soll für die Besucher besser einsehbar werden. Um die 300 000 Euro wird dies voraussichtlich kosten.

Aus Fehlern gelernt: Früher gab es mehr exotische Tiere an der Sababurg, wie etwa eine große Gruppe Rotgesichtsmakaken oder später Berberaffen. Die Haltung wurde eingestellt, das Gehege abgebrochen.

Was ist das Besondere am Tierpark Sababurg?

Zweifellos die Anlage selbst. Die breiten Eichenalleen beispielsweise, spenden selbst im Hochsommer kühlenden Schatten. Der Rundweg gibt Blicke in die Gehege frei und sorgt für Abwechslung, die für alle Altersgruppen interessant ist. Selbst wenn man mehrere Kilometer zurücklegt, wird es nicht langweilig. Tierfütterungen und Streichelzoo sind besonders bei Kindern stark frequentierte Angebote.

Wie viele Besucher kommen pro Jahr?

In den ersten Jahren nach der Wiedereröffnung 1973 lag sie im fünfstelligen Bereich. 1998 wurden 105 000 Besucher gezählt. Seither wurde das Angebot stetig ausgeweitet: 1999 wurde die Greifvogelstation eingeweiht, 2006 kam ein Schulbauernhof, 2011 gab es eine neue Anlage für Pinguine und die neue Affenkletterwelt. 

Parallel dazu stiegen die Gästezahlen auf über 200 000. Mit den sogenannten Event-Veranstaltungen (Mittelaltermarkt, Frühlingsmarkt, Herbstfest) und Sonderaktionen (Hirschbrunft, Tierparklauf, Halloween, Lichterfest, Vollmondführung und vielem mehr) stieg die Besucherzahl noch einmal rasant an, auf etwa 350 000 in diesem Jahr. Dass das Interesse so groß ist, kommt nicht von ungefähr. Der Verwaltungsleiter des Tierparks, Görnhardt, ist nicht nur Diplom-Verwaltungswirt, sondern hat zusätzliche Abschlüsse in Public Management und Turbo-Marketing. Es stimmt also nicht nur die Arbeit vor Ort, sondern auch die Öffentlichkeitsarbeit.

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