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Tierpensionen im Kreis Kassel sind überlastet: Verluste wegen Corona noch spürbar

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Von: Natascha Terjung

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Die Vellmarerin und Katzenpension-Inhaberin Manuela Grosse-Wurmstein muss momentan viele Kunden vertrösten, die wegen einer Reise ihr Tier bei ihr unterbringen wollen. Auf dem Bild ist eine der Gastkatzen zu sehen.
Die Vellmarerin und Katzenpension-Inhaberin Manuela Grosse-Wurmstein muss momentan viele Kunden vertrösten, die wegen einer Reise ihr Tier bei ihr unterbringen wollen. Auf dem Bild ist eine der Gastkatzen zu sehen. © Natascha Terjung

Nach zwei Coronajahren wollen viele wieder in den Urlaub. Ihre Haustiere finden dann oft eine Bleibe in Tierpensionen. Doch die sind derzeit oft ausgebucht.

Kreis Kassel – Während der Pandemie haben sich viele Menschen ein Haustier zugelegt. Nach zwei Coronajahren zieht es aber auch viele Tierbesitzer wieder in den Urlaub. Eine Möglichkeit, sein Tier während einer Reise gut unterzubringen, sind Tierpensionen. Doch die haben momentan mit vielen Anfragen und verzweifelten Kunden zu kämpfen.

So auch Manuela Grosse-Wurmstein, die in Vellmar die Katzenpension Samtpfote betreibt. „Dieses Jahr mussten wir vielen Leuten absagen.“ 18 Katzen könne sie in ihrer Pension aufnehmen, derzeit sei sie komplett ausgebucht. Das sei auch in anderen Tierpensionen der Fall. „Die Kunden wissen oft nicht mehr, was sie machen sollen“, sagt Grosse-Wurmstein.

Allein im Juni habe sie 31 Anfragen ablehnen müssen – von Ostern bis Oktober seien Tierpensionen ohnehin ausgelastet. Auch wenn die Auftragslage derzeit gut sei, könne das die vielen Absagen der vergangenen zwei Jahre nicht ausgleichen. „Man kann seine Kapazitäten nicht erweitern, also holt man die Verluste auch nicht mehr rein.“

Ähnlich geht es Uwe Bräuer, der in Niedermeiser die Tierpension Apollo betreibt. „In den letzten beiden Jahren war es ruhig, jetzt sind wir ausgebucht.“ Bis September habe er keine freien Plätze mehr und habe viele Kunden vertrösten müssen. Zudem gebe es mittlerweile viele Tierbesitzer, die mit dem Wohnmobil reisten und daher ihre Hunde nicht mehr in Pensionen unterbrächten.

Viele Anfragen bei Tierpensionen – Auch Tierschutzvereine haben viel zu tun

Dass Menschen dieses Jahr wieder vermehrt in den Urlaub fahren, bemerkt auch Thomas Hach aus Bad Arolsen-Bühle, der Platz für zehn Hunde in seiner Pension hat. Er bekäme derzeit viele kurzfristige Anfragen. „Das sind häufig Leute, die sich während der Coronazeit ein Tier angeschafft haben und sich keine Gedanken darüber gemacht haben, wo ihr Tier während des Urlaubs hin soll.“ Etwa drei Monate vor der Reise sollten Tierbesitzer sich um einen Platz kümmern, rät Hach.

Auch Tierschutzvereine wie das Trendelburger Katzenhaus haben viel zu tun, denn von Frühling bis Herbst werden viele Jungtiere geboren.

Auf die Ausbildung kommt es an

Betreiber von Tierpensionen müssen einen Sachkundenachweis vom Veterinäramt nachweisen können, erklärt Pensionsbetreiberin Manuela Grosse-Wurmstein. Um ihn zu bekommen, müssten eine mündliche und schriftliche Prüfung abgelegt werden. Zusätzlich prüfe das Veterinäramt, ob die Räume der Pensionen für Tiere geeignet sind. Grosse-Wurmstein rät, auch auf den Ausbildungsstatus der Betreiber zu achten, wie etwa Praktika bei Tierärzten oder in Tierheimen. (ter)

Viele legen sich unüberlegt ein Tier zu

Kreis Kassel – Zwei Jahre lang hatten Betreiber von Tierpensionen wegen Corona mit herben Verlusten zu kämpfen. Jetzt können sie sich zwar vor Anfragen kaum retten, jedoch fürchtet Manuela Grosse-Wurmstein, Inhaberin der Katzenpension Samtpfote in Vellmar, dass im kommenden Jahr wieder weniger Menschen das Angebot von Tierpensionen in Anspruch nehmen werden.

Zahlreiche Jungkatzen peppelt derzeit das Trendelburger Katzenhaus auf.
Zahlreiche Jungkatzen peppelt derzeit das Trendelburger Katzenhaus auf. (Symbolbild) © Privat

„Die steigenden Lebensmittel- und Energiekosten werden sich bemerkbar machen.“ Man müsse damit rechnen, dass die Menschen weniger Geld für Reisen ausgeben könnten und daher auch ihre Tiere nicht in Pensionen unterbringen müssten.

Zudem falle auf, dass manche Katzenbesitzer sich der intensiven Pflege eines Tieres nicht bewusst seien. Das seien häufig Personen, die sich während der vergangenen zwei Jahre eine Katze angeschafft haben. „Tiere sind zeitintensiv, werden auch mal krank und kosten Geld“, sagt sie. Zurzeit betreut Grosse-Wurmstein hauptsächlich Katzen von Stammkunden und das laste die Pension fast aus. Pro Jahr könne sie – wenn überhaupt – etwa 20 Prozent an Neukunden aufnehmen.

„Tiere sind zeitintensiv, werden auch mal krank und kosten Geld.“

Manuela Grosse-Wurmstein, Betreiberin einer Katzenpension

Doch während der Reisesaison haben nicht nur die Tierpensionen im Kreis alle Hände voll zu tun. Die Mitarbeiter des Katzenhauses Trendelburg, die sich um Katzen in Not kümmern, haben derzeit viele Katzenjungen in Pflege. Denn in der Zeit von Frühjahr bis Herbst paaren sich Katzen, erklärt Karin Werner aus Hofgeismar vom Katzenhaus. „Momentan betreuen wir zwölf Jungtiere und vier erwachsene Tiere.“

Die meisten Katzen seien über das Veterinäramt gekommen und hätten mit verschiedenen Krankheiten zu kämpfen. Oft stammten die Tiere aus Orten mit vielen Bauernhöfen, wo Katzen frei leben und häufig nicht kastriert seien. „Nicht überall gibt es eine Kastrationspflicht, das wäre aber sinnvoll, damit nicht noch mehr Katzen verwahrlosen.“ (Natascha Terjung)

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